FC Bayern: Dreesen kritisiert Auslandsvermarktung der Bundesliga

FC Bayern: Dreesen kritisiert Auslandsvermarktung der Bundesliga

Jan-Christian Dreesen hat auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern Alarm geschlagen und die Auslandsvermarktung der Bundesliga scharf kritisiert.

In München verdeutlichte Dreesen, dass die Zahlen alarmierend sind: Während die englische Premier League über zwei Milliarden Euro aus der internationalen Vermarktung einnimmt und die spanische LaLiga 835 Millionen Euro erzielt, liegt die Bundesliga mit lediglich 174 Millionen Euro weit zurück. Dreesen stellte fest: „Im internationalen Vergleich hinken wir dramatisch hinterher.“

Diese Einschätzung hatte bereits Oliver Kahn im Juli geäußert, als Florian Wirtz dem FC Bayern absagte und zu Liverpool wechselte. „Das hat mich schon nachdenklich gemacht“, sagte der ehemalige Bayern-Boss damals. Neben Wirtz verlor die Bundesliga im Sommer auch das Ausnahmetalent Nick Woltemade, der für eine Summe, die für Bayern utopisch erschien, zu Newcastle United wechselte.

Die Liste prominenter Spieler, die die Bundesliga in den letzten Jahren ins Ausland verloren hat, ist lang: Erling Haaland und Jude Bellingham nutzten Borussia Dortmund als Sprungbrett zu Manchester City und Real Madrid, während Omar Marmoush und Hugo Ekitiké von Eintracht Frankfurt zu Manchester City und dem FC Liverpool wechselten.

„Wenn man überlegt, ob man zum FC Bayern geht, um zum 15., 16., oder 17. Mal Deutscher Meister zu werden – ist das wirklich so reizvoll?“, zeigte Kahn Verständnis dafür, dass sich Spieler wie Wirtz gegen einen Wechsel nach München und für einen Wechsel ins Ausland entscheiden.

Ein wesentlicher Grund für den Rückstand der Bundesliga im internationalen Vergleich ist die 50+1-Regel. Diese Regel, die 1998 zum Schutz vor externen Investoren eingeführt wurde, schränkt heute die finanziellen Möglichkeiten deutscher Vereine erheblich ein. Während englische Klubs von internationalen Investoren profitieren, sind deutsche Vereine auf traditionelle Finanzierungsquellen angewiesen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die deutsche Fankultur, die international als authentisch geschätzt wird, steht kommerziellen Reformen skeptisch gegenüber. Als die DFL einen Investoren-Deal mit dem luxemburgischen Private-Equity-Unternehmen CVC plante, protestierten die Fans so vehement, dass die Liga das Projekt im Februar 2024 einstellen musste.

Selbst der Tabellenletzte der Premier League erhält höhere Medieneinnahmen als der deutsche Meister. Der Wechsel von Leverkusens Leistungsträger Granit Xhaka für 15 Millionen Euro zu Aufsteiger Sunderland verdeutlicht die ungleichen Machtverhältnisse.

Dreesen sieht einen „echten Wettbewerbsnachteil“ gegenüber den europäischen Konkurrenten. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielten die Bayern aus der medialen Vermarktung 105,3 Millionen Euro, von denen lediglich 30 Millionen aus dem Ausland stammten.

„Diese Zahlen liegen tiefer als vor zehn Jahren“, betonte Dreesen. Ein Rückschritt, der schmerzt. „Die stagnierenden, ja sogar rückläufigen Ergebnisse schmerzen besonders.“ Andere Ligen haben gezeigt, dass Veränderungen möglich sind.

Die Spanier haben ab 2016 die TV-Rechte zentralisiert und eine aggressive internationale Vermarktung aufgebaut, was zu einem Anstieg der Auslandserlöse auf das Vierfache der Bundesliga geführt hat. Die Premier League startete bereits 1992 als kommerzielle Abspaltung von der Football League mit dem klaren Ziel, mehr Fernsehgeld zu generieren.

Heute erreicht die Premier League 1,87 Milliarden Menschen in 189 Ländern weltweit, auch weil dort echte Spannung herrscht und mehrere Vereine um den Titel kämpfen. In der Bundesliga hingegen ist die Dominanz des FC Bayern zwischen 2013 und 2023 für internationale Zuschauer unattraktiv geworden.

Die Meisterschaft von Bayer Leverkusen im Jahr 2024 war ein Lichtblick, der international Aufmerksamkeit erregte und bewies, dass die Bayern-Dominanz durchbrochen werden kann. Solche sportlichen Höhepunkte sind jedoch selten.

Dreesens Appell ist klar: „Wir müssen anpacken, jeder von uns.“ Der Bayern-Boss forderte die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf, die Sichtbarkeit zu erhöhen und neue Märkte zu erschließen. Neue Wettbewerbe sollten als Chance betrachtet werden.

Um im internationalen Vergleich nicht weiter abgehängt zu werden, bedarf es jedoch Mut zu neuen Schritten. Die Uhr tickt, während die Konkurrenz davonzieht, diskutiert Deutschland noch über Grundsätze. Die Bundesliga steht am Scheideweg – Dreesens Weckruf zeigt den Weg.

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