DFB-Team vor der WM 2026: Fragen und Unsicherheiten

DFB-Team vor der WM 2026: Fragen und Unsicherheiten

Die Flüge zur WM 2026 können nun endlich gebucht werden. Doch wie gut ist das DFB-Team sieben Monate vor dem Turnierstart?

Leipzig – Mit einem beeindruckenden 6:0-Sieg über die Slowakei hat die deutsche Nationalmannschaft die Qualifikation für das Weltturnier in den USA, Mexiko und Kanada erfolgreich abgeschlossen. Die Gala gegen die defensiv agierenden Slowaken begeisterte, ließ jedoch in Kombination mit dem schwachen Auftritt gegen Luxemburg am Freitag mindestens ebenso viele Fragen offen wie Antworten.

Betrachtet man die WM-Qualifikation insgesamt, kommt man nicht umhin, das Prädikat „durchwachsen“ zu vergeben. Auf die Auftaktniederlage gegen die Slowakei folgten ein mühsames 3:1 gegen Nordirland, ein 4:0 gegen ein dezimiertes Luxemburg sowie ein weiterer Arbeitssieg gegen die Briten, gefolgt von den beiden unterschiedlich starken Siegen im November.

Die Frage, wo die DFB-Elf im Vergleich zu anderen großen Fußballnationen steht, ist derzeit schwer zu beantworten. Deutschland zählt jedenfalls nicht zu den Top-Favoriten auf den WM-Titel im kommenden Jahr. Die Leistungen der letzten Monate waren zu inkonsistent, während Spanien, England und Frankreich über einen deutlich größeren Pool an Weltklassespielern verfügen.

Bundestrainer Julian Nagelsmann kann zwar nun für die WM planen, doch sein Kader ist längst nicht so weit entwickelt, wie er es sich nach der Heim-EM gewünscht hatte. Damals hatte der frühere Bayern- und Leipzig-Trainer angekündigt, das Aufgebot nicht komplett erneuern zu wollen.

Jedoch führten Formschwächen etablierter Profis und Verletzungen dazu, dass der Bundestrainer immer wieder umdenken musste. Im November standen nur noch acht Spieler im Kader, die bereits bei der Euro im eigenen Land zum Team gehörten. Eine klare Achse, um die sich eine Siegermannschaft aufbauen lässt, ist schwer zu finden, obwohl das Spiel gegen die Slowakei zeigte, wie Nagelsmann seine erste Elf vorstellt.

Im Tor leistet Oliver Baumann gute Arbeit, doch die Diskussionen um ein Comeback von Manuel Neuer und die Spielpraxis von Marc-André ter Stegen werden weiterhin anhalten. In der Innenverteidigung haben Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck klar die Nase vorn; das Duo aus München und Dortmund harmoniert bereits vielversprechend.

Auf der linken Abwehrseite ist David Raum gesetzt, während Kapitän Joshua Kimmich aufgrund fehlender Alternativen wohl auch bei der WM in der ungeliebten Position auf der rechten Seite spielen muss. Teamkollege Aleksandar Pavlovic machte gegen die Slowakei bis zu seiner Auswechslung zur Halbzeit ein hervorragendes Spiel. Auch Angelo Stiller bleibt ein Kandidat für die Startelf, obwohl der Stuttgarter zuletzt nicht im Kader war.

In der Sturmspitze hat sich Nick Woltemade zu einem zuverlässigen Torschützen entwickelt und dürfte vorerst gesetzt sein. Konkurrent Tim Kleindienst muss nach seiner langen Verletzungspause erst wieder in den Rhythmus finden, während Niclas Füllkrug derzeit kein Thema ist.

Hinter dem Stürmer überzeugten gegen die Slowakei Serge Gnabry und Leroy Sané, beide haben jedoch seit Jahren mit der Konstanz zu kämpfen. Nagelsmann hofft, dass die Ausnahmetalente Jamal Musiala und Kai Havertz nach ihren Verletzungen schnell wieder in Form kommen.

Die Entwicklung der nächsten Generation an Top-Talenten wird ebenfalls mit Spannung verfolgt. Said El Mala (19 Jahre, 1. FC Köln) durfte bereits bei Nagelsmann vorspielen, und Assan Ouedraogo (19, RB Leipzig) traf sogar bei seinem Debüt. Beide, ebenso wie die Bayern-Juwelen Tom Bischof (20) und Lennart Karl (17), könnten sich bis zur Nominierung im Mai als echte Alternativen etablieren.

Wenn man das potenzielle Aufgebot der deutschen Mannschaft betrachtet, ergibt sich durchaus ein Kader, der bei einer WM etwas erreichen kann. Zwar ist man nicht auf dem Niveau der Favoriten, doch mit einem funktionierenden Teamgefüge und der Dynamik, die bei einem Turnier entstehen kann, ist dem DFB-Team grundsätzlich einiges zuzutrauen.

Allerdings hat Nagelsmann nur noch die Länderspielpause im März, um seine Wunschformation zu testen. Wenig Zeit, wenn man bedenkt, dass bei vielen Konkurrenten die Achse der Startaufstellung seit Jahren zusammen spielt. Zudem kann man auf Verletzungen von Spielern wie Kimmich, Wirtz oder Musiala nicht ohne erheblichen Qualitätsverlust reagieren. Die Schwächen des zweiten Anzugs wurden während der WM-Qualifikation mehrfach deutlich. Da auch die erste Elf seit der EM immer wieder Durchhänger hatte, geht das DFB-Team als Wundertüte ins WM-Jahr.

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