Transferstrategie von Borussia Mönchengladbach im Fokus
Die Transferstrategie von Borussia Mönchengladbach sorgt in Teilen des Umfelds für Unverständnis, bleibt für den Verein jedoch alternativlos.
Mönchengladbach – Die Fans von Borussia Mönchengladbach blicken mittlerweile entspannter auf die bevorstehende Saison. Mit Haris Tabaković wurde ein Ersatz für Tim Kleindienst gefunden, zudem hat der VfL Shuto Machino von Holstein Kiel verpflichtet. Sollte Ko Itakura gewinnbringend verkauft werden, könnten weitere Neuverpflichtungen folgen.
Vor den Verpflichtungen im Sturm herrschte Unzufriedenheit unter den Anhängern. Machino galt seit Monaten als Transferkandidat und soll bis zum 31. Mai eine Ausstiegsklausel in Höhe von 3,5 Millionen Euro besessen haben. Bevor Alassane Pléa am 17. Juni zur PSV Eindhoven wechselte, waren die Hände von Sport-Geschäftsführer Roland Virkus jedoch gebunden.
Borussia kommuniziert regelmäßig, dass ihre Möglichkeiten stark von den Entwicklungen auf dem Transfermarkt abhängen. Um neue Spieler zu verpflichten, sind Einnahmen notwendig, doch potenzielle Interessenten müssen möglicherweise selbst erst Geld oder Platz im Kader schaffen. Gladbach steht am unteren Ende der Nahrungskette, da die Corona-Pandemie und mehrere ablösefreie oder kostengünstige Abgänge erhebliche Löcher gerissen haben.
Die finanzielle Situation ist eine Herausforderung, doch entscheidend ist auch, wie die vorhandenen Mittel investiert werden. Virkus und sein Team bewegen sich auf einem schmalen Grat, denn um auch in Zukunft handlungsfähig zu bleiben, müssen Spieler verpflichtet werden, die in einigen Jahren mehr Geld einbringen, als sie gekostet haben. Garantien dafür gibt es jedoch nicht.
Tomàš Čvančara kam 2023 als Hoffnungsträger für 10,5 Millionen Euro von Sparta Prag, strebte nach zwei unglücklichen Jahren eine Ausleihe zu Antalyaspor an, um wieder in Form zu kommen. Statt sich als Torjäger zu entwickeln, wurde Čvančara in Gladbach von Verletzungen und Konkurrenz zurückgeworfen. Aktuell droht Borussia ein erhebliches Minusgeschäft.
Für Nathan Ngoumou investierte Gladbach im Sommer 2022 stolze acht Millionen Euro. Vor seinem Achillessehnenriss im April dieses Jahres hatte der Flügelspieler eine seiner besten Phasen am Niederrhein, jedoch hat sich das kostspielige Investment bisher nur bedingt ausgezahlt.
Ein weiteres Beispiel aus der Vergangenheit: Borussia lieh Hannes Wolf 2020 für 1,5 Millionen Euro von RB Leipzig aus und zahlte ein Jahr später 9,5 Millionen Euro für die Festverpflichtung. Der Deal über elf Millionen Euro endete in einem ablösefreien Transfer zum New York City FC im Januar 2024, da Wolf am Niederrhein nie Fuß fassen konnte.
Zu viele Fehlgriffe dieser Art können einem Klub das Genick brechen. Der FC Schalke 04 dient als Warnbeispiel: Zwischen 2017 und 2019 zahlte der Traditionsverein laut Transfermarkt über 84,5 Millionen Euro für Spieler wie Nabil Bentaleb und Yevgen Konoplyanka, erhielt jedoch später nur 13,65 Millionen Euro für diese Akteure.
Die wirtschaftlich bereits angeschlagenen Schalker sahen sich mit immer größeren Problemen konfrontiert und stiegen letztlich 2021 sang- und klanglos in die 2. Bundesliga ab. Auf den direkten Wiederaufstieg folgte der erneute Abstieg, die Saison 2025/26 wird Schalkes drittes Jahr in der zweiten Liga in Folge sein.
Ein Teil des Gladbacher Fan-Umfelds äußerte vor den Verpflichtungen von Tabaković und Machino Bedenken wegen der ausbleibenden Transfers und beschwor das Abstiegsgespenst. Die Situation wäre jedoch noch ernster, wenn Borussia ein zu großes Risiko eingehen würde und sich dabei die Finger verbrennt. Im Fußball ist Vorsicht letztlich besser als Nachsicht.