Machtkampf um das Präsidentenamt beim BVB

Machtkampf um das Präsidentenamt beim BVB

Der BVB steht vor einer entscheidenden Herausforderung. Mit der Bewerbung von Hans-Joachim Watzke um das Präsidentenamt droht ein intensiver Machtkampf, kommentiert Reporter Lars Pollmann.

Dortmund – Am Mittwoch gab Hans-Joachim Watzke bekannt, dass er nach 20 Jahren operativer Tätigkeit dem Verein in dieser wichtigen Funktion weiterhin dienen möchte. Das „wichtige Amt“ bezieht sich auf das Präsidentenamt des Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund.

Die Schwarzgelben sehen sich nun einem unerwarteten Machtkampf gegenüber. Die Idee eines fließenden Übergangs wurde durch die Ankündigung von Reinhold Lunow, der ebenfalls kandidiert, zunichtegemacht. Watzke hatte zwar angedeutet, sich noch entscheiden zu müssen, doch in Dortmund glaubte niemand an einen Verzicht des langjährigen Klubchefs zugunsten von Lunow.

Dies deutet auf einen Lagerwahlkampf hin. Watzke wird von den etablierten Kräften des Klubs unterstützt, während Lunow auf die breite Unterstützung der organisierten Fans zählt. Dies zeigt sich auch in den bisherigen öffentlichen Äußerungen, die den Wahlkampf an Intensität gewinnen lassen.

Watzke erklärte am Mittwoch, dass er mit seiner Kandidatur „der Bitte der Gremien des BVB“ gefolgt sei. Dies klingt so, als ob er nicht wirklich kandidieren wollte, sich aber nun breitschlagen ließ. Tatsächlich hatten sich der Wirtschaftsrat und der Ältestenrat des BVB einstimmig hinter Watzke gestellt, wie Winfried Materna, der Vorsitzende des Wirtschaftsrats, gegenüber der WAZ bestätigte.

Lunow gab kürzlich ein seltenes Interview dem Online-Fanmagazin schwatzgelb.de, was nicht ohne Grund geschah. Zu seinem ‚Schattenkabinett‘ gehört Jakob Scholz, der als möglicher Vizepräsident gehandelt wird und als erster Vorsitzender der Fanabteilung des BVB gilt.

Die Fronten sind klar, und mögliche Angriffspunkte für eine negative Wahlkampfkampagne sind ebenfalls vorhanden. Das Lunow-Lager wirft Watzke vor, kein Kandidat für den Gesamtverein zu sein und die Interessen der Fans über Jahre hinweg vernachlässigt zu haben, was besonders im Zusammenhang mit dem Sponsoring durch das Rüstungsunternehmen Rheinmetall zu einem echten Eklat führte.

Das Watzke-Lager hingegen warnt vor einer möglichen Unterwanderung des BVB durch die Ultra-Szene, falls Lunow wiedergewählt werden sollte. Eine entsprechende mediale Kampagne läuft bereits seit Wochen, wobei es naheliegt, aus welchen Gründen sie initiiert wurde, ohne Watzke direkt zu beschuldigen.

Die zentrale Frage bleibt: Wie unschön wird der Wahlkampf? Ein erster negativer Höhepunkt trat bereits ein, als haltlose Vorwürfe gegen Watzke erhoben wurden und ein Compliance-Verfahren eingeleitet wurde. Auch hier ist es offensichtlich, aus welcher Richtung diese Vorwürfe kamen, ohne dass Lunow direkt beschuldigt werden kann.

Der BVB kann es sich nicht leisten, sich in der Öffentlichkeit einem Schmutzkampagne auszusetzen, besonders wenn sich die Fangemeinde auf der einen und die operative Führung auf der anderen Seite gegenüberstehen. Eine vergiftete Stimmung könnte auch schnell Auswirkungen auf die sportlichen Leistungen haben.

Ein gesunder demokratischer Wahlkampf wäre für den BVB wünschenswert und würde eine willkommene Abwechslung von den üblichen Hinterzimmerentscheidungen vieler Klubs bieten. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass der Wahlkampf fair bleibt?

Watzke gilt als haushoher Favorit für das Präsidentenamt. Durch die Umstellung auf eine hybride Veranstaltung werden beim BVB deutlich mehr Teilnehmer erwartet als bei früheren Mitgliederversammlungen. Watzkes hoher Bekanntheitsgrad, der ihn als Retter des Klubs in der Krise zu Beginn des Jahrtausends positioniert, wird eine entscheidende Rolle spielen.

Laut der BVB-Satzung schlägt der Wahlausschuss einen Kandidaten vor, der eine einfache Mehrheit benötigt. Erhält der Vorschlag keine Mehrheit, kann ein neuer Kandidat präsentiert werden. Scheitert auch dieser, wählt die Versammlung ohne Empfehlung, wobei dann die absolute Mehrheit erforderlich ist.

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