Girondins Bordeaux vor dramatischem Absturz in die sechste Liga

Girondins Bordeaux vor dramatischem Absturz in die sechste Liga

Girondins Bordeaux erlebt einen weiteren Tiefpunkt in seinem beispiellosen Abstieg. Noch im vergangenen Jahr erwog Oliver Kahn einen Einstieg als Investor.

München/Bordeaux – Der Fall eines der bekanntesten Fußballvereine Frankreichs nimmt immer dramatischere Züge an: Girondins Bordeaux, sechsmaliger französischer Meister und einstige Heimat von Weltklasse-Spielern wie Zinédine Zidane und Bixente Lizarazu, kämpft ums Überleben. Die massiven finanziellen Probleme des Vereins führen nun zu einem weiteren sportlichen Tiefpunkt.

Die Berufungskommission der französischen Finanzaufsichtsbehörde DNCG entschied am Mittwoch, den 15. Juli, dass Girondins von allen nationalen Ligen ausgeschlossen wird und damit faktisch von der vierten in die sechste Liga zwangsversetzt wird. Ein sportlicher Neuanfang ist somit nur in der sechstklassigen R1 möglich – vorausgesetzt, der regionale Fußballverband Nouvelle-Aquitaine stimmt zu.

Der akute Finanzierungsbedarf beläuft sich auf etwa zehn Millionen Euro, unter anderem aufgrund ausstehender Transferzahlungen an andere Klubs und nicht gezahlter Spielergehälter. Doch damit nicht genug: Aufgrund der desaströsen Finanzlage steht sogar die vollständige Liquidation des Vereins im Raum. Ein Handelsgericht muss nun darüber entscheiden. Schulden von über 100 Millionen Euro drücken schwer auf den Klub, der in den 80er Jahren auch von deutschen Nationalspielern wie Klaus Allofs, Manfred Kaltz und Dieter Müller vertreten wurde.

Bereits 2024 wurde Bordeaux von der zweiten in die vierte Liga strafversetzt. Seitdem blieb die Suche nach einem rettenden Investor erfolglos: Ein geplanter Verkauf an den britischen Fonds Sparta Capital scheiterte. Auch Oliver Kahn, ehemaliger Vorstandschef des FC Bayern und Welttorhüter, zog sich im Juni 2025 nach intensiven Verhandlungen zurück.

Kahn hatte mit einer Investorengruppe ein formelles Angebot unterbreitet und wollte rund 50 Millionen Euro investieren. Nach Einsicht in die Finanzdaten entschied er sich jedoch gegen das Angebot – „mit großer Enttäuschung“, wie er auf LinkedIn schrieb. Eine historische Verbindung bleibt bestehen: 1996 stand Kahn mit dem FC Bayern im UEFA-Cup-Finale gegen Bordeaux und gewann beide Spiele.

Wie es mit dem französischen Traditionsklub nun weitergeht, ist völlig ungewiss. In der vergangenen Saison spielte Bordeaux immerhin noch in der vierten Liga und belegte dort mit 62 Punkten den zweiten Tabellenplatz. Der Aufstieg wurde knapp verpasst – nun geht es noch zwei Ligen nach unten. Es ist denkbar, dass den Verein auch in diesem Sommer zahlreiche Spieler verlassen werden.

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