Union Berlin besiegt Borussia Mönchengladbach mit 3:1
Das Spiel zwischen Union Berlin und Borussia Mönchengladbach offenbarte mehrere wichtige Erkenntnisse, die auf eine erhebliche Baustelle hinweisen.
Mönchengladbach – Borussia Mönchengladbach bleibt auch im 14. Bundesligaspiel in Folge ohne Sieg. Die 1:3-Niederlage gegen Union Berlin zum Auftakt des siebten Spieltags gehört zu den ärgerlichsten Pleiten dieser Negativserie. Trainer Eugen Polanski, der seit vier Spielen auf den Befreiungsschlag wartet, zeigte sich entsprechend unzufrieden.
Das Fußball-Portal Absolut Fussball hat drei wesentliche Erkenntnisse zur neunten Bundesliga-Niederlage seit April zusammengefasst. Die erste betrifft die größte Schwachstelle von Gladbach: Bereits zum dritten Mal in dieser Saison kassierte die Mannschaft in einem Spiel mindestens drei Gegentore, wodurch die Bundesligatauglichkeit der Abwehr zunehmend in Frage gestellt wird.
Nicht ohne Grund hatte der neue Sportchef Rouven Schröder bei seinen ersten öffentlichen Auftritten angekündigt, im Winter in der Defensive nachbessern zu wollen. Sowohl die Breite als auch die Qualität der Abwehr sind Fragen, die beantwortet werden müssen. Das frühe 0:1 durch Danilo Doekhi (3. Minute) entstand aus einem Eckball, der resultierte, weil Joe Scally nicht den Zweikampf mit Derrick Köhn suchte und Moritz Nicolas dessen Abschluss parierte.
Beim 0:2 (26. Minute) konnte Ilyas Ansah im Strafraum zwischen Scally und Nico Elvedi hindurchlaufen. Sein Pfostenschuss wurde von Doekhi im Nachsetzen über die Linie gedrückt, da Startelf-Debütant Marvin Friedrich seinen Gegenspieler nicht ausreichend deckte. Das 1:3 durch Rani Khedira (80. Minute) fiel, als Gladbach einen Freistoß von Union nicht ausreichend klärte, der von keinem Verteidiger bewacht wurde.
„Wenn ich sehe, wie die Ecke zum 0:1 zustande kommt – das darf so nicht sein. Dann schieße ich das Ding komplett über das Stadion“, ärgerte sich Polanski und äußerte sich zur Anfälligkeit bei Standards: „Wir haben mit Marvin Friedrich genau deswegen einen großen Spieler geholt. Das ist es, was mich am Ende ärgert, wir haben das angesprochen.“
Die defensive Leistung von Gladbach war insbesondere in den ersten 15 Minuten schlampig, als Union zahlreiche Bälle eroberte und die Fohlen im Pressing unter Druck setzte. „Da waren wir zu naiv und haben das ganze Spiel hergeschenkt“, sagte Polanski und ergänzte mit Blick auf den frühen Rückstand: „Doekhi läuft ohne Körperkontakt einfach so durch. Das ist mir zu billig, das wird in der Bundesliga bestraft.“
Der Trainer machte die Schwächen noch deutlicher: „Wenn ich weiß, wie Union spielt, darf ich nicht so leichtfertig die Duelle annehmen oder so unklug in Zweikämpfe gehen“, betonte er und fügte hinzu: „Egal ob auswärts oder zu Hause, wir dürfen nicht so leicht Gegentore kassieren. Wir können nicht jedes Mal drei oder vier Tore schießen, um ein Spiel zu gewinnen.“
Die Niederlage ist umso ärgerlicher, da Gladbach im eigenen Ballbesitz zunehmend die Muster zeigt, die Polanski im Training einstudiert hat. Das Pressing wurde im Verlauf der ersten Halbzeit immer besser überspielt, und in der gegnerischen Hälfte agierte die Mannschaft mit wenigen Kontakten und präzisen Pässen bis ins letzte Drittel.
Gladbach schaffte es, den Gegner zu beschäftigen, Räume zu schaffen und das Spiel clever zu verlagern. Dennoch mangelte es weiterhin an der Genauigkeit im letzten Pass und der Durchschlagskraft im Abschluss. „Wir haben gut gespielt und das 1:2 erzielt. Besonders ab der 55. Minute hatten wir eine starke Phase, in der Union nicht wusste, was passiert“, analysierte Polanski.
Der Ertrag stand jedoch in keinem Verhältnis zum Aufwand, da das einzige Tor des Abends von Haris Tabaković in der 33. Minute zum zwischenzeitlichen 1:2 erzielt wurde. „Wir müssen mit mehr Wucht und Entschlossenheit die Tore machen. Wir haben genügend Flanken, treffen aber keinen Spieler oder sind nicht zur Stelle“, so Polanski.
Die dritte Erkenntnis ist, dass sich das Verletztenlazarett allmählich lichtet. Franck Honorat und Giovanni Reyna feierten sowohl auf der Bank als auch auf dem Rasen ihr Comeback, wobei insbesondere der flinke Franzose eine neue Dynamik ins Spiel von Borussia brachte.
„Wir wollten Franck auf jeden Fall bringen, und Gio kann immer Akzente setzen. Das hat gut funktioniert, wir haben aus einem wilden Spiel ein relativ gut strukturiertes Spiel gemacht“, zog Polanski ein positives Fazit. Dennoch gelingt es Gladbach kaum, die Leistung auf den Platz zu bringen. „Es ist extrem frustrierend. Wenn wir die Energie im Training sehen und das, was die Jungs grundsätzlich können, ist das ernüchternd.“
Wenn bald auch Robin Hack zurückkehrt, wird Polanski über weitere Optionen erfreut sein. Schließlich weiß der Übergangstrainer, dass die Zeit drängt: „Die Ergebnisse müssen irgendwann auch mal erzielt werden.“
In diesem Zusammenhang äußerte sich Hitzlsperger zu Schröder: „Du musst jeden Tag alles geben, und das funktioniert nicht immer. Eugen Polanski ist in dieser Situation nicht zu beneiden. Ich hoffe, dass Rouven Schröder ihn unterstützen kann.“ Denn aus der Krise kann Borussia nur gemeinsam herausfinden.