Kaua Santos und die Herausforderungen einer schwierigen Saison
Kaua Santos durchlebt eine herausfordernde Saison 2025/26, die von intensiven Debatten über seine Leistungen als Torhüter von Eintracht Frankfurt geprägt ist.
Frankfurt – In der Bundesliga ist es selten, dass ein Torhüter bei einem Elfmeter derart in der Kritik steht. Santos erlebte dieses Szenario im Spiel zwischen Union Berlin und Eintracht Frankfurt (1:1), als ihm der Ball bei einem Strafstoß unter dem Körper hindurchrutschte. Bei der anschließenden Pressekonferenz wurde er gefragt, warum er diesen Elfmeter nicht parieren konnte.
Trainer Albert Riera reagierte humorvoll auf die Frage und sagte: „Das ist keine Frage für mich, das müssen Sie ihn fragen. Ich möchte jedoch nicht über Einzelaktionen sprechen, das hat das Team nicht verdient.“ Diese Antwort schien den Spanier jedoch unvorbereitet zu treffen. Sportvorstand Markus Krösche erklärte: „Wenn der Schütze den Ball richtig trifft, dann hält ihn Santos. Er hat ihn aber nicht richtig getroffen, was für den Torhüter unglücklich war.“
Die Diskussion über einen vermeintlichen Torwartfehler wird zunehmend unfair. Santos hat in der laufenden Saison bereits 39 Gegentore in 13 Pflichtspielen kassiert, was einem Durchschnitt von drei Toren pro Spiel entspricht. Zudem scheint der junge Torhüter, wie sein folgenschwerer Fehlpass in der 90. Minute gegen Union zeigt, leicht aus dem Konzept gebracht zu werden.
Diese Szene wurde ihm am folgenden Tag von Torwarttrainer Jan Zimmermann vorgehalten, der laut Informationen von Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, intern deutliche Kritik äußerte. Ohne die Rettungsaktion von Mahmoud Dahoud hätte die Eintracht wahrscheinlich einen wichtigen Punkt verloren, was das Vertrauen in Santos weiter erschüttert.
In Teilen des Umfelds wird die Kritik jedoch über das gesunde Maß hinausgehend. Santos hat in Spielen gegen Gladbach (4:6), Freiburg (2:2) und Stuttgart (2:3) entscheidende Fehler gemacht. Auch in der Spielaufbauphase sucht der Brasilianer noch das richtige Gleichgewicht zwischen Sicherheits- und Risikopässen. Diese Aspekte werden sich mit mehr Spielpraxis verbessern. Ihm jetzt schon die Bundesligatauglichkeit abzusprechen, erscheint voreilig.
Es ist wichtig zu beachten, dass Santos im April eine schwere Knieverletzung erlitt und erst im September wieder ins Tor gestellt wurde. Es wäre besser gewesen, wenn das erste Halbjahr von Michael Zetterer bestritten worden wäre, um Santos die nötige Zeit zur Genesung zu geben. Der Eindruck, dass er lediglich „ins Schaufenster“ gestellt werden sollte, verstärkte sich dadurch.
Sein Interview im vergangenen Sommer, in dem er erklärte, der „beste Torhüter der Welt“ werden zu wollen, kam möglicherweise zu früh nach nur 14 Profieinsätzen. Es scheint, als hätten Santos, sein Umfeld und das Trainerteam um Dino Toppmöller zu schnell zu viel gewollt, was ihn in die derzeitige Drucksituation brachte.
Die Eintracht hat sich jedoch in ihrem Podcast „Aufstehen mit der Eintracht“ hinter Santos gestellt. Vereinsreporter Lars Weingärtner äußerte: „Ich bin sauer, weil ich sagen muss, dass die Kommentare zu unserem Stammkeeper Kaua Santos mittlerweile unter aller Kanone sind.“ Diese Unterstützung könnte dem Torhüter helfen.
Auch intern gibt es Rückhalt. Vor dem Spiel in Berlin fand ein Gespräch mit den Führungsspielern Robin Koch, Rasmus Kristensen und Arthur Theate statt. Diese erfahrenen Spieler haben sich verpflichtet, Santos zu unterstützen, da allen bewusst ist, dass die Krise nur gemeinsam bewältigt werden kann.
Die Eintracht hat sich im Tor nicht für den einfachsten Weg entschieden. Der Abgang von Klublegende Kevin Trapp hat sowohl auf dem Spielfeld als auch in der Kabine eine Lücke hinterlassen. Viele vergessen, dass Trapp trotz des Einzugs in die Champions League sportlich nicht unumstritten war. Er erhielt ein attraktives Angebot aus Paris und nutzte den optimalen Zeitpunkt für seinen Wechsel nach insgesamt zehn Jahren.
Da Santos jedoch bereits Potenzial gezeigt hat und der Eintracht in der Vergangenheit Punkte sicherte (in Istanbul, gegen den FC Bayern, in Bochum), wurde bewusst die Entscheidung getroffen, ihn zur Nummer eins zu machen. Wer einen jungen Torhüter in diese Position befördert, weiß in der Regel, was das bedeutet. Der FC Schalke 04 hatte einst auch den „Flutschfinger Manuel Neuer“, wie es Bild 2007 titelte, und Noah Atubolu beim SC Freiburg in der Saison 2023/24 ist ein aktuelles Beispiel.
Gerade wenn ein großer Torhüter die Bühne verlässt, hat es der Nachfolger besonders schwer, da er oft an der Form des Vorgängers gemessen wird. Wie sich die Situation bei Riera entwickelt, ist noch nicht abzusehen. Bis zum Sommer sollte jedoch Klarheit auf der Torhüterposition herrschen, und alle Karten sollten offen auf den Tisch gelegt werden.
Es ist jedoch zu einfach, die gesamte Verantwortung nur auf die Torhüterfrage zu schieben. Vor allem die Führungsspieler konnten ihre Topform zu selten abrufen. Ob Koch, Theate, Kristensen, Ellyes Skhiri oder Mario Götze – sie alle erreichten nicht mehr das Niveau der vergangenen Saison, was beiden Torhütern schadete. Das gehört zur Wahrheit der Eintracht dazu.
Santos sollte sich jedoch nicht hinter diesen Umständen verstecken. Was ihm in dieser Phase hilft, sind gute und konstante Leistungen. Sein Auftritt in Berlin war lange Zeit ein Fortschritt. Er ist jung, entwicklungsfähig und hat bereits seine Qualitäten gezeigt. Vor allem seine offensive und risikofreudige Spielweise beim Herauslaufen wird geschätzt. Sollte er die richtigen Lehren aus dieser schwierigen Zeit ziehen und gestärkt daraus hervorgehen, könnte dies die Grundlage für eine erfolgreiche Karriere bilden.
Allerdings muss Santos schnell lernen, die Konzentration hochzuhalten. Gelingt ihm dies, kann er bis zum Abpfiff Sicherheit ausstrahlen. Sein Potenzial zeigte er am 19. Spieltag mit zwei starken Paraden gegen die TSG Hoffenheim (1:3). Daran sollte er anknüpfen, um die Kritiker zum Schweigen zu bringen.