Kirill Serdyuk: Ein aufstrebendes Talent des VfB Stuttgart
Der VfB Stuttgart hat zahlreiche vielversprechende Talente in seinen Reihen, darunter einen besonders aufstrebenden Stürmer aus der Ukraine.
Stuttgart – Freitag, der 13. gilt für viele als Unglückstag, doch für Kirill Serdyuk war dieser Tag vor etwa zwei Wochen ein voller Erfolg. In einem Stadtderby der U17 des VfB Stuttgart gegen die Stuttgarter Kickers erzielte der 17-Jährige beim 4:0-Sieg zwei Tore.
Serdyuk zeigte einmal mehr seine Entschlossenheit und seinen klaren Fokus. Er hat in dieser Saison bereits zehn Tore erzielt. Seine Leistungen erinnern an die von Nick Woltemade. Am darauf folgenden Samstagmorgen hieß es für ihn: früh aufstehen, Koffer packen und von Stuttgart über Zürich nach Rom fliegen. Die ukrainische U-18-Nationalmannschaft hatte ihn berufen – ein Anlass, auf den er mit Stolz reagierte.
Die Kombination aus Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft zeichnet den jungen Stürmer aus. Wer seine Geschichte kennt – die 36 Tage im Keller von Mariupol, die Flucht nach Deutschland und die Zwischenstationen in hessischen Kleinstädten, bis der VfB Stuttgart ihn entdeckte – versteht, dass er sich von Widrigkeiten nicht entmutigen lässt. Seine Rückkehr nach Italien war kein Zufall und sollte sich als bedeutend herausstellen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Serdyuk mit der ukrainischen U17 in der WM-Qualifikation gegen Italien gespielt, wo die Ukraine knapp ausschied. Nun war er eine Altersklasse höher zurückgekehrt und erzielte direkt beim Startelf-Debüt in der U18 das entscheidende Siegtor.
„Das Ausscheiden in der U17-WM-Qualifikation gegen Italien war damals sehr schmerzhaft. Vielleicht war das Tor jetzt ein kleiner persönlicher Moment der Wiedergutmachung“, sagte Serdyuk in einem exklusiven Interview mit Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports. In seinen Worten spiegelt sich keine Überheblichkeit, sondern eine reife, stille Form der Genugtuung wider.
Beobachter berichteten von seiner Ruhe und Konzentration während des Spiels. Serdyuk möchte einfach nur Fußball spielen und sich darauf konzentrieren. „Ich habe mich riesig gefreut, zur U18 eingeladen zu werden. Eigentlich wäre ich noch bei den Jüngeren spielberechtigt gewesen, deshalb war es für mich eine besondere Wertschätzung – aber auch ein Ansporn, weiter hart zu arbeiten“, erklärte er.
Ein Höhepunkt während seines Aufenthalts in Rom war der Besuch von Artem Dovbyk, dem Stürmer der AS Roma. Der ukrainische Nationalspieler sprach offen über seinen Werdegang und diskutierte wichtige Themen auf dem Weg zum Profifußball. Für Serdyuk war das mehr als nur eine nette Geste.
„Der Besuch von Artem Dovbyk war für mich als Stürmer natürlich etwas Besonderes. Er hat uns gezeigt, dass der Weg nach oben viel mit Geduld und täglicher Arbeit zu tun hat“, sagte Serdyuk. Diese Botschaft findet bei ihm Gehör. Er kennt Umwege und Rückschläge und weiß, wie man trotzdem weitermacht.
Die Organisation rund um die Nationalmannschaft war ebenfalls bemerkenswert. Die Zusammenarbeit zwischen dem VfB Stuttgart und der ukrainischen Nationalmannschaft verlief reibungslos. Beide Trainerteams arbeiten auf hohem Niveau, was sich in der Belastungssteuerung und im täglichen Umgang mit den Spielern widerspiegelt.
Besonders in Erinnerung bleibt eine Szene vor dem ersten Spiel: Der Trainer hatte das Gefühl, dass die Nationalhymne nicht mit voller Inbrunst gesungen wurde. Am Abend im Hotel wurde erneut gemeinsam gesungen. In Zeiten wie diesen – mit einem Krieg, der die Heimat dieser Jungs weiterhin erschüttert – hat dieser Moment eine tiefere Bedeutung, die kaum in Worte zu fassen ist.
Die Heimreise hatte ebenfalls ihre Herausforderungen. Ein Schneesturm in München sorgte für eine Flugverspätung, sodass Serdyuk über Hamburg ausweichen musste, bevor er nach Stuttgart zurückkehrte. Auch diese zusätzlichen Strapazen konnten ihn nicht aufhalten. Der Fokus lag bereits auf dem nächsten Schritt: Am Sonntag stand das nächste U17-Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach an, in dem er als Einwechselspieler 29 Minuten zum Einsatz kam (2:2).
Das ist das Motto von Serdyuk: Es gibt immer ein nächstes Spiel, einen nächsten Schritt, einen nächsten Traum, dem es nachzujagen gilt. Auch wenn mehrere italienische Vereine seit der U17-Qualifikation Interesse an ihm zeigen und Anfragen eingegangen sind, bleibt er fokussiert: „Ich konzentriere mich auf mein Training und meine Spiele. Alles andere kommt, wenn man konstant Leistung bringt.“
Ein Neunjähriger, der in Mariupol sein erstes Doppelpack erzielte und wusste, dass Fußball sein Leben ist. Ein Teenager, der 36 Tage im Keller überlebte und sich seinen Traum nicht nehmen ließ. Und nun ein 16-Jähriger, der in Rom das Siegtor für seine Nationalmannschaft erzielt und bereits wieder an das nächste Spiel denkt. Kirills Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.