Borussia Mönchengladbach erleidet Niederlage trotz Aufholjagd gegen Eintracht Frankfurt
Borussia Mönchengladbach hat nach einer 0:6-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt das Ergebnis auf 4:6 korrigiert. Diese Ergebniskosmetik könnte jedoch zu falschen Schlussfolgerungen führen.
Mönchengladbach – Aus einem Pfiffkonzert wurden Jubelschreie, als Borussia Mönchengladbach gegen Eintracht Frankfurt mehrere Tore erzielte. Das Problem war jedoch, dass es für die Fohlen nichts mehr zu gewinnen gab, da die Hypothek aus dem Spiel gegen die Hessen zu groß war.
Bereits nach 15 Minuten führte Frankfurt durch Tore von Ansgar Knauff und Robin Koch mit 2:0. Bis zur Halbzeitpause erhöhten Jonathan Burkardt, Fares Chaïbi und Can Uzun auf 5:0, bevor Koch kurz nach dem Seitenwechsel das halbe Dutzend vollmachte. Erst ab der 70. Minute war Gladbach im Spiel und erzielte durch Jens Castrop, Haris Tabaković, Yannik Engelhardt und Grant-Leon Ranos vier Tore.
„Es tut gut, den Fans mit vier Toren etwas zurückzugeben“, sagte Engelhardt nach dem Abpfiff in der Mixed Zone. Allerdings sollten die Gladbacher vorsichtig sein, das Comeback gegen die Eintracht zu überbewerten. So hätten die Gäste nach 62 Minuten einen Handelfmeter erhalten können, und die Elf von Dino Toppmöller verpasste in der 69. Minute zudem knapp das 7:0.
„Nach der Pause bekommen wir sofort das sechste Tor. Danach hat die Mannschaft angefangen, Fußball zu spielen und zu zeigen, was wir von ihr erwartet haben. Sie hat Zweikämpfe geführt und gewonnen und mutig nach vorne gespielt. Es macht das 0:6 nicht wett, aber aus so einer Halbzeit kann etwas Positives entstehen“, analysierte Sport-Geschäftsführer Roland Virkus das Spiel.
Zwei entscheidende Sätze ließ Virkus folgen: „Trotzdem kann man nicht zufrieden sein. Das kaschiert weder die erste Halbzeit noch das Spiel insgesamt.“ Der Schlussakt mag für die Fans ein Trost gewesen sein, sportlich hilft er Gladbach jedoch keinesfalls weiter. Die nackten Zahlen sind alarmierend.
Die Fohlen-Elf ist seit zwölf Bundesliga-Spielen, die über die Saison hinausgehen, sieglos und hat damit den Negativrekord aus den Abstiegsjahren 1998/99 und 2006/07 eingestellt. Nach fünf Spieltagen in der laufenden Saison stehen nur zwei Punkte bei 5:12 Toren zu Buche. Borussia liegt nicht nur auf einem Abstiegsplatz, sondern trägt seit diesem Wochenende die rote Laterne.
In der Vergangenheit wurden Entwicklungen häufig relativiert. Eine Trennung von Gerardo Seoane am Ende der vergangenen Saison wäre beispielsweise vertretbar gewesen, da der Schweizer die Chance auf Europa mit sieben sieglosen Spielen und unerklärlichen Auftritten der Mannschaft verpasst hatte.
Stattdessen verwiesen die Bosse auf den Gesamtfortschritt in 2024/25 und hofften, mit Seoane die Wende zu schaffen. Der Ex-Coach startete jedoch bereits angeschlagen in seine zweite Saison, nachdem er Borussia in der Saison 2023/24 mit 34 Punkten auf Platz 14 geführt hatte.
Jetzt einfach zu sagen „Das wird schon“, wird der aktuellen Situation nicht gerecht. Seoane-Nachfolger Eugen Polanski wurde schonungslos mit den Mechanismen konfrontiert, die zu oft greifen. „Die Körpersprache nach dem 0:2 ist ausschlaggebend dafür, dass wir zur Halbzeit 0:5 zurückliegen. Das kann ich überhaupt nicht akzeptieren“, sagte der Ex-Profi nach dem Spiel.
„Wir müssen uns bei den Fans entschuldigen, unsere erste Halbzeit war absolut inakzeptabel“, betonte Polanski, der den Spielverlauf ungläubig verfolgte: „Während des Spiels war ich fassungslos, wie wehrlos wir uns nach dem 0:2 gezeigt haben. Der zweite Treffer wird vier Minuten gecheckt und jeder steht nur da, anstatt jemanden zu coachen und klarzumachen, dass es auch anders gehen kann.“
Er habe sich „nicht ausmalen können, dass wir so blutleer nach den Gegentoren dastehen“, so Polanski, „das müssen wir schleunigst abstellen, das hat in der Bundesliga nichts zu suchen.“ Die Mannschaft sei in der zweiten Halbzeit nicht auseinandergefallen, doch das ist ein schwacher Trost nach der ersten Halbzeit.
Das Warten auf Tim Kleindienst, Robin Hack und Franck Honorat wird kaum ausreichen, um eine sorgenfreie Saison zu spielen. Vorerst herrscht Krisenstimmung in Gladbach – daran ändert auch die Mini-Aufholjagd gegen Eintracht Frankfurt nichts.