Debatte über den VAR im DFB-Pokal
Der 1. FC Köln erlebte 36 Minuten lang eine Pokal-Sensation gegen den FC Bayern, bis eine gravierende Fehlentscheidung des Schiedsrichterteams das Spiel entscheidend beeinflusste. Der Treffer von Luis Diaz zum zwischenzeitlichen 1:1 war eindeutig abseits, doch der Linienrichter übersah diese Situation. Anders als in der Liga stand dem Schiedsrichter kein VAR zur Verfügung, was eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit der VAR-Regel auslöste, die besagt, dass dieser erst ab dem Achtelfinale im Pokal eingesetzt wird.
Wer hätte nach all den Frustrationen und Ärgernissen der letzten Jahre über den Kölner Keller gedacht, dass man sich den VAR wünschen würde? Dies führt zu einem Dilemma: Es geht nicht ohne, aber auch nicht mit ihm. Wo ist der VAR, wenn man ihn braucht?
Diese Frage stellten sich sowohl die Fans des 1. FC Köln als auch die Anhänger von Eintracht Frankfurt in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Zwei hochkarätige Spiele, live im Free-TV, und dabei mindestens zwei gravierende – teils spielentscheidende – Fehlentscheidungen.
Im Gegensatz zur Liga, wo Schiedsrichter und Linienrichter in der Regel durch die Unterstützung des Kölner Keller entlastet werden, hatten die Fehler im Pokal weitreichende Folgen.
Diese besorgniserregende Bilanz sollte den DFB zum Nachdenken anregen: VAR sollte immer dann zum Einsatz kommen, wenn es möglich ist, und nicht dogmatisch erst ab dem Achtelfinale. Argumente wie „Kapazitätsgründe“ oder Budgetrestriktionen, die der DFB anführt, sind nicht stichhaltig. Wenn es im Fußball etwas im Überfluss gibt, dann ist es Geld.
Die beiden Spiele legen den Verdacht nahe, dass die Schiedsrichter ohne technische Unterstützung zunehmend überfordert sind. Sie haben sich so sehr an den Video-Assistenten gewöhnt, dass sie anscheinend verlernt haben, Abseits-Situationen mit ihren eigenen Augen zu erkennen.
FC-Trainer Lukas Kwasniok brachte am Mittwochabend einen passenden Vergleich: „Wenn du immer mit Navi unterwegs bist, dann lernst du die Straßen nicht mehr.“
Dieser Vergleich trifft den Nagel auf den Kopf und verdeutlicht das aktuelle Dilemma: Es geht nicht ohne, aber auch nicht mit dem VAR. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Videoüberwachung den Fußball höchstens in Bezug auf Abseits gerechter gemacht hat.
Im Gegenteil: Seit der Einführung des VAR gibt es noch mehr Diskussionen über strittige Entscheidungen. Ganz zu schweigen von den minutenlangen Unterbrechungen, die jedes spannende Spiel beeinträchtigen.
Die Lösung kann nur eine grundlegende Reform des VAR sein. Klare Regeln – insbesondere beim Thema Handspiel, bei dem es seit Jahren keine einheitliche Linie gibt – und schnellere Entscheidungsprozesse sind notwendig, um unerträgliche Wartezeiten im Stadion zu vermeiden.
Wenn es 24 Zeitlupen und Wiederholungen braucht, kann die Entscheidung nicht eindeutig sein. In solchen Fällen sollte man Situationen laufen lassen, bei denen sich im Stadion ohnehin niemand beschwert hätte, und dem Schiedsrichter die Spielleitung überlassen. Die beiden Pokalpartien haben gezeigt, dass die Unparteiischen wieder mehr Eigenständigkeit und Verantwortung benötigen.
(Der Originalbeitrag stammt von express.de und ist hier zu lesen.)