Yan Coutos Dilemma beim BVB: Ein Schritt vor, einer zurück

Yan Coutos Dilemma beim BVB: Ein Schritt vor, einer zurück

Das 4:4-Unentschieden des BVB gegen Juventus in der Champions League spiegelt die bisherige Laufbahn von Yan Couto wider: Ein Schritt vor, einer zurück.

Dortmund/Turin – In der 74. Minute des Champions-League-Spiels des BVB gegen Juventus im Allianz Stadium von Turin hätte sich für Yan Couto ein Wendepunkt ergeben können. Sein erstes Tor für Borussia Dortmund im 40. Pflichtspiel hätte den entscheidenden Auftaktsieg in der Gruppenphase bedeuten können. Auch sein Torjubel, bei dem er einen Babybauch andeutete, passte zur Erwartung eines bald zweifachen Vaters.

Doch nur 22 Minuten später war Couto am bitteren 4:4-Ausgleich beteiligt. Ein missratener Tunnelversuch führte zu einem Ballverlust, der den entscheidenden Konter einleitete. Die anfängliche Euphorie des Flügelspielers war damit schnell verflogen. „Dieses Spiel müssen wir zu 100 Prozent gewinnen“, äußerte Karim Adeyemi nach dem Abpfiff. Für Couto war es die verpasste Chance auf den persönlichen Durchbruch.

Das Spiel gegen Juventus offenbarte auf brutale Weise das Dilemma, das Couto seit seiner Ankunft in Dortmund verfolgt. Erstmals spielt der Brasilianer kontinuierlich, findet seinen Rhythmus und gewinnt an Selbstvertrauen. Doch in Turin folgte auf den vermeintlichen Höhepunkt die ernüchternde Erkenntnis, wie schnell alte Muster zurückkehren können. Ein Schritt vor, ein Schritt zurück – so geht es für Couto seit über einem Jahr.

„Was nicht gut war, sind die letzten vier Minuten. Das tut weh“, sagte Trainer Niko Kovač nach dem Spiel. „Da musst du erwachsener spielen“, kritisierte Torwart Gregor Kobel im Namen des gesamten Teams. Der Ball hätte zur Not auf die Tribüne geschlagen werden müssen, um sich defensiv neu zu organisieren.

Stattdessen leistete sich Ramy Bensebaini einen katastrophalen Fehlpass vor dem 3:4 und Couto verlor unnötig den Ball vor dem 4:4, anstatt die Zeit an der Eckfahne herunterlaufen zu lassen. Die Frage bleibt, welcher Eindruck zurückbleibt: Die Freude über den ersten Pflichtspieltreffer auf großer Bühne oder der Ärger über die Mitverantwortung am 4:4 und die insgesamt fehlerbehaftete Leistung?

Letzteres würde sich eher in das bisherige Bild einfügen, das Couto beim BVB hinterlässt: das eines unglücklichen Fußballers, der zu einem teuren Missverständnis zu werden droht. Dies wurde zusätzlich dadurch verstärkt, dass der 23-Jährige Schwierigkeiten hatte, sich nach seinem Wechsel zum BVB in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

„Ich habe nicht erwartet, dass der Wechsel nach Deutschland so anders sein würde“, gestand Couto im Sommer im brasilianischen Fernsehen und sprach von einem Kulturschock. Die Kälte und die Mentalität der Menschen – all dies stellte sich für ihn als „sehr schwierige Zeit“ heraus. Beim BVB gibt es jedoch die Hoffnung, dass mit Neuzugang Fábio Silva eine Bezugsperson für Couto hinzugekommen ist.

Als Portugiese spricht Silva die gleiche Sprache wie der Brasilianer und beherrscht zudem besseres Englisch. Vielleicht wird auch das Familienglück dazu beitragen, dass Couto sich in Dortmund wohler fühlt. Die Tatsache, dass sich die Fans bereits an solche kleinen Hoffnungsschimmer klammern, sagt viel über die aktuelle Situation aus.

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