FC Bayern: Ein Meisterwerk der Saison 1980/81
Auf dem Weg zur Meisterschaft erzielte der FC Bayern am drittletzten Spieltag der Saison 1980/81 eine bemerkenswerte Leistung, die selbst das Rekordteam von Vincent Kompany nicht überbieten konnte.
München – Am 30. Mai 1981 traf der FC Bayern als Tabellenführer der Bundesliga vor 48.000 Zuschauern im Münchner Olympiastadion auf den Tabellenfünften Eintracht Frankfurt. Es versprach ein episches Spiel zu werden. Vor dem Duell mit dem Hamburger SV war das Meisterschaftsrennen noch offen. Die Bayern hatten bei noch drei ausstehenden Spielen zwei Punkte Vorsprung (gemäß der damaligen 2-Punkte-Regelung) und ein besseres Torverhältnis. Der HSV trat zeitgleich beim Karlsruher SC an, der sich im unteren Tabellenmittelfeld befand.
Die Saison 1980/81 lässt sich aus Sicht der Bayern als eine Geschichte von Höhen und Tiefen zusammenfassen: Ein starker Herbst, ein schwacher Winter und ein grandioses Frühjahr. Nach einem gelungenen Saisonstart mit zwei Siegen (3:0 in Karlsruhe und 5:3 gegen Borussia Dortmund) folgte ein Dämpfer in Düsseldorf mit einer 0:3-Niederlage, in der alle Gegentore in der letzten halben Stunde fielen. Daraufhin folgte eine beeindruckende Serie mit neun Siegen in Folge (18 Punkte), darunter ein 2:1-Heimsieg gegen den HSV.
Traditionell endete eine solche Serie damals oft auf dem Betzenberg. So auch am 8. November 1980, als die Bayern am 13. Spieltag mit 2:4 gegen Kaiserslautern verloren. Diese Niederlage leitete eine schwache Phase für die Bayern ein, die bis in den März andauerte: Nur 15 Punkte aus 14 Spielen, darunter ein möglicherweise entscheidendes 2:2 im Hamburger Volksstadion nach einem 0:2-Rückstand. Doch das Frühjahr war erneut grandios: acht Siege, 16 Punkte, 30:5 Tore.
Als der HSV am 27. September 1980 in München antrat, stand die Austragung des Spiels lange auf der Kippe. Am Abend zuvor hatte ein schrecklicher Anschlag auf dem Oktoberfest 13 Menschenleben gefordert, und die Stadt war in Schock. Dennoch entschied man sich, das Spiel stattfinden zu lassen, um die bereits anwesenden Menschen nicht weiter zu beunruhigen. Heute wäre eine solche Entscheidung wahrscheinlich anders getroffen worden.
Die Bayern gewannen das Spiel durch einen späten Treffer von Klaus Augenthaler mit 2:1 vor ausverkauftem Haus im Olympiastadion und festigten ihre Position als Tabellenführer.
Ein halbes Jahr später waren die Vorzeichen vor dem Rückspiel in Hamburg am 21. März 1981 ganz anders: Aufgrund der zuvor erwähnten Schwächephase, die auch durch die Verletzung von Paul Breitner bedingt war, war der HSV inzwischen an den Bayern vorbeigezogen. Vor dem Spiel betrug der Vorsprung der Hanseaten drei Punkte, und ein Sieg des HSV hätte die Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen bedeutet.
In der Zeit zwischen den beiden Topspielen war zudem etwas geschehen, das den Bayern und ihren Fans missfiel: Franz Beckenbauer, der mittlerweile 35-jährige "bayerische Kaiser", kehrte im November aus New York in die Bundesliga zurück und schloss sich dem Rivalen HSV an. Karl-Heinz Rummenigge reagierte darauf mit der spitzen Bemerkung, Beckenbauer solle sich eine eigene Laufbahn mitbringen.
Im Rückspiel gingen die Hamburger kurz nach der Halbzeit durch Tore von Felix Magath und Horst Hrubesch mit 2:0 in Führung. Die Hoffnungen der Bayern auf eine erfolgreiche Titelverteidigung schienen in diesem Moment minimal. Doch trotz schwieriger Platzverhältnisse kämpften sich Rummenigge und Breitner zurück in die Partie und erzielten den Endstand von 2:2. Damit waren die Bayern der moralische Sieger, während der HSV angeschlagen wirkte. In den folgenden Wochen wendete sich das Blatt wieder zugunsten der Bayern.
Trotz zuvor überragender Leistungen, einschließlich fünf Siegen in Folge und einer 3:0-Revanche gegen Kaiserslautern, fanden die Bayern bei sommerlichen Temperaturen gegen Eintracht Frankfurt nur schwer ins Spiel. Zur Halbzeit stand es 0:0.
Die zweite Halbzeit sollte jedoch episch werden. Wie verwandelt kamen die Münchner aus der Kabine und dominierten die Hessen. Wolfgang Kraus erzielte in der 54. Minute das 1:0 und leitete damit eine Serie von Angriffen auf das Frankfurter Tor ein.
Dieter Hoeneß setzte in der 90. Minute den Schlusspunkt, während Rummenigge und Breitner jeweils zwei Tore erzielten. Es war das einzige Mal in Breitners Bundesliga-Karriere, dass er drei Tore in einem Spiel erzielte – und das alles in einer Halbzeit! Darunter war ein wunderschöner Weitschuss ins obere Eck, der zum Tor des Monats Mai gewählt wurde. Die Frankfurter Tore zum 1:5 und 2:6 waren lediglich Ergebniskosmetik.
Sieben Tore in einer Halbzeit (in nur 36 Minuten) gelangen den Bayern bis zum 9. Spieltag der Saison 2023/24 lediglich beim 11:1 (4:0)-Rekordsieg gegen den BVB im November 1971, damals jedoch innerhalb von 41 Minuten. Mehr als acht Tore in einer Halbzeit sind in der Bundesliga-Historie des FCB nie gefallen: nicht beim legendären 6:5 (0:3)-Sieg in Bochum im September 1976 und auch nicht beim 8:0 (0:0)-Kantersieg gegen Darmstadt 98 mit drei Toren von Kane am 28. Oktober 2023.
Am 32. Spieltag der Saison 1980/81 spielte der HSV nur 1:1 gegen den Karlsruher SC. Damit benötigten die Bayern im darauffolgenden Auswärtsspiel in Mönchengladbach nur noch einen Punkt für die Meisterschaft, den sie souverän mit einem 4:1-Sieg holten.
Eine Woche später hielten Breitner und Co. nach einem 4:0-Heimsieg gegen Bayer Uerdingen (Halbzeitstand erneut 0:0!) die Meisterschale in den Händen. Eine Vielzahl der 70.000 Fans stürmte bereits vor dem Abpfiff den Rasen des Olympiastadions. Rummenigge (29 Tore) und Breitner (17 Tore – trotz Verletzung) waren die Protagonisten in dieser siebten Meisterschaftssaison der FCB-Geschichte.