Medhi Benatia kritisiert Spieler nach Marseille-Niederlage
Der frühere Bayern-Verteidiger Medhi Benatia gerät nach einer Niederlage von Olympique Marseille gegen den FC Lorient in die Kritik.
München – Während der FC Bayern am Sonntag vorzeitig zum Meister in Deutschland gekrönt wurde, kämpft Olympique Marseille in der französischen Ligue 1 weiterhin um die Qualifikation für die Champions League. Nur die ersten drei Teams sichern sich einen direkten Platz. Nach der 0:2-Niederlage gegen den abstiegsgefährdeten FC Lorient am Samstag ist der Klub auf den sechsten Platz abgerutscht. Fünf Spieltage vor Schluss sind die Nerven angespannt – auch bei Sportdirektor Medhi Benatia, der früher für Bayern spielte.
Der 39-jährige Ex-Innenverteidiger trat nach der Pleite vor die Presse und ließ seiner Wut freien Lauf. Über sechs Minuten lang kritisierte er in einer leidenschaftlichen Rede seine eigenen Spieler – scharf, deutlich und ohne Rücksicht. Sein wiederholtes Fazit: „Ein Skandal.“
„Du spielst gegen Lorient, die nichts mehr zu verlieren haben, gewinnst keinen Zweikampf, zeigst keinen Einsatz und schaust nur zu“, wetterte Benatia. Besonders empörte ihn die Reaktion der Spieler in der Kabine: „Wie viele haben den Tisch umgeworfen? Keiner. Alles ist blitzblank – und man spielt für Olympique Marseille.“
Seine drastischen Worte blieben nicht unkommentiert. Ex-Trainer Pascal Dupraz bezeichnete Benatias Auftritt im Radiosender RMC als „peinlich“ und merkte an, dass es einfach sei, auf die Spieler einzuschlagen. Schließlich trage auch Benatia „Verantwortung“. Die Sportzeitung L’Équipe stellte fest, dass Benatia sich nur äußerte, „um die von ihm zusammengestellte Mannschaft weiter zu schwächen“.
Für Benatia ist dies nicht der erste öffentliche Ausbruch. Der Marokkaner ist in Frankreich bereits für frühere Wutausbrüche bekannt. Dennoch hatte er im Februar zunächst seinen Rücktritt eingereicht, war jedoch auf Bitte der Klubführung geblieben und soll bis zum Saisonende weitermachen.
Als Konsequenz aus der Niederlage kündigte er nun verschärftes Training an: „Ich habe den Spielern gesagt, sie sollen für die nächsten vier Wochen nichts planen. Wir werden mehr Zeit miteinander verbringen.“ Marseille benötigt in der Schlussphase der Ligue 1 wohl jeden Impuls – ob dies der richtige Weg ist, bleibt fraglich.