Die Rivalität zwischen Bayern und 1860 München: Ein Kommentar
Die sportlichen Unterschiede zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 München sind seit vielen Jahren erheblich. Diese Rivalität ruhte jedoch bis zur Amtsübernahme eines Österreichers. Ein Kommentar.
München – Seit dem Abstieg von 1860 München aus der Bundesliga im Jahr 2004 beschränkt sich die Rivalität zwischen dem FC Bayern und den Löwen größtenteils auf die Ultraszenen beider Vereine. Im sportlichen Bereich klafft die Schere seither immer weiter auseinander. Selbst während der gemeinsamen Bundesliga-Zeiten pflegten die Verantwortlichen der beiden Vereine, unter der Leitung von Karl-Heinz Wildmoser bei 1860 von 1992 bis 2004, einen respektvollen Umgang miteinander. Die Allianz Arena war ein gemeinsames Projekt. Diese friedliche Koexistenz endete offenbar mit dem Führungswechsel beim Giesinger Stadtteilverein im Juli 2025.
Seither ist Gernot Mang, ein Österreicher aus Dornbirn in Vorarlberg, Präsident des TSV 1860. Er beschreibt sich selbst als „international ausgerichteten CEO“. Nach Jahren im Ausland, darunter in den USA, wo er eine große Möbelkette leitete, lebt er nun im Münchner Stadtteil Solln. Mang ist Mitglied der Tennisabteilung von 1860, Triathlet und bezeichnet sich als „Fan der Drittliga-Fußballer“. Seit einem Empfang im Herbst 2025, bei dem FCB-Präsident Herbert Hainer ihn nicht erkannte, stichelt der 57-Jährige regelmäßig gegen den übermächtigen Lokalrivalen.
Anlässlich des 60. Jubiläums der ersten und einzigen deutschen Meisterschaft der Löwen äußert sich der österreichische Präsident in der Dokumentation „Einmal Meister, oft Chaos, immer Liebe“ von Absolut Fussball. Für seinen Verein, der aktuell vom Zwangsabstieg in den Amateurfußball bedroht ist, findet er nur lobende Worte: „1860 ist für mich Gemeinschaft, Treue, ich würde schon fast sagen Religion und Zusammenhalt.“ Die fast 15 Jahre andauernden Konflikte mit dem jordanischen Investor Hasan Ismaik, die von zahlreichen Beleidigungen und großer Uneinigkeit innerhalb der eigenen Anhängerschaft geprägt waren, scheint Mang dabei vollkommen auszublenden.
Im Jubiläumsinterview provoziert er den deutschen Rekordmeister mit den Worten: „Wir sind der Münchner Verein. Wir sind der ältere Verein, wir sind auch älter in der Fußballabteilung. Wir sind der Verein in München, wir sind Gründungsmitglied und wurden vor dem FC Bayern München Deutscher Meister in der Bundesliga.“
Wie lässt sich eine derartige Fehlinterpretation des Münchner Fußballs einordnen? Man kann mit etwas Nachsicht reagieren, da der aufmüpfige Fußballfunktionär aufgrund seiner Herkunft kein Insider des Münchner Fußballs sein kann. Dennoch hätte er sich besser informieren können, insbesondere über die Fußballgeschichte.
Tatsächlich wurde der Turnverein (TV) 1860 München 1848 (als Münchner Turnverein) und erneut 1860 gegründet. Die Fußballabteilung wurde am 25. April 1899 gegründet, also zehn Monate vor dem FC Bayern (27. Februar 1900). Während die Bayern nicht einmal einen Monat nach ihrer Gründung zu ihrem ersten Spiel gegen den 1. Münchner FC 1896 (5:2) antraten, zögerten die Löwen über drei Jahre, bis sie am 27. Juni 1902 gegen denselben Verein mit 2:4 debütierten.
Die Fußballgeschichte belegt außerdem, dass die Bayern vor dem Ersten Weltkrieg die dominante Fußballmannschaft in München waren. Sie waren der erste Verein in München mit einem Spielplatz mit Tribüne (an der Leopoldstraße, Höhe Parzivalplatz). Ihre Hauptkonkurrenten auf lokaler Ebene waren damals der MTV 1879 München und Wacker München. Selbst der FC Teutonia war in dieser Zeit erfolgreicher als die Löwen.
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg stellten die Bayern drei Spieler für die deutsche Nationalmannschaft: Max Gablonsky (der erste FCB-Nationalspieler im Mai 1910 gegen Belgien), Fritz Fürst und Ludwig Hofmeister. Erst 17 Jahre später lief Eugen Kling als erster Spieler von 1860 für Deutschland auf.
Auch zwischen den Weltkriegen und in der Oberliga-Zeit (1945 bis 1963) hatten die Bayern meist die bessere Mannschaft und mehr Vereinsmitglieder sowie höhere Zuschauerzahlen als die Löwen. 1932 wurde der FCB im Nürnberger Finale gegen Eintracht Frankfurt (2:0) als erster Münchner Verein deutscher Fußballmeister. Dass 1860 und nicht der FC Bayern zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga in der Saison 1963/64 zählte, wurde von vielen als Skandal angesehen – stellte sich jedoch für den heutigen Rekordmeister als Glücksfall und Startschuss in die Weltklasse heraus, während 1860 zu diesem Zeitpunkt bereits in der zweitklassigen Regionalliga Süd spielte.
Gernot Mang schwärmt gegenüber Absolut Fussball auch vom Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße: „Man darf nie die Heimat aufgeben. Wir haben die Diskussion jahrzehntelang geführt, wo man rausgegangen ist, Olympiastadion und dann nach Fröttmaning. Das hat doch nie gepasst“, spielt der 1968 geborene und lange Zeit in den USA lebende Österreicher auf die Sechzig-Spielstätten von 1972 bis 2017 an.
Das Grünwalder Stadion sei für ihn mehr als nur die fußballerische Heimat des Vereins, dem er seit fast einem Jahr vorsitzt. Es sei fest in der DNA der Löwen-Anhänger verankert: „Und es passt doch wirklich wunderbar hier, Sechzig, Giesing, Giesing, Sechzig. Und man sagt nicht umsonst, es ist das ‚Sechzger-Stadion‘. Und das wäre ein Wahnsinn, so etwas aufzugeben. Seine DNA, die Leidenschaft.“ – Weiß der Mann eigentlich, wie viele Löwen-Fans lieber heute als morgen aus der von ihnen so bezeichneten „Bruchbude“ ausziehen würden?
Mang legt noch weiter nach: „Und ich weiß, dass auch sehr viele FC-Bayern-Sympathisanten uns beneiden, ein Stadion hier in der Stadt zu haben, hier spielen zu dürfen, die kurzen Wege dazu.“ Diese Aussage ist mehr als fragwürdig und geht einher mit der bewussten Verunglimpfung der Fans des Rekordmeisters als „Sympathisanten“. Eine verbale Ebene, die eher für einen Schlagabtausch zwischen andersdenkenden Fans in sozialen Medien geeignet ist als für einen seriösen Vereinspräsidenten.
Das Stadion an der Grünwalder Straße, das 1926 als erstes Münchner „Großstadion“ mit einer Kapazität von 42.000 Zuschauern eingeweiht wurde, wurde damals von der Fachzeitschrift „Der Fußball“ als „Deutschlands schönste Vereinssportanlage“ bezeichnet. Es wurde von Anfang an sowohl vom TSV 1860 als auch von den Bayern (mit dem höchsten Zuschauerschnitt) und Wacker München genutzt.
Lediglich elf Jahre waren die Löwen Eigentümer des Stadions: Um eine drohende Insolvenz abzuwenden, verkauften sie es 1937 an die Stadt München. Seitdem ist es ein „Städtisches Stadion“, das von den „Blauen“ immer noch „Sechzger Stadion“ genannt wird, während die „Roten“ es als Grünwalder Stadion (Stadion an der Grünwalder Straße) oder gar „HGK“ („Hermann-Gerland-Kampfbahn“) bezeichnen.