Bundestrainer Nagelsmann plant minimale Änderungen vor dem Spiel gegen Ecuador

Bundestrainer Nagelsmann plant minimale Änderungen vor dem Spiel gegen Ecuador

Deutschland wird trotz des Gruppensieges keine umfassenden Veränderungen vornehmen. Bundestrainer Julian Nagelsmann plant nur minimale Wechsel. Denkt er dabei an die Europameisterschaft 2008?

München – Bei der Europameisterschaft 2008 sorgten die Niederlande in der Vorrunde für Aufsehen. Die Gruppengegner Italien (3:0) und Frankreich (4:1) wurden von Spielern wie Rafael van der Vaart, Dirk Kuijt, Ruud van Nistelrooy und Wesley Sneijder förmlich auseinander genommen. Bondscoach Marco van Basten setzte nach der erfolgreichen Qualifikation auf eine Rotation. Im letzten Gruppenspiel gegen Rumänien gewann eine stark veränderte Mannschaft mit 2:0.

Wenige Tage später folgte jedoch die Enttäuschung. Russland, angeführt von dem Niederländer Guus Hiddink, schickte die Oranje im Viertelfinale nach Hause. „Es war, als ob sie mit angezogener Handbremse spielten. Nichts klappte. Es war ein Trauerspiel“, erinnerte sich Nigel de Jong. Schalke-Legende Youri Mulder kommentierte: „Wir waren nicht so frisch und spritzig wie die Russen.“

Ein Ausscheiden hat immer mehrere Ursachen. Es wäre zu einfach, alles nur auf die umfassende Rotation von van Basten zu schieben. Dennoch bleibt es ein warnendes Beispiel. Jürgen Klinsmann hätte es als Nationaltrainer bei der Heim-Weltmeisterschaft 2006 ähnlich handhaben können wie van Basten. Deutschland war nach zwei Partien bereits für das Achtelfinale qualifiziert und gewann mit einer Änderung im Team 3:0 gegen Ecuador.

Fast 20 Jahre später steht der aktuelle Bundestrainer Julian Nagelsmann – ebenfalls gegen Ecuador – vor einer ähnlichen Herausforderung. Deutschland trifft in New York auf die Südamerikaner. Während Ecuador um das Weiterkommen kämpft, ist das DFB-Team bereits sicher im nächsten Runde. Diese Situation stellt Nagelsmann vor eine schwierige Entscheidung.

Wie viele Veränderungen sind sinnvoll? Nach dem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste kann das DFB-Team nicht mehr von Platz eins verdrängt werden. Soll er Leistungsträger schonen und die Stimmung im Team aufrechterhalten? Wie geht man mit dem Risiko von Verletzungen um? Haben die Spieler genug Kraft für die bevorstehenden, kräftezehrenden K.o.-Runden? Zudem schwebt der Vorwurf im Raum, das Wettbewerbsgefüge zu verzerren.

Nagelsmann hat sich mit seinem Trainerteam und den Spielern beraten. Auf der Pressekonferenz vor dem Duell äußerte er seinen Entschluss: „In den Wochen vor der WM war eines der entscheidenden Themen, dass die Mannschaft zu wenig eingespielt war. Jetzt haben wir zwei Spiele bei der WM absolviert und es wird diskutiert, wie oft wir wechseln. Ich sehe darin keinen großen Sinn.“

Die beiden Wechsel, die Nagelsmann gegen Ecuador vornehmen wird, sind jedoch erzwungen. Nico Schlotterbeck hat sich verletzt, und Nathaniel Brown fällt ebenfalls aus. Ansonsten bleibt die Aufstellung unverändert. Torhüter Manuel Neuer hatte wegen einer Wadenverletzung in der ersten Partie gegen Curacao (7:1) einen schwierigen Start. Kai Havertz, Jamal Musiala und Felix Nmecha standen aufgrund längerer Ausfallzeiten nur selten gemeinsam auf dem Platz.

Trotz des öffentlichen Drucks vertraut Nagelsmann weiterhin auf Leroy Sané. Er verfolgt eine klare Linie und sucht den Dialog mit seinen Spielern. Jeder weiß, wo er steht und was der Plan ist. Nagelsmann hat in diesen Wochen in den USA an Erfahrung gewonnen und lässt keine Zweifel an seiner Strategie aufkommen, agiert dabei jedoch nicht stur oder verbissen.

Im Gegenteil: Der Bundestrainer zeigt Verständnis für die öffentliche Diskussion. Besonders die Personalie Deniz Undav sorgt für Emotionen im Land. Hätte Nagelsmann ihn nicht einbauen müssen? „Wir treffen unsere Entscheidungen nicht aus Jux und Tollerei, sondern aus Überzeugung“, stellte der Coach klar. Eines steht fest: Nagelsmann orientiert sich an Klinsmann und nicht an van Basten. 2006 erreichte Deutschland so das Halbfinale. Ein ähnlicher Erfolg 20 Jahre später wäre bemerkenswert.

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