Ermittlungen gegen Hasskommentare nach WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft
Das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft war für die Spieler eine schwere Niederlage. Zeitgleich nimmt die Zahl der Hasskommentare gegen die Spieler zu, worauf die Staatsanwaltschaft reagiert hat.
Frankfurt am Main – Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay, das durch ein verlorenes Elfmeterschießen entschieden wurde, hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main Ermittlungen zu Hasskommentaren gegen DFB-Spieler eingeleitet. Kurz nach dem Spiel erreichten zahlreiche Hassbotschaften den Deutschen Fußball-Bund.
Die Behörde hat nun erste Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlicht. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft erklärte auf Anfrage des Kicker: „Es wurden bereits rassistische und islamfeindliche Beleidigungen einzelner Spieler sowie volksverhetzende Kommentare festgestellt.“ Die abschließende rechtliche Bewertung aller Inhalte sei jedoch noch nicht abgeschlossen.
Volksverhetzung ist in Deutschland gemäß Paragraph 130 des Strafgesetzbuches strafbar. Auch Beleidigungen mit rassistischem Hintergrund können strafrechtlich verfolgt werden. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, welche der gemeldeten Kommentare den Tatbestand einer Straftat erfüllen. Zu den betroffenen Spielern wurden keine näheren Informationen gegeben, und die Anzahl der eingegangenen Meldungen wurde ebenfalls nicht konkretisiert.
Die Zusammenarbeit zwischen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und dem organisierten Sport ist nicht neu. Seit Sommer 2024 arbeiten die Behörde, der DFB, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Bundesliga zusammen, um Hasskommentare konsequent zur Anzeige zu bringen.
„Ein Anstieg von Meldungen ist grundsätzlich stets anlassbezogen zu erkennen. Negative Ereignisse wie das Ausscheiden aus dem Turnier führen häufig zu einem erheblichen Anstieg“, so die Behörde. Die Spielergewerkschaft FIFPRO betrachtet dieses Problem als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und fordert die Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden, Social-Media-Plattformen, Medien, Fans und der Öffentlichkeit, um diesen Trend zu stoppen.
Das Thema wird auch auf der „Global Social Dialogue Platform“ unter dem Vorsitz der FIFA zur Sprache kommen, die derzeit Untersuchungen der EU fürchten muss. Ein Sprecher von FIFPRO erklärte: „In den vergangenen Wochen sahen sich Spielerinnen und Spieler sowohl online als auch persönlich mit Beleidigungen konfrontiert, von denen der Großteil rassistisch und diskriminierend war.“
Auch abseits des Spielfelds gab es während der Weltmeisterschaft Einschüchterungen und Feindseligkeiten. „Diese Vorfälle sind keine Einzelfälle. Sie deuten auf ein systemisches Muster hin, das weder im Fußball noch in der Gesellschaft länger hingenommen werden darf“, fügte der Sprecher hinzu.