Oliver Baumann verliert Platz im DFB-Tor an Manuel Neuer

Oliver Baumann verliert Platz im DFB-Tor an Manuel Neuer

Oliver Baumann muss bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft seinen Platz als Nummer eins im DFB-Tor an Manuel Neuer abgeben. Sportpsychologe Matthias Herzog äußert sich zur Degradierung des Hoffenheim-Keepers.

München – Am Donnerstag wird Bundestrainer Julian Nagelsmann den Kader für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko bekanntgeben. Bereits Tage zuvor wurde jedoch bekannt, dass der Bayern-Torwart Manuel Neuer (40) aus seiner fast zweijährigen Auszeit aus der Nationalmannschaft zurückkehrt.

Dies stellt einen herben Rückschlag für Oliver Baumann dar, der damit seine Position als Nummer eins räumen muss. Wie geht ein Profi mit solch einer Situation um? Absolut Bayern hat bei Sportpsychologe und Unternehmenscoach Matthias Herzog nachgefragt.

„Das ist keine gewöhnliche Torwartentscheidung. Es ist ein Vertrauensbruch“, betont Herzog und erklärt: „Nagelsmann hat nicht nur den Torwart gewechselt, sondern auch sein eigenes Versprechen zur Klarheit beschädigt. Er wollte frühzeitig Rollen verteilen, Sicherheit geben und Orientierung schaffen. Jetzt kippt jedoch eine der wichtigsten Rollen kurz vor dem Turnier. Das führt dazu, dass sich jeder Spieler fragt: Wie sicher ist mein Platz wirklich?“

Baumann wurde nach der Verletzung von Marc-André ter Stegen von Nagelsmann zur Nummer eins befördert und zeigte sich während der WM-Qualifikation als starker Rückhalt. Nach dem letzten Bundesliga-Spieltag am vergangenen Samstag ging Baumann offenbar davon aus, als Stammtorwart zum Mega-Turnier zu reisen. „Er hat mir das Vertrauen ausgesprochen, Punkt“, sagte der 35-Jährige bei Sky.

In einem späteren Interview mit der „Sportschau“ ging Baumann genauer auf seine Situation ein. Auf die Frage, ob er als Nummer eins zum Turnier fliegt, antwortete er: „Das ist mein Stand. Ich weiß nicht, ob er (Nagelsmann, Anm. d. Red.) heute Abend etwas dazu sagen wird, ich habe keine andere Info.“ Der Bundestrainer blieb in seinem TV-Auftritt vage.

Laut Herzog informierte Nagelsmann Baumann erst Anfang der Woche über seine Entscheidung, bei der WM auf Neuer zu setzen. „Das ist für mich der kommunikative Knackpunkt. Spätestens nach Neuers großartiger Leistung im Champions-League-Viertelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid hätte Nagelsmann Baumann ins Vertrauen ziehen müssen. Da hat er außergewöhnlich gehalten. Jeder hätte erkennen müssen, dass die Frage nach der Nummer eins wieder aufkommt“, so der Sportpsychologe.

„Er hätte Baumann Wochen vorher sagen müssen: ‚Oliver, du bist aktuell vorne. Aber ich muss ehrlich sein: Wenn Manuel in dieser Form bleibt, körperlich stabil ist und bereit ist, zurückzukehren, müssen wir die Torwartfrage neu bewerten.‘ Das wäre hart, aber fair gewesen. Dann hätte Baumann Zeit gehabt, sich mental darauf einzustellen. So wirkt es, als käme der Schlag genau in dem Moment, nachdem die Medien längst darüber berichten.“

Wie kann Baumann mit diesem Rückschlag umgehen? „Indem er seine Würde behält. Er darf enttäuscht und wütend sein, aber nicht verbittert“, rät Herzog. „Baumann muss sich sagen: ‚Ich bin nicht kleiner geworden, nur weil ein größerer Name zurückkommt. Ich bin stark genug, dass die ganze Nation über mich diskutiert und mich als Persönlichkeit schätzt. Ich habe das Vertrauen, die Nummer eins würdig zu vertreten. Und sollte Manuel ausfallen, bin ich die Nummer eins und werde mit 100 % Leistung im Tor stehen.‘“ Diese Einstellung umzusetzen, ist jedoch leichter gesagt als getan.

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