Die Schattenseite der WM: Proteste gegen ICE-Einsätze
Die dunkle Seite der Weltmeisterschaft wird von der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) unter der Leitung von US-Präsident Donald Trump geprägt. Die Situation ist angespannt.
In Newark soll die WM ein Spektakel werden, dessen beeindruckende Bilder um die Welt gehen. So sieht es zumindest Donald Trump, der das Turnier nutzen möchte, um die USA als eine herausragende Sportnation zu präsentieren, die die größte, spektakulärste und sicherste WM aller Zeiten ausrichtet.
Gleichzeitig wird nicht nur Tausenden von Fans und Schiedsrichtern die Einreise verweigert, auch im Land bleibt die Lage angespannt. ICE-Agenten sehen sich der Kritik ausgesetzt, da sie Menschen mit Migrationshintergrund mit brutalen Methoden von der Straße ziehen, häufig gewaltsam und teils mit tödlichen Folgen, wenn die Betroffenen sich wehren.
Jacquelyn Ceplecha kämpft seit Trumps zweiter Amtszeit gegen diese Praktiken. In der Facebook-Gruppe „ICE-Fehlverhalten“ teilt sie Videos von den gewalttätigen Einsätzen der Beamten und warnt die Einwohner in Chicago, wenn ICE-Agenten in ihren Wohngebieten gesichtet werden. „Es ist bereits die zweite Facebook-Gruppe, die erste wurde von der Regierung gelöscht, und deren Gründer wird derzeit verklagt. Aber ich kann die Gewalt nicht hinnehmen, ohne etwas zu tun“, erklärt die Krankenschwester im Gespräch mit unserer Zeitung.
„Es geschieht ständig. Diese Agenten ziehen Menschen von der Straße, nur weil sie Spanisch sprechen oder anders aussehen. Familien werden auseinandergerissen, ohne dass den Betroffenen Kontaktmöglichkeiten oder Zugang zu einem Anwalt gewährt wird. Bereits mehrere Menschen sind in Haft gestorben, weil sie dort keine medizinische Versorgung erhalten und wie Ungeziefer behandelt werden.“
Die Vorfälle setzen sich fort – auch während der WM. Erst vergangene Woche, als die Nationalmannschaft in Chicago weilte, überfuhr ein ICE-Agent einen Demonstranten und verletzte ihn am Bein. Ceplecha teilte ein Video dieses Vorfalls in der Facebook-Gruppe. Für sie bleiben kaum andere Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen. Außerdem geht sie regelmäßig einkaufen und holt ihre Kinder von der Schule ab, um für hispanische Migranten da zu sein.
„Viele Eltern trauen sich nicht mehr, das Haus zu verlassen. Es ist eine gängige Taktik der ICE-Agenten, vor Schulen und Kindergärten zu warten, um dort migrantisch aussehende Personen festzunehmen.“ Vor einem Jahr wurde der Fall einer Erzieherin aus der „Rayito de Sol“-Kita weltweit bekannt, die von ICE-Agenten brutal aus der Kita gezogen wurde – vor den Augen der traumatisierten Kinder.
„Sie gehen nicht einmal heimlich vor. Mein Sohn rief mich im Januar völlig aufgelöst an, weil er auf TikTok sah, wie ein Krankenpfleger auf offener Straße erschossen wurde“, berichtet Ceplecha. „Er hat Angst, dass ich erschossen werde, weil ich an jeder Demonstration gegen Trump und die ICE-Behörden teilnehme. Manchmal schießen sie dort mit Gummigeschossen aus der Höhe in die Menge.“
Nach großen Ausschreitungen in Chicago ist derzeit New Jersey ein Brennpunkt für Proteste und Gewalt rund um die Einsätze der ICE-Agenten. Die deutsche Nationalmannschaft spielt dort am 25. Juni gegen Ecuador. Laut Amnesty International befinden sich aktuell 68.000 Menschen in ICE-Hafteinrichtungen, und seit 2025 sind 50 Personen in ICE-Gewahrsam gestorben. Die US-Regierung hofft, dass die Proteste gegen diese Praktiken rechtzeitig vor den Midterms-Wahlen abflauen – und setzt dabei auch auf die Hochglanz-Bilder der WM.