Ismael Saibari: Vom medizinischen Zweifel zum WM-Star

Ismael Saibari: Vom medizinischen Zweifel zum WM-Star

Ärzte hatten einst Zweifel, ob Ismael Saibari jemals normal laufen würde. Heute ist der Marokkaner eine der Hoffnungen des FC Bayern München und zählt zu den Stars dieser Weltmeisterschaft.

München – Es gibt Karrieren, die trotz aller Widrigkeiten Erfolg haben, und die von Ismael Saibari ist eine solche. Seine Laufbahn hätte mehrfach enden können, bevor sie richtig begann. Um dorthin zu gelangen, wo er heute ist, musste er zahlreiche Rückschläge überwinden – von medizinischen Diagnosen über Ausgrenzung bis hin zu familiären Entbehrungen. Dass der 25-Jährige als Neuzugang des FC Bayern bei der Weltmeisterschaft glänzt, gleicht einem Fußballmärchen.

Saibari wurde 2001 im spanischen Terrassa geboren und brachte von Anfang an eine schwere Bürde mit sich. Bei seiner Geburt wiesen beide Füße eine ausgeprägte Fehlstellung auf und zeigten stark nach innen. Sein erstes Lebensjahr verbrachte er in orthopädischen Spezialschuhen. Die behandelnden Ärzte gaben seiner Familie damals eine ernüchternde Prognose: Es sei fraglich, ob ihr Sohn jemals normal gehen könne. Von Sport, geschweige denn von Fußball, war keine Rede.

Wenige Jahre später erlebte Saibari einen weiteren Einschnitt. Mit sechs Jahren zwang die Wirtschaftskrise seine Familie zur Auswanderung von Spanien nach Belgien. Dort machte er seine ersten ernsthaften Schritte im Fußball. In Belgien fiel sein Talent auf, und er schaffte den Sprung in die Jugendabteilung des RSC Anderlecht, eines der traditionsreichsten Klubs des Landes.

Doch mit 14 Jahren musste Saibari einen schmerzhaften Rückschlag hinnehmen. Kurz vor Saisonbeginn wurde ihm mitgeteilt, dass der Verein nicht mehr mit ihm plane. Die Begründung lautete: „Sie sagten mir, ich sei zu dick. Das war schmerzhaft“, blickt er heute zurück. Jugendfreunde wie Ibrahim berichteten, wie sehr ihn dieser Einschnitt traf und wie er ihn in Motivation ummünzte.

Seine Eltern gaben ihm den entscheidenden Rückhalt. Sie stellten ihm die einfache Wahl: aufgeben oder noch härter arbeiten. Saibari entschied sich für Letzteres, was sich schließlich auszahlen sollte. Als er mit seinem späteren Klub KRC Genk gegen Anderlecht antrat, gewann er 4:3, erzielte ein Tor und wurde am Ende der Saison Meister. „Das war meine Rache“, sagt Saibari heute.

Mit 19 Jahren wagte er den Schritt zur PSV Eindhoven, wo er sich von der zweiten Mannschaft in den Profikader hocharbeitete. Auch dort verlief seine Entwicklung nicht ohne Brüche: Aufgrund wiederholter Unpünktlichkeit bei Mannschaftsbesprechungen wurde er zeitweise suspendiert und verpasste in der Saison 2024/25 das entscheidende Achtelfinal-Rückspiel gegen Arsenal in der Champions League. Dies war ein Rückschlag, aber auch ein Wendepunkt.

In der vergangenen Saison sorgte Saibari national wie international für Aufsehen und wurde zum besten Spieler der Eredivisie gewählt. Insgesamt erzielte er 19 Tore und gab neun Assists in 37 Pflichtspielen – Zahlen, die in ganz Europa registriert wurden. Der FC Bayern handelte vorausschauend: Bereits nach dem Champions-League-Duell in der Ligaphase, als Saibari gegen die Münchner traf, gab es ein erstes persönliches Gespräch mit Trainer Vincent Kompany.

Der Rekordmeister sicherte sich früh die Zusage des Spielers, bevor seine Leistungen bei der WM seinen Preis in die Höhe trieben. „Solche Transfers entstehen nicht aus dem Moment heraus, sondern aus vorausschauender Arbeit“, erklärte Sportvorstand Max Eberl. Für rund 50 Millionen Euro wechselte Saibari von der PSV an die Säbener Straße und unterschrieb bis 2031. Laut dem kicker soll er beim deutschen Serienmeister nicht nur als Backup für Englands Rekordstürmer Harry Kane dienen, sondern das Offensivspiel grundlegend bereichern.

Die Wahl seiner Rückennummer in München zeugt von Saibaris emotionaler Verbundenheit zu seinem Umfeld, das ebenfalls von tragischen Momenten geprägt ist. Mit der Nummer 34 möchte der Stürmer das Andenken an seinen engen Freund Abdelhak Nouri wahren, der nach einem schweren Schicksalsschlag fast ums Leben kam.

Sportlich bestätigte Saibari seinen aufsteigenden Ruf bei der WM: Mit vier Treffern in fünf Partien, darunter einem entscheidenden Elfmeter im Sechzehntelfinale gegen die Niederlande, zählte er zu den auffälligsten Angreifern des Turniers. Doch dann folgte der Schock: Im Achtelfinale gegen Kanada, das Marokko mit 3:0 gewann, musste er nach 22 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Eine Muskelverletzung im hinteren Oberschenkel drohte sein Turnieraus.

Doch laut Berichten des marokkanischen Portals Almountakhab sind die Nachrichten besser als zunächst befürchtet. Es handelt sich nur um eine leichte Zerrung. Ein zweites MRT soll zudem Entwarnung gegeben haben. Saibari reiste mit dem Team zum Viertelfinale gegen Frankreich, mit dem festen Ziel, auch dort noch einmal eingreifen zu können.

Ein baldiges Comeback würde sowohl bei den Fans von Marokko als auch bei den Anhängern des FC Bayern für Erleichterung sorgen. Beide Gruppen erwarten viel von ihrem neuen Hoffnungsträger und wollen ihn auf dem Platz sehen. Es wäre das nächste Kapitel einer Geschichte, die oft unrealistisch erschien, aber immer wieder fortgesetzt wird.

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