FC Bayern setzt Zeichen gegen Rassismus

FC Bayern setzt Zeichen gegen Rassismus

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus werden auch beim FC Bayern aktiv unterstützt. Präsident Herbert Hainer hebt die Bedeutung des Dialogs hervor und fordert: „Redet miteinander!“

München – In einem Besprechungsraum am FC Bayern Campus wird intensiv diskutiert. „Warum darf ich das N-Wort nicht mehr benutzen?“ wurde gerade in die Runde geworfen. 25 Clubmitarbeiter und Mitglieder des Ehrenamtsprogramms „PACK MA’S“ kommen anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus (16. bis 29. März) zu einem Workshop über Vielfalt zusammen, was zu angeregten Gesprächen führt. Präsident Herbert Hainer erklärt gegenüber unserer Zeitung: „Sport bringt Menschen zusammen, ein Verein verbindet. Ich sage immer wieder gerne: Begegnung statt Blase, Begegnung statt Parole – nur wer miteinander redet, versteht sich.“

Hainer ist an diesem Freitag vor dem Heimspiel gegen Union Berlin mittendrin. Obwohl sein Terminplan eng ist, zeigt er, wie ernst der Verein die Themen Rassismus, Vielfalt und Respekt nimmt. Im Aktionszeitraum, in dem die DFL auch den Spieltag unter dem Motto „TOGETHER! Stop Hate. Be a Team.“ ausgerufen hat, setzt der FC Bayern wie in jedem Jahr verschiedene Zeichen. Im Rahmen seiner 2020 ins Leben gerufenen Initiative „Rot gegen Rassismus“ ist es dem Verein wichtig, auch inhaltlich zu wirken. Daher findet der Workshop in bewusst kleinem Rahmen statt, um ein sensibles Gesprächsklima zu schaffen. Hier gibt es unterschiedliche Meinungen, aber keine Tabus.

Die Frage, wie politisch der Sport sein darf, spielt an diesem Freitagabend eine untergeordnete Rolle. Für Hainer ist sie ohnehin geklärt. „Bei Themen wie Rassismus oder Ausgrenzung kommt der Sport irgendwann an einen Punkt, an dem man aufstehen muss und sagt: Bis hierher und nicht weiter!“, erklärt er. Fußball ist längst mehr als nur das, was auf dem Spielfeld passiert. Am Ende stellt sich laut Hainer die zentrale Frage: „Was für eine Gesellschaft wollen wir sein?“ Die Auswirkungen reichen weit über den Fußballplatz hinaus.

Vor wenigen Wochen erhielt das Thema erneut Auftrieb. Der knapp zwölfminütige Monolog, den Trainer Vincent Kompany als Reaktion auf den mutmaßlich rassistischen Vorfall um Vinicius Jr. hielt, wird von Hainer als „bemerkenswerte Rede einer bemerkenswerten Persönlichkeit“ bezeichnet. Kompanys Botschaft ist bei ihm hängen geblieben: „Dass Menschen zu oft in Gruppen gesteckt werden, die dann auseinanderdriften – und dass wir uns damit Chancen nehmen.“ Sein Appell, nicht verbohrt für einen Standpunkt zu kämpfen, sondern darauf zu schauen, was uns verbindet, findet bei Hainer Zustimmung.

Diese Haltung gilt nicht nur während der Internationalen Wochen gegen Rassismus, sondern das ganze Jahr über. Der FC Bayern nutzt seine Sichtbarkeit, um nachhaltig zu wirken. Mit Aktionen wie Aufwärmshirts und Bannern bei den Spielen der Basketball- und Fußballteams zeigt der Verein Haltung. Grundlegend ist, dass „Respekt, Vielfalt und Weltoffenheit keine Schlagworte sind, sondern unser Zusammenleben und unseren Alltag prägen“. Das Kernteam von „Rot gegen Rassismus“ trifft sich einmal pro Woche, und einmal im Monat werden 20 weitere Mitarbeiter aus allen Abteilungen des Vereins hinzugezogen.

„Einen Abpfiff gibt es beim sozialen Engagement nicht“, sagt Hainer. Im Gegenteil: Bereits zum vierten Mal hat der Rekordmeister in diesem Jahr ein Erinnerungswochenende mit der Israelitischen Kultusgemeinde unter der Leitung von Charlotte Knobloch veranstaltet. Im Mai lädt der Verein zu weiteren Zeitzeugengesprächen mit dem Holocaust-Überlebenden Abba Naor ein. Im Auditorium sind Mitglieder sowie Spielerinnen und Spieler aus den Nachwuchsmannschaften anwesend. Früh die richtigen Weichen zu stellen, Werte zu vermitteln und klare Kante zu zeigen, so Hainer: „Das überwindet Barrieren, auch in den Köpfen.“

Im Raum am Campus merkt man an diesem Tag, dass Unsicherheit herrscht. Was tut man, wenn Rassismus im Alltag auftritt? Wie geht man mit Betroffenen um? Wie benennt man Täter? Es gibt viel zu lernen. Vor allem aber bleibt die Gewissheit, dass das Thema Rassismus nie ausdiskutiert sein wird und auch nie ausdiskutiert sein darf.

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