Bewertungen der Transferperiode beim FC Bayern München
Die Sommertransferperiode ist abgeschlossen und nun beginnt die Zeit der Bewertungen, um einige der häufig aufgetauchten Behauptungen über den FC Bayern München zu prüfen.
München – Für die sportlichen Verantwortlichen beim FC Bayern, insbesondere Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund, war die Transferperiode äußerst herausfordernd. Sie standen oft im Mittelpunkt negativer Berichterstattung, insbesondere Eberl, der einst Nachwuchsspieler des Vereins war. Ihre Arbeit wurde häufig mit Begriffen wie „peinliche Schlappe“, „Blamage“ und „überfordert“ bewertet, und das meist völlig ungerechtfertigt.
Mit welchen Vorgaben ist der deutsche Rekordmeister in die nun beendete Transferperiode gegangen? Eberl deutete bereits in Pressekonferenzen am Ende der Saison 2024/25 an, dass man mit dem bestehenden Meisterkader zufrieden sei. Anstelle eines Umbruchs sollten lediglich „punktuelle Anpassungen“ vorgenommen werden. Gleichzeitig war der vom mächtigen Aufsichtsrat unter Uli Hoeneß vorgegebene Sparkurs bei den Spielergehältern bekannt – trotz des Wunsches des Ehrenpräsidenten, Florian Wirtz, für den man in den nächsten vier bis fünf Jahren eine Viertelmilliarde Euro investieren wollte.
Zu diesem Sparkurs passten die ablösefreien Verpflichtungen der beiden deutschen Nationalspieler Jonathan Tah und Tom Bischof. Eric Dier (AS Monaco) und João Palhinha (Leihe zu Tottenham Hotspur) verließen den Rekordmeister, da sie nicht zur Spielphilosophie von Vincent Kompany passten. Auch Vereinsikone Thomas Müller und der 70-fache Nationalspieler Leroy Sané mussten gehen. Eberl hätte Müller unter anderen Bedingungen gerne behalten und auch mit Sané verlängert, doch die Vorgaben des Vereins machten dies unmöglich.
Hoeneß' absoluter Wunschspieler Wirtz gab Ende Mai bekannt, dass er nicht – wie allgemein erwartet – zum Rekordmeister nach München wechseln würde, sondern zum FC Liverpool. Diese Absage kam zwar überraschend, war aber letztlich weit entfernt von einer „Blamage“. Ein junger Spieler hat einen Karriereplan und zieht den englischen Norden vor, um sich dort zum Weltfußballer zu entwickeln. In München könnte ihm ausgerechnet sein Freund Jamal Musiala im Weg stehen. Wenn man es so betrachtet, war dies dennoch eine „Transferpleite“ für den FCB – symbolisch wäre dafür eher der Patron vom Tegernsee als Max Eberl verantwortlich.
Nachdem auch der spanische Europameister Nico Williams nicht an die Säbener Straße wechselte, wurde vermehrt berichtet, dass der FC Bayern offenbar seine „Strahlkraft“ im internationalen Wettbewerb verloren habe. Dabei spielte es keine Rolle, dass die Verhandlungen mit Williams aufgrund seiner überhöhten Gehaltsforderungen schnell beendet wurden, wie der FCB-Sportvorstand glaubhaft erklärte.
Es folgten der langwierige Poker um den deutschen Jungnationalspieler Nick Woltemade und die Verpflichtung von Luis Díaz vom FC Liverpool. Für beide Spieler stellte der FCB offensichtlich ein Traumziel dar. Der Kolumbianer wurde für 70 Millionen Euro verpflichtet, während der Deal mit dem 23-jährigen Deutschen an den überhöhten Forderungen des VfB Stuttgart scheiterte.
Dass der U21-Vize-Europameister letztendlich zum neureichen Newcastle United in die Premier League wechselte und nicht auf einen weiteren Versuch des FCB im Jahr 2026 wartete, spricht mehr für sein zerrüttetes Verhältnis zu den VfB-Verantwortlichen als für die vermeintlich verlorene Strahlkraft des FC Bayern. Seine hastige Flucht aus Stuttgart deutet auch darauf hin, dass er sich nicht einmal von seinen Teamkollegen verabschiedet hat, wie diese bestätigen.
Die Dringlichkeit einer Woltemade-Verpflichtung wurde hauptsächlich durch die schwere Verletzung von Musiala im Klub-WM-Viertelfinale gegen PSG verursacht. Überraschenderweise genehmigte der Rekordmeister Anfang August den Wechsel des französischen Vize-Weltmeisters Kingsley Coman zu al-Nassr in Saudi-Arabien.
Der 29-Jährige präsentierte sich in der Saisonvorbereitung in hervorragender Verfassung und war fest für die kommende Spielzeit eingeplant. Doch der FCB wollte ihm nicht die möglicherweise letzte Chance auf ein hohes Gehalt in der Petrodollar-Liga verwehren, was auch die Vorgabe zur Reduzierung der Gehaltsstruktur im Hinterkopf hatte. Coman gehörte zu den Topverdienern des Vereins.
Der Abgang des hochgeschätzten Coman sorgte in der finalen Phase der Transferperiode für erneuten Handlungsdruck. Der Franzose musste ersetzt werden, doch plötzlich wurde bekannt, dass Eberl und sein Team die eingenommenen Millionen nicht für einen Ersatz verwenden durften, sondern den Verlust über einen Leihdeal kompensieren mussten. Hoeneß und Co. hatten erneut zugeschlagen.
Auf diese Weise konnten einige mögliche Transfers nicht realisiert werden: Randal Kolo Muani durfte PSG nicht verlassen, ebenso wenig wie Christopher Nkunku den FC Chelsea und Ademola Lookman Atalanta Bergamo. Alle Spieler hätten sich gerne dem deutschen Rekordmeister angeschlossen. Von wegen „Strahlkraft verloren“!
Schließlich fanden Eberl und Co. unter nahezu dramatischen Umständen doch noch einen Neuzugang: Der senegalesische Nationalspieler Nicolas Jackson kommt per Leihe nach München, mit anschließender (erschwerter) Kaufpflicht. Der strenge Aufsichtsrat hat offenbar seine Vorgaben etwas gelockert und der Kaufpflicht zugestimmt, die sich auf 65 Millionen Euro belaufen soll, aber erst durch eine hohe Anzahl an Spieleinsätzen aktiviert wird.
Wäre auch der Jackson-Deal – insbesondere wegen der Vorgaben von Hoeneß und Co. – gescheitert, hätte man dies größtenteils Eberl angelastet. Dies wäre eine unerträgliche Situation für den 51-Jährigen gewesen, der in den letzten Monaten unter extrem erschwerten Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet hat. Gerüchte über eine mögliche Entlassung Eberls beim Rekordmeister erscheinen daher als „abstrus“ und „zynisch“. Andere Spekulationen könnten hingegen mehr Substanz haben.
Aktuell kursieren Gerüchte, dass man beim FC Bayern besorgt sei, dass der Sportvorstand selbst das Handtuch werfen könnte. Dieser Eindruck soll laut Medienberichten bei den Beteiligten der jüngsten Aufsichtsratssitzung aufgrund von Eberls Auftritt entstanden sein.
Der Aufsichtsrat selbst scheint derzeit nicht an einem Strang zu ziehen, und die interne Stimmung ist unruhig. Die strikte Leih-Vorgabe, die Uli Hoeneß gemeinsam mit Herbert Hainer und Karl-Heinz Rummenigge durchgesetzt hat, wurde in der Sitzung offenbar hitzig diskutiert. Während die ehemaligen Spieler Hoeneß und Rummenigge auf die finanzielle Stabilität pochten, gab es wohl Stimmen der „Industrievertreter“, die den sportlichen Handlungsspielraum durch die Einschränkungen als zu stark beschnitten ansahen. Eine durchaus bizarre Konstellation.
Eberl hatte zuletzt öffentlich betont, dass es keinen Streit mit seinem (ehemaligen?) Mentor Hoeneß gebe.