Gewaltszenen bei Copa Sudamericana: Spiel zwischen Independiente und Universidad de Chile abgebrochen

Gewaltszenen bei Copa Sudamericana: Spiel zwischen Independiente und Universidad de Chile abgebrochen

Bei der Partie zwischen Independiente und Universidad de Chile kam es zu den heftigsten Ausschreitungen seit vielen Jahren, die mehrere Schwerverletzte zur Folge hatten.

Avellaneda – Der südamerikanische Fußball ist nicht nur für seine beeindruckenden Spieler bekannt, sondern auch für seine leidenschaftliche und oft ungebremste Fankultur. Die Intensität der Spiele, das Stadionerlebnis und die Verbundenheit der Fans sind enorm. Doch die Schattenseite dieser Fußballkultur sind die Gewaltexzesse, die in und um die Stadien stattfinden.

Trotz positiver Entwicklungen in den letzten zehn Jahren kam es im Achtelfinalspiel der Copa Sudamericana zwischen Independiente und Universidad de Chile in Avellaneda zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die schließlich zum Abbruch des Spiels führten.

Independiente, ein traditionsreicher Verein aus Avellaneda, einem Vorort der Fußballmetropole Buenos Aires, gehört zu den fünf größten Klubs Argentiniens und hat eine große Fangemeinde. Universidad de Chile, einer der bedeutendsten Vereine Chiles, ist ebenfalls für seine leidenschaftlichen Anhänger bekannt.

Während die Spieler auf dem Rasen um den Einzug ins Viertelfinale des zweitwichtigsten Vereinswettbewerbs Südamerikas kämpften, kam es unter den Fans zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Bereits vor dem Spiel zogen die Fans von „La U“ die Wut der Independiente-Anhänger auf sich, indem sie eine Fahne der Gegner stahlen, was als große Schmach für die Beklauten gilt.

Zur Halbzeit stand es 1:1, was die Chilenen aufgrund des 1:0-Hinspielsiegs ins Viertelfinale gebracht hätte. Doch nach dem Wiederanpfiff entlud sich die Gewalt. Die Universidad-Fans, die im Oberrang des Estadio Libertadores de América saßen, begannen, Feuer zu legen und warfen Gegenstände wie Leuchtkörper, Steine und Flaschen auf die Fans von Independiente, die sich im unteren Rang befanden.

Es war der Beginn brutaler Szenen, die in den letzten Jahren im südamerikanischen Fußball ihresgleichen suchen. Das Spiel wurde unterbrochen, und der Stadionsprecher forderte die chilenischen Fans auf, das Stadion zu verlassen. Sicherheitskräfte waren nicht zu sehen. Die angegriffenen Independiente-Fans wechselten den Block, während viele Universidad-Anhänger das Stadion verließen und teilweise mit der Polizei in Konflikt gerieten. Für die verbliebenen chilenischen Fans begann eine Hetzjagd.

Etwa 100 Independiente-Anhänger stürmten den Block und verfolgten die gegnerischen Fans durch das Stadion. Viele Chilenen wurden brutal zusammengeschlagen, einige sogar mit Eisenstangen. Ein Fan stürzte von der Tribüne, und es ist unklar, ob er fiel oder gestoßen wurde.

Nachdem sich die argentinischen Fans zurückgezogen hatten, blieben einige Universidad-Anhänger regungslos auf der Tribüne liegen. Am Ende wurden 300 Fans festgenommen, und es wird von über 100 Verletzten berichtet, zehn davon schwer. Die Zahl könnte noch steigen, und es gibt unbestätigte Berichte über Tote. Das Spiel wurde abgebrochen.

Der Präsident von Independiente, Néstor Grindetti, machte die Fans von Universidad de Chile für die Ausschreitungen verantwortlich und bezeichnete sie als „verrücktes Publikum“. Er äußerte sich wütend und verzweifelt über die Gewalt, die er als noch nie zuvor erlebt beschrieben hat und meinte, die Fans von Independiente hätten so etwas nicht verdient.

Die CONMEBOL, der südamerikanische Fußballverband, hielt sich bedeckt und gab lediglich den Abbruch des Spiels bekannt. Der Vorfall wurde an die interne Justizabteilung übergeben. Es bleibt unklar, warum die chilenischen Fans in unmittelbarer Nähe zu den Heimtribünen platziert wurden und warum die Polizei erst so spät eingriff, obwohl etwa 800 Sicherheitskräfte vor Ort waren.

Erst im April wurden am Rande einer Partie in der Copa Libertadores zwei junge Fans von Colo Colo, dem Rivalen von Universidad, von Polizisten getötet. Während im nationalen argentinischen Fußball Gästefans wieder erlaubt sind, gab es für internationale Spiele nie ein solches Verbot. Die Wertung der Partie ist noch offen. Der südamerikanische Fußball hat eine beschämende Nacht erlebt.

Topics

Related news