HSV: Erfolgreiche Transfers und vielversprechende Neuzugänge
Der Hamburger SV hat nach dem Aufstieg in die Bundesliga einen umfassenden Umbruch vollzogen und zahlreiche Neuzugänge begrüßt. Viele dieser neuen Spieler zeigen bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit, dass sie eine wertvolle Verstärkung sind.
Hamburg – Der Hamburger SV erlebte einen turbulenten Sommer mit insgesamt 30 Transferbewegungen. Der Verein gab 18 Spieler ab, darunter drei auf Leihbasis, und verpflichtete 12 neue Akteure. Die Verantwortlichen, darunter Sportvorstand Stefan Kuntz und Sportdirektor Claus Costa, sahen auf allen Positionen Handlungsbedarf. Die positiven Auswirkungen ihrer Maßnahmen zeigten sich in den letzten Wochen.
Besonders hervorzuheben sind Luka Vuskovic und Fábio Vieira, die beide auf Leihbasis zum HSV gestoßen sind. Ihre Qualitäten spiegeln sich in den Namen ihrer Stammvereine wider: Tottenham Hotspur und FC Arsenal. Vuskovic, erst 18 Jahre alt, hat sich schnell als Schlüsselspieler in der Abwehr etabliert und überzeugt sowohl in Zweikämpfen am Boden als auch in der Luft.
Der erst am Deadline Day verpflichtete Vieira absolvierte bislang drei Pflichtspiele. Besonders im Spiel gegen Heidenheim zeigte er, welches Talent er ist. Der Portugiese, der 2022 für 35 Millionen Euro zu Arsenal wechselte, war als Ideengeber im Offensivspiel aktiv und bereitete das 2:0 vor. Eine Woche später überzeugte er auch gegen Union Berlin, erhielt jedoch in der Nachspielzeit nach einem ungestümen Foul die Rote Karte.
Die Sperre für Vieira, der ohnehin verletzungsbedingt ausfiel, eröffnete Albert Sambi Lokonga die Möglichkeit, in der Startelf zu debutieren. Der Belgier, der fest von FC Arsenal verpflichtet wurde, zeigte beim beeindruckenden 4:0-Sieg gegen Mainz, dass er das Hamburger Mittelfeld prägen kann. Neben seiner Ballsicherheit bringt er auch defensive Qualitäten mit und könnte sich als Schnäppchen für die Ablösesumme von 300.000 Euro erweisen.
Insgesamt investierte der HSV etwa achtmal so viel in Nicolai Remberg. Dennoch gibt es derzeit keine Einwände gegen die hohen Kosten. Remberg, als einziger Feldspieler, der bislang alle 540 Bundesliga-Minuten absolviert hat, macht seinem Spitznamen "Rambo" mit seiner kompromisslosen Spielweise alle Ehre. Zudem hat sich der 25-Jährige, der aus Kiel kam, auch mit dem Ball verbessert und ist mittlerweile aus der Startelf nicht mehr wegzudenken.
Überraschend hat sich auch Rayan Philippe, der mit einer Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro teuerste Neuzugang des Sommers, etabliert. Zunächst überfordert mit dem höheren Tempo und seiner neuen Rolle auf dem rechten Flügel, ist er inzwischen mit drei Saisontoren der beste Torschütze des HSV. Besonders im letzten Heimspiel gegen Mainz stellte sich seine hohe Geschwindigkeit als großer Vorteil heraus.
Der von Stade Rennes ausgeliehene Warmed Omari war zu Beginn der Saison als stabilster Innenverteidiger bekannt, erlitt jedoch eine schwere Verletzung, die ihn bis Ende 2025 außer Gefecht setzen wird. Trainer Merlin Polzin reagierte überraschend auf seinen Ausfall, indem er Nicolás Capaldo, der eigentlich als zentraler Mittelfeldspieler verpflichtet wurde, in die Abwehr versetzte.
Capaldo, der zum dritten Kapitän gewählt wurde und den HSV am ersten Spieltag aufs Feld führte, zeigte, dass er eine Verstärkung sein kann. Er harmonierte jedoch nur bedingt mit Remberg und verlor nach einer schwachen ersten Halbzeit in München seinen Stammplatz. Dennoch könnte seine Flexibilität ihm helfen, sich in einer anderen Rolle in der Startelf zu etablieren.
Giorgi Gocholeishvilli musste ebenfalls seinen Platz in der Anfangsformation räumen, nachdem er gegen St. Pauli die Gelb-Rote Karte sah. Er kehrte jedoch stark zurück und überzeugte als laufstarker rechter Schienenspieler, der offensive Akzente setzen kann, ohne seine defensiven Aufgaben zu vernachlässigen.
Kapitän Yussuf Poulsen hat bislang keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Verletzungsprobleme haben seine Einsatzzeit auf lediglich 50 Minuten reduziert. Dennoch spielt er eine wichtige Rolle im Team. Sportdirektor Costa lobte seine Fähigkeit, die neuen Spieler zu integrieren und die Ideen der Trainer zu vermitteln.
Sportlich gesehen gilt Jordan Torunarigha als der einzige Neuzugang, der dem HSV bislang nicht wirklich weiterhelfen konnte. In den Testspielen zeigte er bereits eine schwache Leistung, die sich in der Pokalblamage gegen Pirmasens fortsetzte. Auch beim Derby gegen St. Pauli war er nicht auf der Höhe. Der ablösefrei von Genk verpflichtete Innenverteidiger, der eine enge Bindung zu Kuntz hat, fehlte gegen Mainz im Kader, obwohl er nach seinen Achillessehnenproblemen wieder einsatzbereit war.
Zusätzlich zu den zehn Feldspielern hat der HSV auch zwei Torhüter verpflichtet. Daniel Peretz wurde als Herausforderer für Daniel Heuer Fernandes vom FC Bayern ausgeliehen, verlor jedoch das Torwartduell und musste alle Pflichtspiele von der Bank aus verfolgen. Dennoch hat er zur starken Leistung seines Konkurrenten beigetragen, da er den Konkurrenzkampf laut Costa "auf ein neues Niveau gehoben" hat.
Peretz selbst denkt darüber nach, die Zusammenarbeit im Winter zu beenden, während Fernando Dickes, der ebenfalls einen Profivertrag erhalten hat, eine positive Entwicklung in der U19 macht, wo er mit seiner Mannschaft sechs Siege aus sechs Spielen feiert.
Obwohl sechs Spieltage eine kleine Stichprobe darstellen, zeigt sich bereits, dass Sportvorstand Kuntz, Sportdirektor Costa und das gesamte Transferteam ein gutes Auge bewiesen haben. Drei Viertel der zwölf Neuzugänge sind entweder Leistungsträger, unangefochtene Stammspieler oder bringen die nötigen Fähigkeiten mit, um dem HSV auf Bundesliga-Niveau zu helfen.
Während bei Poulsen die anfänglichen Zweifel an seiner Fitness bestätigt wurden, stellt Torunarigha die bislang einzige Enttäuschung dar. Dennoch sollte man ihn nicht abschreiben. Auch die Leihe von Peretz scheint sich als Missverständnis zu entwickeln, und ein Abgang im Winter ist vorstellbar. Insgesamt überwiegen jedoch die positiven Entscheidungen bei den Transfers, was beim HSV in den letzten Jahren nicht selbstverständlich war.