Kaua Santos: Ein Jahr voller Herausforderungen und Chancen
Kaua Santos hat in den letzten zwölf Monaten viel durchgemacht. Wird der Torhüter von Eintracht Frankfurt gestärkt aus diesen Erfahrungen hervorgehen?
Frankfurt – Obwohl kein Fußballer Mitleid erbitten möchte, gibt es im Profisport gelegentlich Momente, die einen menschlich berühren. Eintracht Frankfurt trainierte am Vormittag, um sich auf das bevorstehende Duell gegen den 1. FC Heidenheim (1:0) vorzubereiten. Während die Feldspieler im Schatten der Arena auf dem großen Feld übten, trainierten die Torhüter Michael Zetterer, Jens Grahl und Amir Siljevic auf einem Nebenplatz.
Später gesellte sich Kaua Santos dazu. Der Brasilianer war vollständig ausgestattet, trug jedoch auch eine Schiene am verletzten rechten Knie. Am 1. März musste er im Spiel gegen den SC Freiburg (2:0) bereits nach wenigen Sekunden in höchster Not retten, als Igor Matanovic ihn in einer kritischen Situation traf. Santos blieb unglücklich hängen und zog sich eine Außenbandverletzung am rechten Knie zu – ein bitterer Rückschlag.
Obwohl er derzeit nicht aktiv am Spiel teilnehmen kann, möchte er eng mit dem Team verbunden bleiben. Er stellte sich einen sogenannten „Rebounder“ auf und warf den Ball dagegen. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortete er mit einem kurzen Lächeln: „Gut!“ Dann drehte er sich um und beobachtete das Training seines Teams. Santos muss erneut Geduld aufbringen.
Die letzten zwölf Monate wird der 22-Jährige so schnell nicht vergessen. Der 17. April 2025 veränderte sein Leben. Santos war einer der aufstrebenden Stars bei Eintracht und hatte im Wettkampf mit der Legende Kevin Trapp plötzlich die Nase vorn. Er begeisterte die Fans mit spektakulären Paraden, und seine Fehler wurden ihm verziehen, da sein Potenzial grenzenlos schien.
Doch dann geschah das Unglück: Ein hoher Ball flog in den Strafraum der Hessen. Santos stürzte in der 43. Minute aus seinem Tor und rammte James Maddison. Dieser entscheidende Moment führte zu einem Elfmeter für die Spurs, der zum entscheidenden Treffer und damit zum Ausscheiden aus der Europa League führte. Zudem verletzte sich Santos schwer am rechten hinteren Kreuzband.
In enger Absprache mit seinem Umfeld entschied er sich für eine konservative Behandlungsmethode. In der Sommerpause gab es im Tor von Eintracht Frankfurt große Veränderungen. Trapp verließ den Klub in Richtung Paris, und Zetterer kam als neue Nummer zwei von Werder Bremen. Die Rollen schienen klar verteilt.
Im Trainingslager in den USA erlebte Santos jedoch einen ersten Schreckmoment. „Kaua Santos verspürte während einer Trainingseinheit in Louisville eine Reaktion auf seine Knieverletzung aus April. Aus medizinischer Vorsicht kehrte der 22-Jährige vorzeitig nach Frankfurt zurück, wo er individuell trainiert und medizinisch betreut wird“, teilte der Klub am 31. Juli mit.
Obwohl schnell Entwarnung gegeben wurde, blieben die Sorgen um die Gesundheit des Torwarts bestehen. Dennoch kehrte Santos am 21. September nach nur fünf Monaten Pause ins Tor der Hessen zurück. Was folgte, war jedoch eine schwierige Phase für das Team. Die Eintracht geriet in eine Krise, und Santos wurde scharf kritisiert.
Nach 18 Gegentoren in fünf Spielen entschied man sich, vorerst wieder auf Zetterer zu setzen. War das Comeback zu früh? Torwarttrainer Jan Zimmermann erklärte im Januar: „Wir sind mit Kaua als Nummer eins in die Saison gestartet und wollten unsere Entscheidung umsetzen. Er war fit und hatte lange genug trainiert. Daher haben wir ihn ins Tor gestellt.“
Er gab zu: „Im Nachhinein ist man immer schlauer. Vielleicht hätte Kaua eine längere Eingewöhnungszeit benötigt.“ Santos lernte die Schattenseiten des Fußballs kennen. Der Druck auf ihn stieg, und die Kritik wurde härter. Aus dem Herausforderer wurde der Hauptverantwortliche – eine Rolle, die mit mehr Aufmerksamkeit und Verantwortung verbunden ist.
Es ist normal, dass junge Torhüter Fehler machen. Diese Prozesse können schmerzhaft sein. Zudem ist es nie einfach, in die Fußstapfen einer Vereinslegende zu treten. Trapp war zehn Jahre lang das Gesicht des Klubs und Kapitän. Daher wurden in der schwierigen Phase schnell Rufe nach ihm laut.
Dennoch nahm Santos die Herausforderung an. Er arbeitete hart an seiner Form und stand nach einer kurzen Pause im neuen Jahr wieder im Tor. Die Spielpraxis tat ihm gut. Santos absolvierte zehn Pflichtspiele am Stück und stabilisierte sich, obwohl er in Stuttgart (2:3) einen groben Patzer hatte und bei einigen Gegentoren nicht optimal aussah.
Insbesondere nach dem Trainerwechsel von Dino Toppmöller zu Albert Riera wurde Santos' Position gestärkt. „Zuerst: Er ist mutig. Er ist zwei Meter groß, kommt heraus und ist schnell. Er hat alles“, sagte der neue Trainer. Daher wird es auch in Zukunft keinen Weg an ihm vorbeiführen, solange er fit bleibt. Der gesamte Klub vertraut darauf, dass er den nächsten Entwicklungsschritt machen kann.
Jetzt gilt es für ihn, wieder vollständig fit zu werden. Santos arbeitet nahezu rund um die Uhr mit einem Physiotherapeuten. Ein weiteres MRT ergab laut Informationen von Absolut Eintracht positive Ergebnisse. Das sind ermutigende Nachrichten für einen Profi, der in jungen Jahren viel bei einem traditionsreichen Verein erlebt hat. Ob es zu einem weiteren Torhüterwechsel kommt oder er frühzeitig in die Sommerpause geht, bleibt abzuwarten.
Der Blick richtet sich bereits nach vorn. Wird Kaua Santos gestärkt aus den vergangenen zwölf Monaten hervorgehen? Diese Erfahrungen werden den Verlauf seiner Karriere maßgeblich beeinflussen. Santos hat enorm an sich und seiner Einstellung gearbeitet. Um sich als starke Nummer eins in der Liga zu etablieren, benötigt er weiterhin das Vertrauen von Trainer und Mannschaft.