VAR-Diskussionen und Norwegens WM-Ausscheiden gegen England

VAR-Diskussionen und Norwegens WM-Ausscheiden gegen England

Der Video-Assistent-Referee (VAR) sorgte erneut für Kontroversen, jedoch beim Viertelfinale zwischen England und Norwegen nicht wegen Abseitsentscheidungen oder Platzverweisen, sondern aufgrund eines Kabels der TV-Kamera.

Stale Solbakken, der seit 25 Jahren mit einem Herzschrittmacher lebt, zeigte sich in Miami hin- und hergerissen. Der Trainer, der in der Vergangenheit in New Jersey Küsschen an seine Frau und in Boston Blumen an einen Kollegen verteilt hatte, wusste, dass es Wichtigeres gibt. Dennoch muss ein solch tragisches Ausscheiden für die Fußballnation Norwegen erst einmal verarbeitet werden.

Nach der 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen England war es für Solbakken ein schmaler Grat zwischen Frust und Stolz. „Bekommt das Kabel jetzt einen Assist? Ich denke ja“, äußerte der 58-Jährige sarkastisch, da Jude Bellingham unter kuriosen Umständen das 1:1 erzielte, nachdem der Ball durch das Drahtseil der Spidercam seine Flugrichtung verändert hatte.

Schiedsrichter Clement Turpin aus Frankreich und die 64.478 Zuschauer im Stadion bemerkten dies nicht, ebenso wenig wie die Videoassistenten an ihren Monitoren. „Der Ball fällt direkt vom Himmel. Für uns war das kein guter Moment“, erklärte Solbakken und fügte hinzu, dass er sich wunderte, „was da passiert ist: Es war schräg.“

Warum intervenierte der VAR nicht? Die FIFA erklärte: „Vor dem Tor zeigte der Sensor keinen Anstieg des ‚Herzschlags‘ des Balls, als dieser sich in der Luft befand.“ Auf diese Erklärung reagierte Solbakken verärgert: „Die FIFA sagt, sie kann das nicht messen. Ehrlich, das ist keine Entschuldigung, jeder bei uns auf der Bank hat reagiert.“

In den sozialen Medien wurde der Begriff „Kabel Gottes“ populär. Auch Alf-Inge Haaland äußerte sich kritisch über den FIFA-Schiedsrichter, der England „gerettet“ habe. Der Vater von Erling Haaland schrieb auf der Plattform X: „Ich habe das Gefühl, dass wir heute um den Sieg betrogen wurden.“ Dies war eine überzogene Reaktion.

Auch Erling Haaland hatte in Florida einen unglücklichen Tag. Der Stürmer von Manchester City fand gegen seine Klubkollegen Marc Guehi und John Stones nur bei zwei Kopfballversuchen eine Lücke und konnte ansonsten keine Chancen nutzen. Zudem wurde ein vermeintliches 2:0 von Tobjörn Heggem nach einem vom VAR identifizierten Foul gegen Elliot Anderson annulliert (57.). Haalands Auswechslung nach 106 Minuten war folgerichtig.

Einwechselspieler wie Antonio Nusa brachten frischen Wind, und der überraschend für den Leipziger Außenspieler eingesetzte Andreas Schjelderup erzielte ein Traumtor zum 1:0 (36.). Diese mutige Truppe fehlte nicht viel, um die oft nachlässigen und erschöpften Engländer in Bedrängnis zu bringen. Die Fans im Stadion unterstützten das Team lautstark, während die Spieler alles gaben.

Diese Tournee musste auch Haaland nach seinem bislang blassesten WM-Auftritt trösten. „All das zeigt jungen Menschen in Norwegen, dass es möglich ist, auf der großen Bühne der Welt mit einem norwegischen Trikot zu spielen.“ Er fügte pathetisch hinzu, dass diese WM „Norwegen verändert hat – und auch mich.“

Der Vorzeigewikinger avancierte zu einer der interessantesten Figuren für den US-Sportmarkt. Es könnte gut sein, dass die Major League Soccer in Zukunft ein Betätigungsfeld wird. Zunächst plant König Harald, die neuen Helden in Oslo zu empfangen. Fußball ist in der sportbegeisterten Nation ein zentrales Thema, und vielleicht folgt bei der EM 2028 mehr Erfolg.

Nach einem WM-Viertelfinale, das langweilig begann, aber dramatisch endete, wollte Solbakken anmerken, bevor sich alles nur auf ein Thema konzentrierte: „Wir müssen damit leben. Das ist nicht die Story über unser Team. Das sollte sie nicht sein.“ In Norwegen hängt niemand den Kopf. Für Solbakkens Schlusswort gab es beim Abgang aus Miami Applaus.

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