Kritik an Thomas Tuchel nach Englands WM-Aus
Nach dem WM-Aus Englands wird Trainer Thomas Tuchel heftig kritisiert. Diese Vorwürfe sind jedoch unbegründet, meint Manu Thiele in der Diskussion bei „Die WM-WG“. Valentina Maceri widerspricht ihm entschieden.
München – Der Begriff „vercoacht“ ist seit der Niederlage Englands gegen Argentinien im WM-Halbfinale häufig zu hören. Die englische Presse wirft Tuchel vor, mit seinem defensiven Spielansatz das Team in eine kritische Lage gebracht zu haben, die Argentinien ausnutzte. Diese Sichtweise wies Sportjournalist Manu Thiele am Freitag in der Sendung „Die WM-WG“ von Absolut Fussball powered by IPPEN.MEDIA zurück.
„Ich würde Tuchel größtenteils aus der Schusslinie nehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Trainer sagt: Nach dem 1:0 sollt ihr bitte aufhören, Fußball zu spielen und nur noch zwölf Prozent Ballbesitz haben“, verteidigte Thiele den Trainer der Three Lions. „Natürlich hat er einen defensiven Fokus, das hat er auch früher bei Bayern praktiziert. Aber dass er es so extrem defensiv wollte, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“
Mit dieser Meinung steht Thiele in den Tagen nach dem Spiel eher allein da. Die Mehrheit der Experten kritisiert Tuchels Entscheidungen im Spiel scharf. Dazu zählt auch Valentina Maceri, die am Freitag ebenfalls in der „WM-WG“ zu Gast war und sofort mit ihrer Gegenrede begann. Besonders die Wechsel von Tuchel missfallen ihr.
„Wechsel werden vorgenommen, um entweder den Spielrhythmus zu verändern, das Spiel zu beeinflussen oder Spieler auszutauschen, die nicht in Form sind. Das war in diesem Fall nicht gegeben“, erklärte Maceri und fügte hinzu: „Warum nimmst du also diese Wechsel zu diesem Zeitpunkt vor, wenn das Spiel gerade so läuft, wie es ist?“
Gegen Ende des Spiels brachte Tuchel zunehmend Defensivspieler, um die 1:0-Führung zu verteidigen. Zunächst kam Innenverteidiger Ezri Konsa für den Torschützen Anthony Gordon. Später wechselte Tuchel mit Dan Burn einen weiteren Innenverteidiger ein, diesmal für Mittelfeldspieler Declan Rice. Dennoch konnte er kein defensives Bollwerk errichten, da Argentinien in der Folge zwei späte Tore erzielte und das Spiel drehte.
Thiele entgegnete, dass die Wechsel erst stattfanden, als England ohnehin kaum noch Ballbesitz hatte: „Das Tor fiel in der 55. Minute. Die ersten Wechsel gab es nach der Trinkpause, also in der 73. oder 74. Minute. Da ist viel Zeit vergangen, in der er nicht gewechselt hat. Und trotzdem haben sie sich zurückgezogen.“
Den Grund für die Niederlage sieht Thiele an anderer Stelle. „Ich glaube, dass es ein Energiethema war. Man muss sich überlegen, welche harten Spiele England hatte“, so Thiele weiter. „Das Spiel gegen Mexiko auf 2000 Metern Höhe, wo sie ständig in Unterzahl waren und kämpfen mussten. Das Spiel gegen Norwegen, das auch lange ging – sie hatten hinten raus keine Energie mehr. Und das ist wahrscheinlich der große Unterschied zu Argentinien, die in diesen entscheidenden Momenten die Extraprozent haben.“