Bundestrainer Julian Nagelsmann zieht Bilanz vor WM-Qualifikationsspiel
Vor dem entscheidenden Gruppenspiel der WM-Qualifikation zog Bundestrainer Julian Nagelsmann Bilanz und kam zu einem überraschenden Ergebnis.
Leipzig – Am Montagabend um 20:45 Uhr steht das entscheidende Duell für die deutsche Nationalmannschaft in der Qualifikation zur kommenden Weltmeisterschaft in Leipzig an. Ein Unentschieden reicht der DFB-Elf aufgrund der besseren Tordifferenz aus, um sich sicher für die Endrunde im kommenden Sommer zu qualifizieren. Andernfalls droht der unliebsame Weg über die Playoffs, die zwei Entscheidungsspiele inklusive möglicher Verlängerung und Elfmeterschießen umfassen.
Das Duell um den ersten Platz in Gruppe A nutzte der 38-Jährige, um eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit als Trainer der deutschen Nationalmannschaft zu ziehen. Das Ergebnis war durchwachsen, wie er selbst feststellte. Dennoch bleibt die Perspektive der DFB-Auswahl in seinen Augen unverändert positiv, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende WM in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten.
„Wir wünschen uns, dass die Fragen weniger kritisch sind, wenn wir gute Leistungen zeigen. Solange wir jedoch Auftritte haben, die immer wieder Anlass zur Kritik geben, wird diese auch nicht ausbleiben. Wir müssen uns qualifizieren, dann interessiert es niemanden mehr, wie die WM-Qualifikation verlaufen ist“, gestand Nagelsmann im Interview mit RTL/ntv.
Für den letzten Schritt in Richtung des Mega-Events und als Vorbereitung auf das Spiel gegen die Slowakei plante der Bundestrainer eine kleine Rückschau auf den gemeinsamen Weg seit seiner Ernennung im September 2023. Dieser reichte von den Tiefpunkten nach den Niederlagen gegen die Türkei (2:3) und in Österreich (0:2) bis zu den Höhen bei der Europameisterschaft im eigenen Land und den Niederlagen im vergangenen Sommer im Final Four der Nations League gegen Portugal (1:2) und Frankreich (0:2).
Insbesondere die Duelle im Final Four betrachtete Nagelsmann als einen Wendepunkt: „Dann kam das Final Four mit zwei Niederlagen, was zu einem Bruch in der Wahrnehmung der Nationalmannschaft führte“, analysierte er und fügte hinzu: „Davor wurden wir deutlich positiver wahrgenommen, und das haben wir, glaube ich, auch selbst so empfunden.“
Eine Entwicklung, die Nagelsmann kritisch sieht: „Am Ende, was ist passiert? Wir haben zwei Spiele verloren“, so der 38-Jährige. Zwar habe man keine „Quantensprünge“ gemacht, dafür aber „immer kleine Schritte in die richtige Richtung“, wie der frühere Bundesliga-Coach (243 Spiele) resümierte.
Der gebürtige Landsberger sieht sich auch in der Rolle eines Schutzschildes für seine Spieler. Zunächst zählt die WM-Qualifikation, das „Wie“ spielt dann eine untergeordnete Rolle. „Im März geht es wieder von vorne los: Wenn wir zwei gute Spiele zeigen, ist das gut; wenn nicht, ist das schlecht. Das ist alles sehr leicht vorhersehbar“, kennt Nagelsmann die Mechanismen rund um die Nationalmannschaft und seine Position.
„Wir müssen, so gut es geht, die Teflonschicht aktivieren und die Kritik an uns abprallen lassen, um sie durch gute Leistungen leiser werden zu lassen“, erklärte Nagelsmann – natürlich beginnend mit dem Duell am Montagabend gegen die Slowakei, für das er auf einen Sieg hofft. „Nur ein Sieg, alles andere ist mir egal“, offenbarte der Nationaltrainer gegenüber der Sportschau seinen Wunsch. Dass dieser in Erfüllung geht, bleibt für ganz Fußballdeutschland zu hoffen.