Paris Saint-Germain verteidigt Champions-League-Titel: Ein Blick auf den FC Bayern
Paris Saint-Germain hat erfolgreich seinen Champions-League-Titel verteidigt. Der Fußball-Experte Didi Hamann erläutert, was dem FC Bayern München noch zum Gewinn des Henkelpotts fehlt.
München – Die Fußballwelt ist begeistert von Paris Saint-Germain. Die Mannschaft unter Trainer Luis Enrique gewann am vergangenen Samstag im Elfmeterschießen gegen Arsenal in Budapest zum zweiten Mal in Folge die Champions League. Im Vorjahr setzten sich die Franzosen souverän mit 5:0 gegen Inter Mailand in München durch. Die zentrale Frage lautet: Was hat PSG, was dem FC Bayern zum Henkelpott noch fehlt?
Finanzielle Mittel: Im Gegensatz zum wirtschaftlich seriös agierenden deutschen Rekordmeister kann sich Paris dank finanzieller Unterstützung aus Katar jeden gewünschten Star leisten. Fehlkäufe fallen kaum ins Gewicht. Seit der Ankunft von Erfolgscoach Enrique im Sommer 2023 ist jedoch ein nachhaltiger Plan in der Kaderzusammenstellung der Franzosen zu erkennen.
Theoretisch hätte auch der FC Bayern Spieler wie Joao Neves (66 Millionen Euro), Khvicha Kvaratskhelia (80 Millionen Euro) oder Desire Doue (50 Millionen Euro) verpflichten können, ebenso wie Vitinha, der 2022 für 41,5 Millionen Euro aus Porto geholt wurde. PSG wurde erst richtig erfolgreich, „als sie vom teuren Starensemble zu einer echten Mannschaft wurden“, erklärte Bayern-Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge kürzlich gegenüber Absolut Bayern. Mit Superstars wie Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé im Kader blieb PSG international jedoch titellos.
Strenger Sportdirektor: Unter Sportdirektor Luis Campos, der seit Sommer 2022 im Amt ist, setzt Paris auf stark leistungsbezogene Verträge. Ein Beispiel: Als Torwart-Star Gianluigi Donnarumma für seine Vertragsverlängerung ein überhöhtes Gehalt forderte, ließ ihn der Verein für 30 Millionen Euro zu Manchester City ziehen. Zuvor wurde bereits Lucas Chevalier als neuer Keeper verpflichtet, um Druck auszuüben.
Bayern-Sportvorstand Max Eberl hingegen hat bislang versäumt, klare Grenzen zu setzen. Generell lässt sich der ehemalige Leipziger bei Verhandlungen von der Gegenseite leiten. Vertragsverlängerungen für Spieler wie Alphonso Davies, Jamal Musiala und Dayot Upamecano waren zu teuer. Erst jetzt möchte Eberl bei Konrad Laimer, dessen Vertrag 2027 ausläuft, klare Vorgaben machen. Damit ein solches Vorgehen jedoch Wirkung zeigt, müsste man auch bei namhaften Spielern standhaft bleiben.
Vitinha und Joao Neves: Dieses Mittelfeld-Duo ist das Herz der Pariser Mannschaft. „Vitinha und Neves sind meiner Meinung nach um eine Nuance besser als Kimmich und Pavlovic im Ballbesitz. Sie sind ruhiger und ballsicherer“, sagt Ex-Bayern-Profi Andreas Herzog. Hamann sieht vor allem den DFB-Kapitän kritisch.
„Kimmich ist aus meiner Sicht einfach kein zentraler Mittelfeldspieler. Es gibt Gründe, warum sowohl der deutsche als auch der aktuelle englische Nationaltrainer, Thomas Tuchel, ihn rechts hinten sehen. Auf der Sechs benötigt man Spieler, die antizipieren können“, so Hamann.
Der FC Bayern sucht nach Verstärkung im defensiven Mittelfeld. Laut Hamann benötigt das Team jemanden wie „Rodri vor drei Jahren“: „Jemanden, der das Spiel lenkt und organisiert. Jemanden, der der Innenverteidigung Sicherheit gibt und der Offensive die Freiheit lässt, auch mal den Ball verlieren zu können.“ Er betont: „Bayern hat in den vergangenen Jahren viele Innenverteidiger verschlissen. Aber ohne Absicherung ist es für jeden Abwehrspieler schwierig.
Abwehrchef: Ein klarer Anführer in der Innenverteidigung hat sich auch unter Trainer Vincent Kompany noch nicht herauskristallisiert. Bei PSG ist Marquinhos der Leader in der Abwehr, wie Hamann feststellt: „Ein absoluter Kämpfer, der die gesamte Mannschaft im Griff hat. Er steht hinten wie der Eiffelturm. Das begeistert mich. Er verbessert seine Mitspieler, das ist Führung. Tah und Upamecano müssen erst beweisen, ob sie dazu in der Lage sind. Generell stellt sich mir die Frage, ob Bayern genügend Spieler hat, die ihre Kollegen besser machen können.“