Christian Streich äußert politische Kritik während der WM
Der TV-Experte und ehemalige Trainer Christian Streich nutzte seinen ersten Auftritt während der Fußball-Weltmeisterschaft für politische Äußerungen. Der ZDF-Experte äußerte sich kritisch über die USA, die FIFA und Rassismus.
Berlin – Während die Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA mit dem ersten Spieltag der Gruppe A beginnt, sorgte Christian Streich bereits mit klaren politischen Aussagen für Aufsehen. Der langjährige Erfolgscoach des SC Freiburg begleitete das WM-Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika (11. Juni) als ZDF-Experte und nutzte die Gelegenheit, um seine Ansichten zu den Entwicklungen in den USA zu teilen.
Nach dem 2:0-Sieg Mexikos wurde Streich von Moderator Jochen Breyer auf die politische Situation im Gastgeberland angesprochen. Seine Antwort war unmissverständlich: „Leider muss man sagen, dass die USA auf dem Weg ist, eine Autokratie zu werden und dass eben keine Gewaltenteilung mehr stattfindet. Das ist meine persönliche Meinung.“
Der 61-Jährige zeigt sich besorgt über die Entwicklungen der letzten Jahre. Er beobachtet, wie ein demokratisches System zunehmend unter Druck gerät – durch Entscheidungsträger, die demokratische Prozesse untergraben und sich über rechtsstaatliche Mechanismen hinwegsetzen. Streich wurde noch deutlicher, als er über die Verantwortlichen sprach.
„Aber ich glaube, das ist jetzt nicht so schwierig, das zu erkennen, wenn man die Führungskräfte in diesem Land sieht. Den anderen, den will ich gar nicht mehr beim Namen nennen, weil der wird eh viel zu viel genannt“, sagte er, offenbar in Anspielung auf US-Präsident Donald Trump, den Streich bereits vor dem Turnier mehrfach kritisiert hatte.
Streich äußerte sich auch kritisch zu mehreren Begleiterscheinungen des Turniers. Vor dem WM-Start sorgten die verweigerte Einreise für den somalischen Schiedsrichter Omar Artan sowie die besonderen Aufenthaltsregelungen für die iranische Nationalmannschaft für Diskussionen.
In der Expertenrunde des ZDF fand Streich hierzu besonders deutliche Worte: „Ein Beispiel ist das mit dem Schiedsrichter. Da wird einfach behauptet, er gehöre einer Terrororganisation an. Er kommt aus Somalia, dann wird gesagt, er habe Kontakte, weil Somalier ja grundsätzlich Kontakte zu Terrororganisationen haben. Hochgradig rassistisch aus meiner Sicht.“
„Eine solche Inszenierung von wenigen Menschen an der Macht, die sich dann teilweise noch die Behauptung erlauben, sie würden demokratische Werte schützen, ist natürlich eine Unverfrorenheit, die einen sprachlos macht“, erklärte Streich. Als Beispiel führte er die Verleihung eines von der FIFA geschaffenen Friedenspreises an Trump im vergangenen Dezember an. Die öffentliche Darstellung solcher Machtinszenierungen bereitet ihm „echte Bedenken.“