Gladbachs Erkenntnisse aus der Niederlage gegen Stuttgart
Bei der 0:1-Niederlage von Borussia Mönchengladbach gegen den VfB Stuttgart wurden drei wesentliche Erkenntnisse deutlich. Eine davon betraf das Sturm-Duo Tim Kleindienst und Haris Tabaković.
Im Vergleich zum Auftaktspiel gegen den Hamburger SV zeigte Mönchengladbach gegen Stuttgart eine verbesserte Leistung. Dennoch stehen nach zwei Bundesliga-Spieltagen nur ein Punkt und 0:1 Tore zu Buche. Die Analyse von Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, brachte drei zentrale Punkte ans Licht.
Erstens war Borussia Mönchengladbach unter Cheftrainer Gerardo Seoane bei Standardsituationen bislang immer gefährlich. Mit Tim Kleindienst und Haris Tabaković stehen zwei groß gewachsene Stürmer im Kader, die bei Eckbällen und Freistößen viel Gefahr ausstrahlen. Fehlen beide Spieler, verliert die Mannschaft an Durchschlagskraft, zumal auch Ko Itakura, ein weiterer Standardspezialist, den Verein verlassen hat.
Kleindienst wird Borussia noch mehrere Wochen fehlen, während Tabaković gegen Stuttgart kurzfristig aufgrund eines Magen-Darm-Infekts ausfiel. Am Samstagnachmittag führte Gladbach insgesamt zehn Eckbälle aus, die jedoch nie wirklich gefährlich wurden. Der VfB Stuttgart war körperlich überlegen, und einige Hereingaben mangelten an Präzision.
Besonders bitter war, dass das entscheidende Gegentor nach einer Stuttgarter Ecke fiel, die Mönchengladbach nicht aufmerksam verteidigte. Sport-Geschäftsführer Roland Virkus äußerte sich in der Mixed Zone deutlich: „Das Gegentor war ein Standard – und es heißt Standard, weil es standardmäßig zu verteidigen ist. Billiger kannst du ein Tor nicht herschenken.“
Die zweite Erkenntnis ist, dass Gladbach auch aus dem Spiel heraus Schwierigkeiten hat, die Chancen zu nutzen. Sowohl gegen Ende der ersten Halbzeit als auch zu Beginn der zweiten Hälfte erarbeiteten sich die Fohlen mehrere Gelegenheiten, die ungenutzt blieben. Die größte Chance hatte Kevin Stöger, der im Eins-gegen-eins-Duell mit Alexander Nübel den Ball neben das Tor setzte (51.).
„Wir haben in der zweiten Halbzeit hervorragend gespielt und uns viele Chancen herausgespielt“, bemerkte Virkus, musste jedoch eingestehen: „Wir haben auf der Bank gesagt, wenn du so viele Chancen in einem Auswärtsspiel in Stuttgart hast, musst du eine nutzen.“ Der VfB habe „keine Kreativität und keine Lösungen mit dem Ball gezeigt und wenige Chancen kreiert“, letztendlich aber doch gewonnen.
Die Wichtigkeit von Kleindienst und dem zu PSV Eindhoven gewechselten Alassane Pléa wird immer deutlicher. Zusammen erzielte das Duo in der vergangenen Saison 27 Tore, wobei Kleindienst beim 4:4 gegen 1899 Hoffenheim am 32. Spieltag der Vorsaison das letzte Bundesligator für Borussia erzielte.
„Der Aderlass ist logisch, aber was wir heute gesehen haben, macht mir trotzdem Mut“, blickte Virkus optimistisch in die Zukunft. „Die Jungs, die wir haben, müssen wir entwickeln. Ich bin zuversichtlich, dass wir das über die Saison hinweg schaffen.“
Eine positive Entwicklung könnte auch Rocco Reitz zeigen. Der Vizekapitän, der in Abwesenheit von Kleindienst die Binde trägt, präsentierte sich in Stuttgart von einer anderen Seite. Während er in Gladbach vor allem defensiv gefordert war, übernahm er in einer Doppelsechs mit Philipp Sander die offensivere Rolle.
Mit Shuto Machino anstelle von Tabaković agierte Borussia spiel- und kombinationsfreudiger. Reitz rückte häufig von der Doppelsechs in den Achterraum vor und suchte den Kontakt zu Kevin Stöger. Durch schnelle und flache Pässe wurden Räume geöffnet, was zur Spielverlagerung auf die Flügel führte. Reitz bereitete zudem Stögers Großchance wenige Minuten nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit vor.
Bei der U21-Europameisterschaft war Reitz, nach Nick Woltemade, der für bis zu 90 Millionen Euro von Stuttgart zu Newcastle United gewechselt ist, das zweitgrößte Aushängeschild der deutschen Nachwuchsauswahl. Mit seiner aggressiven und nach vorne gerichteten Spielweise hatte er sich einen Stammplatz in der Mannschaft von Antonio Di Salvo erkämpft. Zeigt er diese Form nun auch bei Borussia, könnte Reitz auf seine Weise die fußballerische Lücke schließen, die Julian Weigl im Falle eines Transfers hinterlassen würde.