Haller und BVB: Ein Abschied im Zwiespalt

Haller und BVB: Ein Abschied im Zwiespalt

Der BVB möchte Sébastien Haller von der Gehaltsliste streichen, doch der Stürmer pokert hoch. Im Raum steht eine Millionen-Abfindung, die zudem einen blockierten Transfer eines neuen Stürmers betrifft.

Dortmund – Die Verbindung zwischen Sébastien Haller und Borussia Dortmund reicht weit über den Fußball hinaus. Kurz nach seinem Wechsel von Ajax für 31 Millionen Euro wurde bei dem Stürmer Hodenkrebs diagnostiziert, und die gesamte BVB-Familie stand hinter ihm. Sein Comeback war ein Märchen, das jedoch durch einen vergebenen Elfmeter im Meisterschaftsdrama gegen Mainz eine bittere Wendung nahm.

Der Triumph beim Afrika Cup mit der Elfenbeinküste schien ein Happy End für Haller zu bringen. Doch nun droht ein finanzieller Poker, der diese besondere Verbindung belasten könnte. Laut Berichten der Bild-Zeitung liegen die Vorstellungen von BVB und Haller bezüglich einer Abfindung weit auseinander: Der Verein bietet zwei Millionen Euro, während Haller sechs Millionen für die vorzeitige Auflösung seines bis 2026 gültigen Vertrags fordert.

Haller verdient bis zu zehn Millionen Euro pro Saison. Der BVB argumentiert, dass der Stürmer bereits zwei Monatsgehälter für Juli und August erhalten hat. Aufgrund einer Erkrankung verpasste Haller das Trainingslager in Österreich, wurde jedoch währenddessen mit seiner Familie in Frankreich gesichtet. Bei der Saisoneröffnung wurde der 31-Jährige als Teil des Kaders vorgestellt.

Die Situation ist für alle Beteiligten unbefriedigend und blockiert wichtige Transferpläne des Vereins. Sollte eine Einigung nicht zustande kommen, könnte Haller weiterhin auf der Bank des BVB sitzen. Der Verein hingegen würde keine Einsparungen bei den Gehältern erzielen und könnte bei der Verpflichtung eines anderen Stürmers behindert werden.

Wunschkandidat Fábio Silva von den Wolverhampton Wanderers kostet zwischen 25 und 30 Millionen Euro Ablöse, obwohl auch er bis 2026 unter Vertrag steht. Zudem wird erwartet, dass auch Silva ein lukratives Gehaltspaket erhalten würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass Haller im DFB-Pokal gegen RW Essen im Kader steht, steigt.

Für einen Spieler, den der Verein eigentlich loswerden möchte, ist dies kein ideales Szenario. Haller ist jedoch nicht der einzige Topverdiener, den Dortmund nur schwer loswird. Auch bei Spielern wie Niklas Süle, Julian Brandt, Emre Can oder Marcel Sabitzer sind es hohe Gehälter, die zu ihrem Verbleib beim BVB beitragen.

Aus der Sicht der Spieler ist dies vollkommen legitim, schließlich haben sie ihre Verträge rechtmäßig unterschrieben. Für den BVB wird diese Situation jedoch zunehmend problematisch, da viele Mittel in Profis gebunden sind, die sportlich nicht überzeugen. Diese Spieler können sich einen Wechsel aussuchen oder ihren Vertrag einfach aussitzen.

Der FC Utrecht, Hallers Wunschziel und Leihklub in der vergangenen Rückrunde, kann ihm nicht annähernd das Gehalt bieten, das er beim BVB erhält. Der niederländische Verein hofft, dass Dortmund eine großzügige Abfindung zahlt, um den Transfer zu ermöglichen. Sollte keine Einigung erzielt werden, würde Haller sein letztes Vertragsjahr beim BVB verbringen – ohne sportliche Perspektive, aber mit vollem Gehalt.

Für den Verein wäre dies ein Desaster: Zehn Millionen Euro für einen Spieler, der realistisch keine große Rolle spielt. Trainer Niko Kovač, der Haller noch aus Frankfurter Zeiten kennt und schätzt, hatte zwischenzeitlich erwogen, den Ivorer als Backup für Serhou Guirassy zu behalten. „Ein toller Junge. Ein toller Mensch“, sagte Kovač über den Stürmer.

Doch diese Option scheint mittlerweile vom Tisch zu sein, da der BVB Platz für Silva schaffen möchte. Bis zum 1. September sind in dieser Personalie noch viele Unklarheiten möglich. Das Feilschen um den letzten Euro sollten sich beide Seiten sparen: Haller möchte spielen und hat beim BVB keine Zukunft.

Der BVB strebt ein sauberes Ende mit dem Spieler an. Haller hat den Verein mit seinem Comeback inspiriert und beinahe zur Meisterschaft geführt, während der BVB ihm in seiner schwersten Stunde zur Seite stand und in der Vorsaison gleich zwei Leihen ermöglichte. Diese besondere Geschichte verdient ein würdiges Ende.

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