Xabi Alonso und die Herausforderungen bei Real Madrid
In der aktuellen Kolumne von Absolut International steht Xabi Alonso im Mittelpunkt und die Frage, ob ihm bei Real Madrid bereits das Aus droht.
Madrid – Liebe Fans des internationalen Fußballs: Real Madrid verliert nicht oft, und noch seltener verliert der Klub die Kontrolle. Doch die 0:2-Niederlage gegen Celta Vigo war mehr als nur eine unerwartete Pleite. Es war bereits das vierte Mal in den letzten fünf Ligaspielen, dass die Königlichen Punkte ließen. Ein Team wie Real stolpert nicht zufällig so häufig.
Hinter der glänzenden Fassade des Estadio Santiago Bernabéu rumort es, und mittendrin steht ein Trainer, der eigentlich eine neue Ära prägen sollte. Xabi Alonso, Rückkehrer und Hoffnungsträger, sollte das große Projekt werden. Heute stellt sich jedoch die Frage: Ist er in Madrid wirklich Trainer oder bereits Teil eines Machtspiels, das ihn überrollt?
Die sportliche Krise ist offensichtlich: fehlende Struktur, geringe Intensität und ein Team ohne klare Antworten. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer. In Madrid entscheidet selten allein der Trainer über die Stimmung in der Kabine; die Stars bilden die wahren Machtachsen. In den letzten Wochen häuften sich Berichte über Spannungen innerhalb des Teams.
Der Name Vinícius Junior fällt dabei besonders häufig und weist darauf hin, wie fragil das interne Gleichgewicht geworden ist. Sobald ein Spieler dieser Strahlkraft unzufrieden wirkt, verschiebt sich die Dynamik des Vereins. Die spanische Sportzeitung Marca spricht mittlerweile von einem klaren Bruchmoment.
Als Vinícius am Abend des 26. Oktober im Clásico gegen den FC Barcelona bei seiner Auswechslung explodierte, begann das Fundament des Alonso-Projekts zu wanken. Der Verein griff nicht ein und stellte sich nicht sichtbar hinter seinen Trainer – genau das war der Moment, in dem Alonso Autorität verlor. Der starke Saisonstart konnte die Struktur nicht mehr zusammenhalten, und selbst der Clásico-Sieg verdeckte nur kurz eine Entwicklung, die sich seither weiter zuspitzt.
Bei Bayer 04 Leverkusen war Alonso das Zentrum des Projekts. Die Mannschaft folgte seiner Vision, weil sie wusste, dass der Trainer der entscheidende Baustein des Erfolgs war. Real Madrid stellt dieses Prinzip jedoch auf den Kopf. Hier muss sich der Trainer einem Umfeld anpassen, das gewohnt ist, dass die Spieler die Richtung vorgeben. Alonso hat eine klare Vision, doch eine Vision allein reicht nicht, wenn sie auf eine Kabine trifft, die eigene Routinen und Hierarchien pflegt.
Wer in Madrid bestehen will, muss nicht nur Taktiker, sondern auch Moderator eines Systems sein, das selten geduldig ist. Ein brillanter Trainer im falschen System? Die Mechanismen, die Alonso in Leverkusen stark machten, greifen in Madrid nicht automatisch. Der Trainer ist weniger ein Fixpunkt als eine Variable. Seine Stärken kommen nur zur Geltung, wenn die Kabine bereit ist, ihm zu folgen. Im Moment scheint genau das die größte Hürde zu sein.
In vielen Vereinen wäre diese Phase ein Lernprozess. In Madrid wird sie jedoch zum Stresstest. Der Klub kennt nur eine Logik: Erfolg ist normal, alles andere ein Störfall. Die Auftritte der vergangenen Wochen widersprechen diesem Selbstbild – Spiele ohne Energie, ohne Linie, ohne gemeinsames Ziel. Solche Eindrücke nähren den Zweifel.
Wer trägt die Verantwortung? Der Trainer hat noch nicht die Balance zwischen seinen Ideen und dem Kader gefunden. Die Struktur ist fragil, und die Bindung zur Mannschaft nicht tief genug, um Rückschläge gemeinsam zu tragen. Gleichzeitig lässt Real den Trainern kaum Raum zum Atmen. Die Macht der Stars, die reflexhafte Skepsis bei Misserfolgen und die geringe Entwicklungszeit erschweren nachhaltige Arbeit.
Die kommenden Spiele werden entscheidend dafür sein, welche Ordnung innerhalb des Klubs künftig Bestand hat. Gelingt es Alonso, die Kabine zu gewinnen, könnte aus der Krise ein Neuanfang werden. Andernfalls droht seine Amtszeit als Projekt in Erinnerung zu bleiben, das nie richtig begann. Denn die Erwartungsmaschine Madrid stoppt für niemanden.