Joshua Kimmich: Vom Spieler zum Kapitän der deutschen Nationalmannschaft
Joshua Kimmich hat unter der Leitung von Vincent Kompany einen bemerkenswerten Wandel durchlebt. Anstatt zu Paris zu wechseln, hat er sich beim FC Bayern München zu einem idealen Kapitän entwickelt.
Winston-Salem – Beim ersten Training am Ort, an dem die WM-Magie für die deutsche Nationalmannschaft entstehen soll, fokussierte sich Julian Nagelsmann auf das Wesentliche. Während die Einheit auf dem Platz wichtig war, folgte ein bedeutendes Gespräch. Der Bundestrainer führte sechs Tage vor dem ersten WM-Spiel des DFB-Teams gegen Curacao (Sonntag, 19 Uhr MESZ) ein zehnminütiges Gespräch mit seinem Kapitän. Hier finden Sie den kompletten Spielplan.
Nagelsmann und Kimmich allein auf dem Platz – ein Bild, das die Frage aufwirft: Wie führt man ein Team, das nicht als Favorit gilt, zum WM-Titel? Für Kimmich ist dieses Turnier in den USA, Kanada und Mexiko das erste als Kapitän. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein, denn als Spieler und Führungspersönlichkeit fühlt sich der 31-Jährige so reif wie nie zuvor.
„Die letzten beiden Jahre waren wirklich herausfordernd“, äußert Kimmich zu Beginn der Dokumentation „Kapitän Kimmich“, die seit Dienstag in der ZDF-Mediathek verfügbar ist und am 20. Juni im Fernsehen ausgestrahlt wird. Damit spielt er auf die sportlich weniger erfolgreichen Phasen in München und seine konkreten Wechselgedanken, insbesondere die Avancen aus Paris, an. Die Ernennung von Vincent Kompany als Trainer des FC Bayern hat für ihn alles verändert.
Im Sommer 2024 war Kimmich „zu 95 Prozent“ schon weg, im darauffolgenden Winter intensivierte PSG seine Bemühungen und machte ihm ein Angebot, das Kimmich als „sehr, sehr krass“ bezeichnete. Doch da Kompany innerhalb eines Dreivierteljahres in München „so viel bewirkt“ hatte, entschloss sich Kimmich zu bleiben und reifte weiter. Heute zeigt er auf dem Feld und daneben eine andere Seite als der Spieler, den der Bayern-Coach vor zwei Jahren näher kennengelernt hat.
Kompany bemerkt: „Seine Führungsfähigkeiten haben sich enorm gesteigert.“ Kimmich war schon immer ehrgeizig und hungrig; im Falle einer Niederlage möchte selbst seine Frau Lina (der heimliche Star der Doku!) „lieber mit jemand anderem aus der Allianz Arena nach Hause fahren“. Doch Wut und Enttäuschung sind „nicht immer die richtigen Emotionen, die die Mannschaft braucht“, erklärt Kompany. Das richtige Timing und die besten Momente – „diese Schritte hat er gemacht.“
Kimmich ist nach wie vor laut, jedoch mit Bedacht. Er spricht eine „Sprache mit Kompany“, sagt der Coach, der ihn in der Kabine auch gerne mal „hart anpackt“. Diese Reaktion macht nicht nur ihn, sondern auch „die anderen stärker“. Über Kompany sagt Kimmich: „Ich habe noch nie so viel Vertrauen gespürt wie jetzt.“
Die Bezeichnung von Max Eberl als „Korsettstange“ kommt nicht von ungefähr. Obwohl der Sportvorstand des FC Bayern intensive Gespräche mit ihm führen musste (zwischendurch hieß es: „Wenn du gehen möchtest, bist du zum Verkauf, das ist möglich.“), ist man heute froh, dass Kimmich bis 2029 gebunden werden konnte.
In München wird Kimmich Kapitän werden, wenn Manuel Neuer „in Rente“ geht. Im DFB-Team beginnt nun die ultimative Reifeprüfung. Sein Ziel hat er in der Doku klar formuliert. Nagelsmann kennt es aus erster Hand – aber noch einmal für die gesamte Nation: „Ich will auf jeden Fall Weltmeister werden.“