Jens Castrop: Aggressivität und ihre Grenzen im Bundesliga-Spiel
Die Aggressivität ist ein markantes Merkmal von Jens Castrop, dem Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach. In der Bundesliga muss er jedoch lernen, sich zurückzuhalten.
Im Bundesligaspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern, das mit 0:3 endete, erreichte die Partie in der 19. Minute einen emotionalen Höhepunkt. Jens Castrop wurde nach einem harten Foul an Luis Diaz zunächst mit Gelb verwarnt, doch nach einer Intervention des Video-Assistenten entschied Schiedsrichter Sascha Stegemann auf Rot.
Mit gestrecktem Bein und offener Sohle traf Castrop das Schienbein seines Gegenspielers und erhielt damit in seinem siebten Bundesliga-Spiel die erste rote Karte. Bereits im vorherigen Spiel gegen Union Berlin hatte er mehrfach mit dem Feuer gespielt und eine Gelbe Karte kassiert.
In der 2. Bundesliga hatte Castrop sich unfreiwillig einen Ruf als „Rüpel“ erarbeitet. „Vor dem Spiel kamen die Schiedsrichter manchmal zu mir und sagten: ‚Jens, heute aber mal ‚nen Ruhigen‘“, erinnerte sich der 22-Jährige während eines Mediengesprächs im Gladbacher Trainingslager. In 86 Zweitliga-Partien für den 1. FC Nürnberg erhielt er 25 Gelbe Karten, eine Gelb-Rote und zwei Rote Karten.
„Meinen Stil habe ich nicht geändert“, betonte Castrop und fügte hinzu: „Ich weiß, wann und wie ich in die Zweikämpfe gehen muss und wann ich mir eine Gelbe Karte einholen kann.“ Von einem Rückgang seines aggressiven Stils hält er nicht viel, da es seinem Spiel nicht zugutekommen würde, so der südkoreanische Nationalspieler.
Das Foul an Luis Diaz hat jedoch verdeutlicht, dass es Situationen gibt, in denen Castrop seine Aggressivität zügeln muss. Es ist ein Balanceakt, denn Gladbach benötigt seine Durchsetzungskraft in den Zweikämpfen, doch der Neuzugang darf die Grenzen des Erlaubten nicht überschreiten.
Eugen Polanski verzichtete auf eine öffentliche Rüge. Er stellte klar, dass man Castrop keine Absicht unterstellen dürfe und sein Gegenspieler unverletzt geblieben sei. „Ich habe vor allem auf den Außenbahnen aktive Zweikämpfe gefordert, das hat er ein wenig falsch verstanden. Es war ein Fehler von Jens, aber er wollte aktiv zum Ball. So darf er nicht reingehen, daher war die Entscheidung berechtigt“, erklärte Polanski.
Mit nur zehn Spielern fiel es Mönchengladbach schwerer, das Tor gegen den FC Bayern zu verteidigen. Dennoch lieferte die Unterzahl wertvolle Erkenntnisse über die Mentalität der Mannschaft. „Wir haben es lange gut gemacht“, sagte Yannik Engelhardt: „Wenn man ein Mann weniger ist, steht man tief und wirft sich in jeden Ball. Das macht es auch für Bayern schwer.“
Philipp Sander, der häufig in die Abwehrkette zurückfiel, bestätigte: „Ich glaube, in der ersten Halbzeit haben wir wirklich gut verteidigt. So lange in Unterzahl zu spielen und die Null zu halten, ist nicht selbstverständlich. Das können wir von uns verlangen und das können die Fans verlangen.“
Dennoch ist Borussia Mönchengladbach dringend auf Siege angewiesen. Castrop wird vorerst fehlen, ein Spieler, der Tempo und Agilität ins Spiel bringt und auf mehreren Positionen aushelfen kann. Gegen Union spielte er auf dem linken Flügel, gegen Bayern agierte er als Rechtsverteidiger. Nun gilt es, die Aufgaben auf andere Schultern zu verteilen, bis Castrop wieder spielberechtigt ist.