Jens Castrop: Aggressivität und Disziplin im Fokus
Die Aggressivität ist ein markantes Merkmal von Jens Castrop, dem Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach. In der Bundesliga muss er jedoch lernen, diese zu zügeln.
Im Bundesligaspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern, das mit 0:3 endete, erreichte die Partie in der 19. Minute einen emotionalen Höhepunkt. Jens Castrop wurde nach einem harten Einsteigen gegen Luis Diaz zunächst mit Gelb verwarnt. Nach einem Hinweis des Video-Assistenten entschied Schiedsrichter Sascha Stegemann jedoch auf Rot.
Mit gestrecktem Bein und offener Sohle traf Castrop das Schienbein seines Gegenspielers und kassierte damit in seinem siebten Bundesligaspiel die erste rote Karte. Bereits beim 1:3 gegen Union Berlin hatte Castrop mit seiner Spielweise gewackelt, als er mehrere Duelle mit Christopher Trimmel führte und ebenfalls eine Gelbe Karte erhielt.
In der 2. Bundesliga hatte Castrop sich ungewollt ein „Rüpel-Image“ erarbeitet. „Vor dem Spiel kamen die Schiedsrichter manchmal zu mir und sagten: ‚Jens, heute aber mal einen ruhigen Kopf‘“, erinnerte sich der 22-Jährige während eines Mediengesprächs im Gladbacher Trainingslager. In 86 Zweitliga-Partien für den 1. FC Nürnberg erhielt er 25 Gelbe Karten, einmal Gelb-Rot und zweimal glatt Rot.
„Ich habe meinen Stil nicht geändert“, betonte Castrop. „Ich weiß, wann und wie ich in die Zweikämpfe gehen muss, und wann ich mir auch mal eine Gelbe Karte holen kann.“ Vom Gas zu gehen, würde seinem Spielstil nicht guttun, so der südkoreanische Nationalspieler.
Das harte Einsteigen gegen Luis Diaz hat jedoch gezeigt, dass es Situationen gibt, in denen Castrop etwas zurückhaltender sein muss. Es ist ein Balanceakt, denn Gladbach benötigt seine Aggressivität in den Zweikämpfen, doch der Sommerneuzugang darf die Grenzen des Erlaubten nicht überschreiten.
Trainer Eugen Polanski verzichtete auf einen öffentlichen Tadel. Man dürfe Castrop keine Absicht unterstellen, da sein Gegenspieler unverletzt blieb. „Ich habe vor allem auf den Außenbahnen aktive Zweikämpfe gefordert, das hat er etwas falsch interpretiert. Es war ein Fehler von Jens, aber er wollte aktiv zum Ball. So darf er nicht reingehen, daher war die Entscheidung berechtigt“, erklärte Polanski.
Mit einem Mann weniger fiel es Gladbach natürlich schwerer, das Tor gegen Bayern zu verteidigen. Dennoch lieferte die Unterzahl wertvolle Erkenntnisse über die Mentalität der Mannschaft. „Wir haben es lange gut gemacht“, stellte Yannik Engelhardt fest. „Mit einem Mann weniger steht man tief und wirft sich in jeden Ball. Das macht es auch für Bayern schwierig.“
Philipp Sander, der sich häufig in die Abwehrkette zurückfallen ließ, ergänzte: „Ich glaube, in der ersten Halbzeit haben wir wirklich gut verteidigt. So lange in Unterzahl zu spielen und die Null zu halten, ist nicht selbstverständlich. Das können wir von uns verlangen und das können die Fans erwarten.“
Dennoch ist Gladbach dringend auf Siege angewiesen. Castrop wird vorerst fehlen, ein Spieler, der Tempo und Agilität ins Spiel bringt und zudem auf vielen Positionen aushelfen kann. Gegen Union spielte er auf dem linken Flügel, gegen Bayern agierte er als Rechtsverteidiger. Nun gilt es, die Aufgaben auf andere Schultern zu verteilen, bis Castrop wieder spielberechtigt ist.