Oliver Forster über seine besonderen Begegnungen mit Franz Beckenbauer
Kommentator Oliver Forster teilt eine besondere Geschichte über Franz Beckenbauer und verteidigt den Kaiser leidenschaftlich.
München – Die beliebte Bundesliga-Konferenz wechselt zum Streaminganbieter DAZN, was Anlass für ein Gespräch mit einem Kommentator gibt, der den deutschen Fußball seit Jahrzehnten prägt und als Pionier der ersten Bundesliga-Konferenz gilt. Wenn Oliver Forster zu erzählen beginnt, wird schnell klar, dass die schönsten Geschichten nicht von Übertragungsrechten handeln, sondern von außergewöhnlichen Begegnungen mit bemerkenswerten Persönlichkeiten. Eine dieser Begegnungen führt direkt zu Franz Beckenbauer und zeigt den Kaiser von einer Seite, die viele nie erlebt haben.
Es war nach einem Gruppenspiel bei der Europameisterschaft 1996 im Old Trafford in Manchester. Forster, damals als Privatradioreporter tätig, hatte keine Rechte für die Mixed Zone, was bedeutete, dass Interviews mit Spielern oder Funktionären nach dem Spiel für ihn nicht möglich waren – eine frustrierende Situation für jeden Journalisten. Doch dann geschah etwas Unerwartetes, das Forster bis heute in Erinnerung geblieben ist.
In einem Gespräch mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, erinnert sich Forster: „Als ich zu meinem Hotel zurückfuhr, kam Franz Beckenbauer mit seiner damaligen Frau zur gleichen Zeit an. Er schaute mich an und ich fragte ihn: ‚Machen wir was?‘ Daraufhin meinte er: ‚Ja gut, mit deinem Kasperlesender.‘“
Was darauf folgte, glich einem Traum für einen Radioreporter: Beckenbauer gab Forster exklusiv das, was er einen Tag später der Bild-Zeitung für deren Kolumne diktierte. „Das bedeutete, dass ich am nächsten Morgen in unserer Frühsendung immer Franz Beckenbauer exklusiv bei mir hatte. Das war natürlich Wahnsinn“, erinnert sich Forster.
Doch es blieb nicht bei diesem einen Mal. Bei allen Vorrundenspielen und sogar im Viertelfinale gegen Kroatien wiederholte sich das Ritual. Der Kaiser und Forster mit seinem „Kasperlesender“ – eine ungewöhnliche, aber herzliche Verbindung. Diese Anekdote offenbart mehr über Franz Beckenbauer als viele offizielle Interviews. Sie zeigt einen Mann, der spontan und großzügig war und niemanden von oben herab behandelte. „Daran merkte man, dass er mich mochte – und ich mochte ihn auch“, fasst Forster die besondere Beziehung zusammen.
Forsters Erinnerungen werden emotional, wenn er über die späteren Jahre spricht. „Er war ein toller Typ, ein fantastischer Kerl. Am Ende ist er viel zu schlecht weggekommen.“ Tatsächlich geriet Beckenbauer in seinen letzten Jahren durch die WM-Vergabe-Affäre in die Kritik. Als Präsident des Organisationskomitees war er maßgeblich an der Organisation der Weltmeisterschaft 2006 beteiligt, die als „Sommermärchen“ in die Geschichte einging. Später wurde im Zuge jener Affäre eine umstrittene Überweisung von 6,7 Millionen Euro bekannt, Beckenbauer räumte eine „Fehlweisung“ ein, schloss jedoch eine Manipulation der Vergabe aus.
Für Forster steht fest: „Er war die Lichtgestalt, der Mann, der die WM 2006 geholt hat, und zwar nicht auf Kosten von irgendwelchen Leuten und auch nicht mit irgendwelchen Schmierereien. Er hat sie mit seiner Idee und seinen Gedanken geholt.“ Diese Einschätzung deckt sich mit dem Bild vieler, die Beckenbauer persönlich kannten: ein Visionär, der Deutschland das größte Fußballfest seiner Geschichte beschert hat.
„Deutschland kann ihm definitiv ewig dankbar sein für dieses Fußballfest und für alles, was er getan hat“, betont Forster. Die WM 2006 veränderte nicht nur das Bild Deutschlands in der Welt, sondern auch das Selbstverständnis der Deutschen. Beckenbauer war der Architekt dieses Wandels.
Forsters Stimme wird eindringlich, wenn er über die Kritik an Beckenbauer spricht: „Franz Beckenbauer ist der größte deutsche Sportler, den wir je hatten. Es gibt nicht den geringsten Punkt, wo ich sage, man könne ihm auch im Nachhinein irgendetwas in die Schuhe schieben. Ich halte die Art und Weise, wie viele mit ihm umgegangen sind, für skandalös – ein absolutes Unding.“
Diese Worte stammen von jemandem, der den Kaiser persönlich kennenlernen durfte. In einer Zeit, in der Legenden manchmal durch Skandale überschattet werden, erinnert Forster an das, was für ihn wirklich zählt: die menschliche Größe und das sportliche Vermächtnis einer einzigartigen Persönlichkeit.