WM 2026: Eine Bilanz zur ersten 48er-Weltmeisterschaft
Erstmals nehmen 48 Nationen an einer Weltmeisterschaft teil. Kurz vor dem Ende der Gruppenphase ist es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen: War die Aufstockung der Teilnehmerzahl positiv?
New York – Die Vorrunde der WM 2026 hat bereits die entscheidende Phase erreicht. Einige Teams wissen seit der zweiten Runde, dass sie bald abreisen müssen. Das Turnier wird verkleinert, und am Ende werden nur noch 32 Mannschaften übrig sein, die vertraute Größe. Ein Rückblick auf die erste WM mit 48 Teilnehmern stellt sich die Frage: Wie hat sich das Turnier angefühlt? Und ist das erweiterte Teilnehmerfeld das Modell für die Zukunft?
Jürgen Klopp stand im „Adidas Home of Soccer“ unter der Brooklyn Bridge und erzählte von einer Anekdote rund um das WM-Eröffnungsspiel in Mexiko. Ein Fan überreichte ihm ein Trikot von Chile, was ihn daran erinnerte, dass diese Nation nicht am Turnier teilnimmt. „Es ist schwierig, den Überblick über vier Gruppen mit jeweils zwölf Nationen zu behalten“, gab Klopp zu. Als Weltfußball-Koordinator bei Red Bull und WM-Experte für MagentaTV räumt er ein, dass er „bei den kleineren Nationen keinen einzigen Spieler kannte“.
Insgesamt beurteilt er: „Der Fußball, den wir sehen, ist gut.“ Doch er schränkt ein: „Nicht jedes Spiel.“ Sein Ausblick: Von einigen weniger bekannten Teams wird man sich bald verabschieden müssen, und ab dem Viertelfinale wird es wie gewohnt spannend: „Da treffen Weltklasse-Spieler aufeinander. Und wer es noch nicht ist, wird es auf dem Weg dorthin werden.“
Sami Khedira, Weltmeister von 2014, stand neben Klopp und verbrachte zwei Wochen bei der WM, in seiner Rolle als Fan. Er genoss eine Zugfahrt mit norwegischen Fans zum Spiel gegen Senegal in New York und kaufte ein 98-Euro-Transportticket nach New Jersey ins MetLife-Stadion. Norwegen ist stark genug, um sich auch für eine WM mit 32 Teams zu qualifizieren, doch Khedira fand Freude an der Atmosphäre rund um die Stadien und in den Städten.
Sein Spielerlebnis liegt noch nicht weit zurück, und er hat Bedenken bezüglich einer Weltmeisterschaft im XXL-Format. „Wenn du für Real Madrid oder Juventus spielst, ist es äußerst störend, dass die WM eine Woche länger dauert und du bald danach wieder ins Vereinstraining einsteigen musst. Und als Trainer eines Vereins, der viele Spieler bei der WM hat, ist das frustrierend.“ Er fühlt sich hin- und hergerissen: „Isoliert betrachtet ist dieses Turnier mit 48 Mannschaften in Ordnung.“ Doch er merkt an, dass er nicht mehr spielt, „und es ist eine Frage der Perspektive“.
Eine besondere Perspektive hat auch Björn Gulden, der CEO von Adidas, Ausstatter von 14 WM-Teams. Der Norweger, der früher beim 1. FC Nürnberg in der 2. Liga spielte, sieht die WM natürlich „unter kommerziellen Gesichtspunkten“. Die Rechnung lautet: „Mehr Teams, mehr Umsatz.“ Adidas strebt durch die WM einen Umsatz von bis zu 1,5 Milliarden Euro an. Die schiere Größe der WM 2026 treibt die Zahlen in die Höhe: „Der Absatz der Deutschland-Trikots ist im Vergleich zur WM 2022 auf das Dreifache gestiegen.“ Er weiß, dass die großen Nationen mit dem 48er-Format den kleineren entgegenkommen. „Es dauert nur eine Woche länger. Habt Mitgefühl!“