50 Jahre nach dem ersten Titel: Erinnerungen der FC Bayern Frauen

50 Jahre nach dem ersten Titel: Erinnerungen der FC Bayern Frauen

Im Jahr 1976 gewannen die Frauen des FC Bayern ihren ersten Titel. Fünf Jahrzehnte später ist dies der perfekte Anlass für eine Rückschau mit Traudl Langer und Christl Süß.

München – In den Nächten Anfang Mai fiel es Christine Süß schwer, zu schlafen. „Wissen Sie, wenn man 50 Jahre lang nicht mit all dem zu tun hatte, hat das einen Einfluss auf einen“, erzählt die 80-Jährige. Neben ihr sitzt ihre Zwillingsschwester Gertraud, genannt „Traudl“ Langer. Zwischen den beiden fitten Damen im roten Shirt liegen Unterlagen, Fotos und Medaillen. „Die riechen ein wenig, weil sie im Keller waren“, bemerken sie.

So ist es mit Erinnerungsstücken an eine längst vergangene Zeit, die dennoch aktuell bleibt. Vor sechs Wochen wurden die Damen, die 1976 die erste Deutsche Meisterschaft für den FC Bayern gewonnen haben, von Präsident Herbert Hainer geehrt. Am 20. Juni, also diesen Samstag, jährt sich der Erfolg im Siegener Lembachstadion zum 50. Mal – eine ideale Gelegenheit für eine kleine Zeitreise.

Süß und Langer könnten Bücher über ihre Erlebnisse füllen, so viel gibt es zu besprechen. Dies wurde auch deutlich, als sich die damalige Mannschaft kürzlich am FC Bayern Campus traf. Nur wenige Wochen nachdem Traudl Langer einen Zettel von der langjährigen Managerin Karin Danner in ihrem Briefkasten fand mit der Aufschrift: „Bist Du die Traudl Langer? Dann ruf mich an!“, fand ein großes Treffen der ehemaligen Teamkolleginnen im Rahmen des letzten Saisonspiels der Meisterinnen von 2026 statt.

Es wurde viel geredet und gelacht, und natürlich wurden die Erinnerungen an die Zeit zwischen dem ersten Training der Frauenmannschaft im Jahr 1970 und dem Titelgewinn 1976 aufgefrischt. Für Süß und Langer war diese Zeit besonders intensiv, da sie im Meisterteam von Fritz Bank eine besondere Rolle einnahmen.

„Wir waren mit Abstand die Ältesten“, erzählt Traudl Langer, doch das hielt die Zwillingsschwestern aus einer Wirtsfamilie nicht davon ab, ihren Traum zu leben. Sie hatten 1970 eine Annonce in der „Bild am Sonntag“ entdeckt: „Es war klar, dass wir das nur zusammen machen würden“; und es war auch klar, dass ihre Ehemänner mitziehen mussten.

Als sich an einem Sommertag 80 Frauen zur Sichtung an der Säbener Straße einfanden, hatten Langer und Süß bereits je eine Tochter zur Welt gebracht. Heute sind sie 59 und 61 Jahre alt, damals waren die Mädchen 3 und 5. Die beiden Mütter lachen: „Sie wurden während des ersten Trainings von einem unserer Wirtsgäste betreut, der danach sagte: Das mache ich nie wieder!“ Also warteten sie, bis die Männer zu Hause waren, bevor sie anfangs zwei, später dann drei Abende pro Woche zum Training an die Säbener Straße gingen.

Oft kehrten die Zwillinge erst gegen 23.30 Uhr zurück, denn nach den Einheiten übte das Team im Salvatorkeller das „Fußball-ABC“. Der Rest der Mannschaft benötigte die taktische Nachhilfe mehr als Langer und Süß. Wer mit sechs Brüdern und vier Schwestern aufwächst, findet stets Beschäftigung.

Fußball wurde auf der Wiese hinter dem Haus gespielt, Handball bis in die Landesliga beim TS Jahn München. Die beiden konzentrierten sich vor allem auf ihre Kondition. Auch mit 80 Jahren radeln sie noch zur Arena, ihre Füße sind flink, wenn sie zeigen, wie sie den Ball damals führten. Kapitänin Süß als Zehner, Langer als Linksaußen.

Freundschaftsspiele gab es schnell, von Mailand bis ins Olympiastadion. Der Weg zum deutschen Titel verlief stetig. 1975 wurde man Vizemeister, unter dem damaligen Amateur-Trainer Bank wurde „dann nochmal anders angepackt“. Als der von den Herren um Gerd Müller ausgeliehene Mannschaftsbus im Juni 1976 in Richtung Siegen startete, kam Franz Beckenbauer vorbei und sagte: „Bringt’s fei ja den Pokal mit!“ Nach einem 3:2-Sieg im Halbfinale gegen Siegen ging es am schwülen Finaltag gegen Tennis Borussia Berlin in die Verlängerung. Am Ende stand es 4:2 – „und wir waren platt“.

Die beiden sprechen freudig über die 150 D-Mark Prämie, die folgenden Ehrungen und Einladungen zum Essen. Dennoch war klar: Für uns war’s das. Mit dem Titel im Gepäck kehrten sie zu Männern und Kindern zurück in das Leben, das lief und läuft, während die Frauen des FC Bayern zur deutschen Nummer eins wurden. Heute macht es „furchtbar viel Spaß, dem Team zuzusehen“, stellten die Meisterinnen von 1976 bei ihrem Besuch Anfang Mai fest. Und genauso viel Freude bereitet es, sich regelmäßiger zu treffen. Erst diese Woche war es wieder so weit – in kleinerer Runde und ohne schlaflose Nächte.

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