Francisco Copado: Vom Bundesliga-Spieler zum Nationaltrainer der Kings League
München – Francisco Copado blickt auf eine bewegte Karriere im Fußball zurück. Der ehemalige Bundesliga-Stürmer, der für Vereine wie den Hamburger SV, Unterhaching, Eintracht Frankfurt und 1899 Hoffenheim spielte, ist heute Trainer in der Kings League und wird Deutschland als Nationaltrainer zum Kings World Cup 2026 nach Brasilien führen.
In einem Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, spricht Copado über seine prägendsten Momente, seine ehrliche Selbstkritik und die besondere Rolle des Fußballs in seiner Familie.
Der Präsident der Kings League, Bastian Schweinsteiger, hat sich persönlich für Copado als Nationaltrainer eingesetzt. „Das ist sehr schön. Ich freue mich, dass Basti mich ausgewählt hat“, äußert der 51-Jährige dankbar. „Ich werde alles daran setzen, dass wir in Brasilien so erfolgreich wie möglich sein werden.“
Als Trainer des Teams No Rules FC, dessen Präsident sein Schwager Hasan Salihamidžić ist und dessen Neffe Nick spielt, bringt Copado bereits Erfahrung in der Kings League mit. Er war sofort begeistert von der 7-gegen-7-Liga, die von der spanischen Legende Gerard Piqué und Internet-Persönlichkeiten gegründet wurde und 2025 nach Deutschland expandierte.
Die besondere Verbindung zu Hasan Salihamidžić reicht bis in ihre Jugendzeit beim HSV zurück. Copado erinnert sich an die Anfänge: „Brazzo kam damals als Flüchtling nach Hamburg, da war er noch keine 16 Jahre alt.“ Copado, der zweieinhalb Jahre älter ist, nahm den jungen Bosnier unter seine Fittiche.
Aus ihrer ersten Begegnung entwickelte sich mehr als nur eine Freundschaft: „Meine Eltern haben ein Haus in Hamburg gemietet, sodass wir Brazzo ein Zimmer angeboten haben. So begann die ganze Geschichte.“
Über Salihamidžićs Anfänge im Fußball sagt Copado rückblickend: „Was Brazzo hatte, war ein unheimlicher Wille und eine unglaubliche Leidenschaft. Er war nicht totzukriegen. Das waren seine Vorzüge, auf die man sich immer verlassen konnte.“ Salihamidžić landete später beim FC Bayern, wo er sechsmal die Meisterschaft und viermal den DFB-Pokal gewann und sogar Champions-League-Sieger wurde. Jetzt arbeiten die Salihamidžićs und Copado gemeinsam in der Kings League.
Copado bringt nicht nur Erfahrung als Trainer mit, sondern stand auch jahrelang selbst auf dem Platz. Die längste Zeit verbrachte er bei Unterhaching, wo er in 131 Pflichtspielen 64 Tore erzielte und damit als Vereinslegende gilt. 2004 wurde er mit 18 Treffern Torschützenkönig der 2. Bundesliga.
Eine besondere Rolle in Copados Karriere spielte Anton Schrobenhauser, der ehemalige Mäzen von Unterhaching und spätere Schwiegervater. „Er war nicht nur mein Schwiegervater, sondern auch Familie und Freund“, erinnert sich Copado emotional an Schrobenhauser, der 2022 im Alter von 66 Jahren verstarb.
Schrobenhauser verhinderte einst einen vorzeitigen Wechsel zu Eintracht Frankfurt: „Er war so hart, dass er sagte: ‚Ist mir egal. Ich verzichte auf das Geld, das ich für dich bekomme, und du bleibst bei uns.‘“ 2005 klappte der Wechsel zur Eintracht doch noch. Bei den Hessen erlebte Copado einen seiner größten Karriere-Momente: das 6:0 im DFB-Pokal gegen Schalke.
„Es war eines meiner besten Spiele im DFB-Pokal“, erinnert sich Copado, der ein Tor erzielte und zwei Vorlagen gab. „Niemand hatte damit gerechnet. Zu diesem Zeitpunkt standen wir in der Tabelle ziemlich weit unten.“ Dieses Spiel hatte weitreichende Folgen: „Es war ausschlaggebend für Ralf Rangnick, der mich dann zur TSG Hoffenheim holte.“
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten am Main gewannen die Frankfurter Fans schnell Copados Herzen. Eine Szene ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Wir haben zu Hause gegen Bayern gespielt. Ich saß erneut nur auf der Bank und wir lagen zurück. Plötzlich stand das ganze Stadion auf und rief nur meinen Namen.“
Das war ihm damals sogar unangenehm. „Ich hoffte, dass sie aufhören, meinen Namen zu rufen, weil ich wusste, je länger sie schreien, desto weniger würde der Trainer mich bringen. Aber das war Wahnsinn.“ Seinen Eindruck über die Eintracht-Anhänger fasst er zusammen: „Die Eintracht-Fans sind wahrscheinlich die besten der Liga. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich dort im Stadion bin.“
In seiner Spielerkarriere hatte Copado mit großen Namen zu tun, darunter Felix Magath, Friedhelm Funkel und Hermann Gerland. Doch einer sticht besonders hervor: „Der Trainer, bei dem ich am meisten gelernt habe, war Ralf Rangnick. Er war nicht immer einfach, aber ein kommunikativer Trainer, der jeden Tag mit Herzblut dabei war und wollte, dass die Mannschaft sich verbessert. Er hat immer Lösungen angeboten.“
Rückblickend betrachtet Copado seine Karriere jedoch selbstkritisch: „Ich war ein Fahrstuhlfahrer, ein Projektspieler, der immer wieder gerufen wurde. Besonders zu bestimmten Projekten, meist beim Aufstieg.“
Trotz sechs Aufstiegen in seiner Laufbahn hadert Copado mit verpassten Chancen: „Ich weiß selbst, dass ich mit mehr Seriosität mehr hätte erreichen können. Ich bin überzeugt, dass ich definitiv zu wenig Bundesligaspiele für mein Talent und meine Qualität gemacht habe. Aber ich möchte nicht jammern.“
Sein Sohn Lucas spielt aktuell in der 2. Bundesliga für den SC Paderborn. Die väterlichen Ratschläge sind klar: „Ich fahre fast jede Woche nach Paderborn und trainiere mit ihm, weil ich weiß, wie hart man arbeiten muss, um über Jahre in diesem Geschäft zu bleiben.“
Auch für Eintracht-Sorgenkind Elye Wahi, der ähnliche Startschwierigkeiten wie Copado hatte, hat er einen Rat: „Harte Arbeit wird am Ende des Tages immer belohnt. Qualität kommt vom Wort Qual. Auf die Zunge beißen, die Füße in die Hände nehmen und Vollgas geben.“ Dann müsse SGE-Trainer Dino Toppmöller „das irgendwann honorieren“.
Inzwischen hat Copado selbst die Rolle als Trainer übernommen, ist Inhaber der UEFA Pro Lizenz und sieht deutliche Unterschiede zwischen der Kings League und dem traditionellen Fußball: „Das Kings-League-Format ist mehr auf Showbusiness ausgerichtet und hat viele innovative Regeln. Aber klar ist: Es geht um Fußball. Die Elemente sind immer dieselben.“
Im Halbfinale des Kings Cup Germany scheiterte das zuvor ungeschlagene No Rules FC kürzlich an G2 FC. Schweinsteiger und die Team-Präsidenten waren jedoch von den Leistungen von No Rules FC so überzeugt, dass Copado die Stimme als Nationaltrainer erhielt. Copados bisheriges Fazit zur Kings League: „Man kann viele Elemente aus dem Großfeld auch in der Kings League integrieren. Es geht letztlich um Fußball und nicht nur um reine Show.“