Reinhold Lunows Rückzug ebnet Hans-Joachim Watzke den Weg zum BVB-Präsidenten

Reinhold Lunows Rückzug ebnet Hans-Joachim Watzke den Weg zum BVB-Präsidenten

Dortmund – Reinhold Lunow hat am Freitag einen vorzeitigen Schlussstrich unter einen ungewöhnlichen Machtkampf beim BVB gezogen, indem er seine Kandidatur für das Präsidentenamt zurückzog. Diese Entscheidung, die zunächst als noble Geste erscheint, könnte dem amtierenden Präsidenten Hans-Joachim Watzke helfen, eine erhebliche Niederlage zu vermeiden, da Lunow mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der bevorstehenden Mitgliederversammlung im November nicht nominiert worden wäre.

Die Satzung des BVB sieht vor, dass ein Kandidat durch den Wahlausschuss benannt wird, dessen Mitglieder aus dem Ältestenrat und dem Wirtschaftsrat stammen. Beide Gremien haben bereits öffentlich ihre Unterstützung für Watzke signalisiert, sodass Lunows Rückzug den Weg für den langjährigen Klubchef frei macht.

Diese Entwicklungen haben nur wenig mit echter Demokratie zu tun. Lunow selbst vermeidet es, sich als Opfer zu inszenieren. In seiner Erklärung betonte er: „In den vergangenen Wochen habe ich mit meinem Team intensiv daran gearbeitet, die Weiterentwicklung des BVB im Sinne seiner Mitglieder zu sichern.“ Nach „ausführlichen Gesprächen“ mit Watzke habe er die Zusage erhalten, dass seine Anliegen im Falle einer Wahl zum Präsidenten Berücksichtigung finden würden. Trotz dieser noblen Erklärung bleibt jedoch der Eindruck, dass Lunows Amtszeit oft unentschlossen wirkte.

Ein Beispiel dafür ist der umstrittene Sponsoring-Vertrag mit Rheinmetall. Zunächst stimmte Lunow dem Deal zu, wechselte jedoch während einer Mitgliederversammlung in die Kritikerecke. Letztlich wurde der von ihm mitgetragene Vertrag zu einem zentralen Argument gegen Watzke.

Auch bei seiner eigenen Zukunft zeigte Lunow Wankelmut. Ursprünglich hatte er Watzke per Handschlag zugesichert, nach der laufenden Legislaturperiode nicht mehr anzutreten, entschied sich jedoch im Mai, doch erneut zu kandidieren. Diese Kehrtwende führte zu einem Bruch in ihrer langjährigen Freundschaft.

Die lautstarke Minderheit, die Lunow unterstützte, setzte sich hauptsächlich aus der organisierten Fanszene zusammen, konnte jedoch keine tragfähige Führungsmannschaft bilden. Sabine Aldermann, die als Schatzmeisterin kandidieren wollte, zog sich erst vor wenigen Tagen zurück. Das „Team Lunow“ schien zunehmend wie eine „Team Luftnummer“ zu wirken.

Watzke äußerte am Freitag, dass er „großen Respekt vor dieser Entscheidung“ habe. Für ihn bedeutet Lunows Rückzug eine Sorge weniger, aber auch eine neue Verantwortung. Watzke wird künftig an den „Versprechen“ gemessen, die Lunow gemacht hat, darunter die aktive Beteiligung der Mitglieder, die Berücksichtigung von Faninteressen und die strikte Beachtung des BVB-Grundwertekodex.

Der Rückzug von Lunow könnte weiteren Schaden vom BVB abwenden – eine Leistung, die ihm durchaus Anerkennung zollt. Drei Monate vor der Mitgliederversammlung im November ist der Machtkampf beendet, und der Verein kann sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Watzke steht nun jedoch in der Pflicht, sich als Präsident des gesamten Vereins zu verhalten und die entstandenen Gräben zu schließen.

Es ist klar, dass die Gruppen, die Lunow unterstützten, genau beobachten werden, ob Watzke die vagen Versprechen in die Tat umsetzt. Nur wenn er dies gelingt, kann er die Spaltung im Verein überwinden. Das Alpha-Tier muss beweisen, dass es sich als Repräsentant des gesamten Vereins sieht, der weit über die Profiabteilung hinausgeht.

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