DFB im Fokus: Experten diskutieren notwendige Veränderungen
Marcell Jansen und Sebastian Friedl waren zu Gast in der 22. Folge der „WM-WG“. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob der Deutsche Fußball-Bund (DFB) personelle Veränderungen benötigt.
München – Das enttäuschende Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2026 war auch am dritten Tag nach der Niederlage gegen Paraguay das zentrale Thema in der „WM-WG“ von Absolut Fussball (powered by IPPEN.MEDIA). Ex-Nationalspieler Marcell Jansen und Taktikexperte Sebastian Friedl erörterten, was sich im deutschen Fußball ändern muss.
Jansen sprach über einen möglichen personellen Umbruch beim DFB, der über den Bundestrainer hinausgeht: „Es ist wichtig, das sachlich und kritisch zu analysieren. Wir sind schon mit der falschen Strategie in die WM gegangen. Man sollte aber immer sachlich bleiben. Angesichts der letzten Turniere muss sich jedoch grundsätzlich etwas verändern.“
Er äußerte sich auch dazu, wen er beim DFB am meisten kritisieren würde: „Es geht mir nicht ums Ankreiden. Es geht darum, wie wir ins Turnier gegangen sind und welche Rolle wir für uns gesehen haben. Wir waren Herausforderer und keine der Top-Fünf-Nationen. Das war vorher bekannt. Dennoch sind wir so aufgetreten, als wären wir einer der Favoriten. Das muss hinterfragt werden. Hier braucht es einen Wechsel in der Ausrichtung.“
Zu den Vorwürfen von Thomas Hitzelsperger, der Julian Nagelsmann mangelnde Souveränität unterstellt hat, sagte Jansen: „Ich verstehe, was Hitzelsperger meint. Aber es wäre zu einfach, nur auf Nagelsmann zu zeigen. Es fängt schon vorher an: in der Analyse und bei den Personen, die Nagelsmann geholt haben. Sie müssen sich fragen: Ist er überhaupt ein Nationaltrainer oder eher ein Vereinstrainer? Da muss man etwas ganz anderes mitbringen. Für mich ist er vom Profil her ein Vereinstrainer.“
Jansen kritisierte auch taktische Fehler von Nagelsmann: „Wir hatten kaum Durchbrüche über die Flügel. Kimmich kam selten in die Position, seine Stärken auszuspielen und Flanken zu schlagen. Wir hatten keine Balance in unserem Spiel und haben deshalb keine Torchancen kreiert, obwohl wir offensiv gespielt haben. Angesichts der vielen Gegentore in den letzten Jahren muss man einen ganz anderen Ansatz wählen.“
Er sieht das Aus gegen Paraguay auch als Chance: „Ich bin froh, dass wir nicht mit Glück weitergekommen sind. Hätten wir gegen Frankreich mit 1:2 verloren, hätten alle gesagt: Super, wir sind Gruppensieger geworden und haben halt gegen Frankreich verloren. Dann hätten wir die nächsten vier Jahre wieder verschenkt.“
Zur Position von Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger meinte er: „Der taktische Plan sollte sein, die Spieler dort einzusetzen, wo sie am stärksten sind. Das ist bei Kimmich nicht die Rechtsverteidigerposition, sondern das zentrale Mittelfeld. Zudem hätte das Duo aus Pavlovic und Kimmich der Nationalmannschaft gutgetan, da es eingespielt ist.“
Über die Rolle von Aleksandar Pavlovic sagte er: „Pavlovic musste häufig alleine im Mittelfeldzentrum vor einer Dreierkette agieren. Das kann gegen Curacao funktionieren, aber spätestens nach dem Spiel gegen die Elfenbeinküste hätte ich eine Anpassung erwartet. So viel Raum alleine zu bearbeiten, kostet enorm viel Kraft.“
Jansen äußerte sich auch zu neuen Akteuren beim DFB: „Ich habe keine Wunschlösung, aber ich bin der Meinung, dass Christian Streich dem Fußball in Deutschland enorm guttun würde. Auch Matthias Sammer wäre eine Bereicherung, wenn er bereit wäre, wieder Impulse zu geben. Auch die Weltmeister von 2014 sind eine Option.“
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