Victor Boniface: Herausforderungen und Hoffnungen bei Werder Bremen
Nach dem Sieg des SV Werder Bremen gegen den FC St. Pauli wird Victor Boniface intensiv diskutiert – insbesondere hinsichtlich seiner Fitness, einer vergebenen Großchance und seines Auftritts in den sozialen Medien. Sportchef Clemens Fritz äußert sich dazu.
Bremen – Auch einen Tag nach dem 1:0-Heimsieg gegen den FC St. Pauli kann Victor Boniface die vierte Minute der Nachspielzeit nicht aus dem Kopf. Der nigerianische Angreifer sprintete während eines Konters allein auf das Tor der Gäste zu, verlor jedoch merklich an Tempo, sodass ihn mehrere Verteidiger einholen konnten. Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Boniface am Ball, dribbelte einen Gegenspieler gekonnt aus, schoss jedoch aus kurzer Distanz knapp am langen Pfosten vorbei. "Ich bin immer noch traurig darüber", schrieb der 24-Jährige am Sonntag in einer Instagram-Story. Ein Treffer hätte nicht nur die Entscheidung in der Partie herbeigeführt, sondern auch dem Spieler selbst gutgetan. Boniface, der gegen St. Pauli erst in der 80. Minute eingewechselt wurde, wartet nach vier Spielen weiterhin auf sein erstes Tor im grün-weißen Trikot. "Ich hätte ihm das Tor sehr gegönnt, da fehlten nur ein paar Zentimeter", erklärte Cheftrainer Horst Steffen nach dem Spiel, fügte jedoch hinzu: "Ich bin nicht unzufrieden mit ihm. Er hat seine Arbeit gemacht."
Die Szene verdeutlicht jedoch auch, wie viel Arbeit Werder Bremen noch mit dem Stürmer vor sich hat. Auf dem Sprint über das halbe Feld war deutlich zu erkennen, dass Boniface von seinem einst gefürchteten Antritt noch entfernt ist. "Sein Top-Speed liegt normalerweise bei 33 km/h, aber gestern erreichte er nicht einmal 30 km/h. Wenn er wieder in Topform ist und zehn Prozent fitter, muss er nicht in die Zweikämpfe gehen, sondern kann direkt auf den Torhüter zulaufen", erklärte Ex-Profi Stefan Effenberg am Sonntag im "Sport1-Doppelpass". Auch Clemens Fritz äußerte sich zu der Szene: "Wenn er das Tor macht, reden wir auch anders über ihn."
In der Talkrunde und im Bremer Umfeld wird jedoch nicht nur über Boniface’ sportliche Leistungen gesprochen, sondern auch über sein Verhalten abseits des Platzes. Der Angreifer fällt dort regelmäßig durch teils rätselhafte Beiträge in den sozialen Medien auf. "Ich würde behaupten, dass wir alle schon einmal vor abstrakter Kunst gestanden haben und uns gefragt haben, was der Künstler uns damit sagen möchte. Wir bei Werder stellen uns diese Frage bei ihm auch", sagte Fritz schmunzelnd. Gleichzeitig betonte der Sportchef, dass er dem Thema keine übermäßige Bedeutung beimessen möchte: "Es ist wichtig, manches mit Humor zu nehmen und nicht alles zu dramatisieren. Solange es zu den Werder-Werten passt, ist das für uns in Ordnung."
Für Fritz ist jedoch entscheidend, wie der Stürmer sich intern präsentiert, und dort gibt es keinen Anlass zur Sorge. "Victor ist ein eher introvertierter Typ, aber wenn man ihn in der Kabine sieht, hat er immer ein Lächeln im Gesicht", betonte Fritz. Dieses Lächeln soll auch wieder auf dem Platz zu sehen sein – auch wenn dafür Geduld erforderlich ist. "Es bringt uns nichts, ihn jetzt nicht vollständig fit ins Spiel zu bringen", stellte Fritz klar.
Obwohl dieser Ansatz nicht falsch ist, wirft es die Frage auf, ob das Risiko der Leihe von Victor Boniface nicht zu groß ist, da der Stürmer möglicherweise erst mitten in der Saison oder später seine Topform erreicht. "Wenn Victor in den letzten Monaten an sein Leistungsoptimum herangekommen wäre, hätten wir ihn jetzt nicht in Bremen", erklärte Fritz. Gleichzeitig machte er dem Spieler jedoch auch deutlich, dass ihm bewusst sein muss, dass Werder eine Chance für ihn ist – denn es gibt auch eine Zeit nach Bremen und Leverkusen. Die Hoffnung, dass sich die Leihe am Ende für beide Seiten auszahlt, bleibt an der Weser groß, wie Werders Geschäftsführer verdeutlichte: "Es ist unser Ziel, ihn in die bestmögliche Verfassung zu bringen – denn dann ist er für uns äußerst wertvoll."