Die fast frühe DFB-Karriere von Gerd Müller und die finanzielle Krise beim FC Bayern

Die fast frühe DFB-Karriere von Gerd Müller und die finanzielle Krise beim FC Bayern

Die angespannte finanzielle Lage des FC Bayern hätte 1971 beinahe dazu geführt, dass der größte Stürmer in der Vereinsgeschichte, Gerd Müller, seine Karriere in der Nationalmannschaft viel früher beendet hätte.

In der heutigen Zeit ist es für Bundesligavereine üblich, während der Winterpause, sofern sie nicht zu kurz ausfällt, in südlichen Ländern ein Trainingslager abzuhalten, um sich optimal auf die Rückrunde vorzubereiten. In den Zeiten von Franz Beckenbauer und Gerd Müller musste der FC Bayern jedoch zahlreiche Freundschaftsspiele bestreiten, um die leeren Kassen zu füllen.

Die Südamerika-Tour 1970/71 war in dieser Hinsicht ein besonderes Highlight, das beinahe fatale Konsequenzen für den deutschen Fußball gehabt hätte. Vom 30. Dezember 1970 bis zum 14. Januar 1971 absolvierte der damals wesentlich kleinere Profikader des FC Bayern insgesamt sechs Freundschaftsspiele in Argentinien, Peru, Kolumbien und Mexiko.

Zu jener Zeit entwickelten sich solche Spiele in südlichen Ländern, ebenso wie in Europa, oft zu hitzigen Prestigeduell. Es ging sowohl auf den Zuschauerrängen als auch auf dem Spielfeld temperamentvoll zu. Besonders das zweite Spiel der Südamerikareise am 5. Januar 1971 in Lima gegen Universitario hatte besondere Vorzeichen, die sich ältere Fußballfans möglicherweise noch erinnern.

Bei der WM 1970 in Mexiko hatte Deutschland Peru mit 3:1 besiegt, wobei Gerd Müller mit einem Hattrick in der ersten Halbzeit maßgeblich zum Sieg beitrug. Ob diese Niederlage den peruanischen Schiedsrichter Arturo Yamasaki dazu bewegte, die deutsche Mannschaft im Halbfinale gegen Italien (3:4 n.V.) so strenger zu pfeifen, bleibt ungewiss.

Die Kritik aus Deutschland an Yamasaki war jedenfalls enorm. Was genau am 5. Januar 1971 auf dem Spielfeld zwischen Universitario Lima und Bayern passierte, bleibt das Geheimnis der Beteiligten und Augenzeugen. Jeder hatte damals in Deutschland seine eigene Perspektive und Vereinsbrille auf die Geschehnisse.

Es ist wahrscheinlich, dass der peruanische Schiedsrichter Lubo in einem extrem hitzigen Spiel Gerd Müller und Charly Mrosko vom Platz stellte, was die Verantwortlichen des FC Bayern jedoch vehement bestritten. Hintergrund war, dass der DFB damals auch Sperren für Pflichtspiele aus Freundschaftsspielen aussprechen konnte, wobei die Handhabung willkürlich erschien.

Gerd Müller wurde in Lima wegen einer angeblichen Tätlichkeit vom Platz verwiesen. Berichten zufolge soll er einen Ellbogencheck eines Universitario-Spielers gegen Rainer Zobel „gerächt“ haben – die Meinungen über die zu sanktionierende Aktion Müllers gingen jedoch stark auseinander: „Schubser“ oder „Schlag“. Die deutsche Presse zeigte sich damals extrem parteiisch, und der FC Bayern polarisiert schon damals.

Keiner der kritisierenden Journalisten war persönlich in Lima anwesend. Es folgte eine über viermonatige Posse von Januar bis Mai 1971, die sich hauptsächlich um Señor Lubo drehte. Dieser wurde vom DFB mehrmals zu Verhandlungsterminen eingeladen, verspürte jedoch offensichtlich kein Interesse, nach Deutschland zu reisen.

Wie der DFB letztendlich zu dem harten Urteil von acht Wochen Sperre für Gerd Müller und drei Wochen für Mrosko kam, bleibt in den Berichten unerwähnt. Der Zeitpunkt war jedoch brutal: Es war der 24. Mai 1971 – die letzten beiden entscheidenden Meisterschaftsspiele und das Pokalendspiel standen noch bevor.

Ohne den „Bomber der Nation“ verlor der FC Bayern am letzten Spieltag mit 0:2 beim MSV Duisburg und verpasste somit die Meisterschaft, obwohl man zuvor mit einem Tor Vorsprung auf den Titelkonkurrenten Borussia Mönchengladbach ins letzte Spiel gegangen war.

Für das Pokalendspiel gegen den 1. FC Köln setzten die Bayern alles daran, die Spielberechtigung für Gerd Müller zu erwirken, und legten ein Gnadengesuch ein. Müller drohte mit einem Rücktritt aus der Nationalmannschaft, was den DFB offenbar weichkochte: Seine Sperre endete einen Tag vor dem DFB-Pokalfinale, das die Bayern schließlich ohne ein Tor von Müller mit 2:1 n.V. gewannen.

Ob Gerd Müller bei einer anhaltenden Sperre tatsächlich seine beeindruckende Länderspielkarriere (68 Tore in 62 Spielen) bereits 1971 beendet hätte, bleibt fraglich. Nach dem WM-Triumph 1974 beendete er jedoch im Alter von 28 Jahren abrupt seine Nationalmannschaftskarriere, frustriert über den Deutschen Fußballverband.

Es ist stark zu bezweifeln, dass der deutsche Fußball ohne seinen größten Torjäger die Europameisterschaft 1972 und die Weltmeisterschaft 1974 hätte gewinnen können. In einem Pflichtspiel wurde Gerd Müller übrigens nur einmal vom Platz gestellt: Am 7. Dezember 1968, nach einer Tätlichkeit gegen Jupp Heynckes, der damals bei Hannover 96 spielte. Auch dafür erhielt Müller eine Sperre von acht Wochen, doch die Bayern feierten am Ende der Saison trotzdem ihre erste Bundesliga-Meisterschaft und das erste Double der Vereinsgeschichte, während Müller mit 30 Toren Torschützenkönig wurde.

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