Karim Adeyemi und die Emotionen nach der Auswechslung beim BVB-Sieg
Karim Adeyemi sorgte nach seiner Auswechslung beim BVB-Sieg gegen den 1. FC Köln für Aufsehen. Trainer Niko Kovač reagierte zunächst deutlich, dann jedoch philosophisch auf die Situation.
Im Bundesliga-Spiel am Samstagabend, das der BVB gegen Köln bestritt, wurde in der 79. Minute die Auswechseltafel hochgehalten, und die Nummer 27 leuchtete auf. Adeyemi, der in der insgesamt schwachen zweiten Halbzeit aktiv war, musste für Fábio Silva Platz machen. Der Nationalspieler zeigte sich über die Entscheidung verärgert.
Ob sein Ärger über die Auswechslung, seine eigene Leistung oder die drohende Punkteteilung beim Stand von 0:0 galt, lässt sich von außen schwer beurteilen. Adeyemi dokumentierte seinen Unmut jedoch mit einem Wurf einer Flasche in Richtung der Ersatzbank. Diese Szene hätte möglicherweise für Schlagzeilen gesorgt, wäre nicht in der 96. Minute Maximilian Beier für den BVB zur Stelle gewesen und hätte das entscheidende Tor erzielt.
Die Ironie, dass ein Jokertor Dortmund die späten drei Punkte sicherte, war Kovač nicht entgangen. Er äußerte sich bei Sky: „Das finde ich unnötig“, konnte aber grundsätzlich nachvollziehen, dass Emotionen bei Auswechslungen hochkochen. Die Profis stehen unter Adrenalin und sind ehrgeizig.
Kovač ging mit der Situation fast väterlich um: „Du kannst enttäuscht und sauer sein. Aber wenn du 90 Minuten auf dem Platz stehst, wird dein Freund, dein Kollege, in diesem Fall vielleicht Maximilian Beier, nicht spielen. Wenn du das mit ihm klären kannst, dann spielst du das nächste Mal 90 Minuten“, erklärte der Cheftrainer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.
„Dann muss nicht Maximilian zu mir kommen, sondern zu dir. So habe ich ihnen den Ball zugespielt. Sie können mir nicht an den Karren fahren, sondern sollen das untereinander klären“, schmunzelte Kovač über seine Wortneuschöpfung. Erst am Freitag hatte er die Gruppendynamik beim BVB in einem Interview mit Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, gelobt.
Nach dem Sieg über Köln sprach auch Sebastian Kehl das Thema an. „Jeder muss verstehen, dass er ein Teil des Teams ist und begreifen, dass wir nur erfolgreich sind, wenn wir alle an einem Strang ziehen.“ Die Teamchemie sei hart erarbeitet: „Durch intensives Training und eine klare Idee sowie Strategie. Wenn jeder seine Rolle annimmt, werden wir am Ende auch erfolgreich sein“, so der Sportdirektor in der Mixed Zone.
Der Erfolg von Kovačs Ansatz zeigte sich in der Schlussszene: Als Beier traf, stürmte nahezu der gesamte BVB-Kader auf den Angreifer zu. Auch die Ersatzbank eilte auf das Spielfeld. Mittendrin in der Jubeltraube war Karim Adeyemi, der seinen Ärger bereits verarbeitet hatte und sich mit seinen Kollegen freuen konnte.