Neuhaus' überraschende Rückkehr zu Borussia Mönchengladbach
Im Jahresrückblick von Borussia Mönchengladbach zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung, die als größte Überraschung des Jahres betrachtet werden kann.
Mönchengladbach – Während der Sommervorbereitung auf die aktuelle Spielzeit dominierte ein Thema die Berichterstattung. Die positive Wende, die im Herbst einsetzte, war zu diesem Zeitpunkt keineswegs vorhersehbar.
Bereits vor der ersten Trainingseinheit häuften sich die Meldungen über Florian Neuhaus. Der Mittelfeldspieler, der unter Gerardo Seoane in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten zur Randfigur avancierte, sorgte außerhalb des Platzes für Aufsehen – jedoch nicht im positiven Sinne.
In den sozialen Medien verbreitete sich ein Video, in dem Neuhaus während eines Gesprächs mit Gladbach-Fans auf Mallorca sein Jahresgehalt offenbarte und Ex-Sportchef Roland Virkus als „schlechtesten Manager der Welt“ bezeichnete. Sein scheinbar alkoholisierter Zustand änderte nichts an der verheerenden Wirkung dieser Äußerungen.
Einige Fans sahen sich in ihrer Kritik an Virkus bestätigt, doch für die Mehrheit war das Neuhaus-Video inakzeptabel. Die Mallorca-Affäre führte dazu, dass Neuhaus noch weiter ins Abseits gedrängt wurde – dies schien zumindest nach der verhängten vierwöchigen Suspendierung und Geldstrafe der Fall zu sein.
Vor seiner Rückkehr betonte Neuhaus in einer öffentlichen Stellungnahme, das beschädigte Vertrauensverhältnis wiederherstellen zu wollen. Virkus und Ex-Trainer Gerardo Seoane, die beide während des Trainingslagers von einem Fan kritisiert worden waren, öffneten Neuhaus die Tür zur Rückkehr. Seine Einwechslungen in den ersten beiden Bundesliga-Spielen waren bereits eine kleine Überraschung.
Obwohl ein Teil der Anhängerschaft aufgrund der vergleichsweise milden Strafe und der Joker-Einsätze zunächst von einer Wohlfühloase sprach, änderte sich die Situation nach dem Trainerwechsel von Gerardo Seoane zu Eugen Polanski im September. Drei Monate später ist festzustellen, dass Neuhaus wieder zu den Publikumslieblingen zählt.
Beim 4:6-Fiasko gegen Eintracht Frankfurt wurde Neuhaus bereits nach 38 Minuten für Kevin Stöger eingewechselt und fand sich im darauffolgenden Spiel gegen den SC Freiburg (0:0) in der Startformation wieder. Seitdem hat Neuhaus insgesamt sechsmal von Beginn an gespielt, während er in der Saison 2024/25 lediglich zwei Startelfeinsätze hatte.
Im 3-5-2-System spielt Neuhaus auf der linken Acht und fungiert als ordnende Hand. Der 28-Jährige genießt Freiheiten, während Yannik Engelhardt und Rocco Reitz die Defensivarbeit übernehmen. Das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, trägt Früchte: Neuhaus spielt eine wichtige Rolle beim Übergang ins letzte Drittel und verbessert Gladbachs Ballbesitzspiel.
Obwohl niemand von einem Machtkampf zwischen Neuhaus, Virkus und Seoane sprechen möchte, hat der Spieler die beiden ehemaligen Verantwortlichen überdauert. Dass er nun eine tragende Rolle einnimmt, ist die größte Überraschung des Gladbacher Jahres 2025 – denn damit war bis September nicht zu rechnen.