Politische Einmischung bei der FIFA: Trump und Balogun

Politische Einmischung bei der FIFA: Trump und Balogun

Präsident Donald Trump hat sich in die Geschehnisse rund um die FIFA eingemischt, was dazu führte, dass der gesperrte US-Fußballer Folarin Balogun plötzlich spielberechtigt wurde. Diese Einmischung weckt Besorgnis über die Integrität des Spiels.

In New York – Die Situation ist bedauerlich und zeigt, wie weit der Fußball in eine Sackgasse geraten ist, die jede Freude am Spiel erstickt. In zahlreichen Lokalen in den USA, wie dem Park Tavern am Piedmont Park in Atlanta, starrten Fans aus aller Welt am Sonntag entgeistert auf ihre Handys, während sie das WM-Achtelfinale zwischen Brasilien und Norwegen verfolgten. Statt sich über die Tore von Erling Haaland zu freuen, fragten sie sich, was Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorhatten.

Die Unverfrorenheit, die mit der Übergabe des Friedenspreises bei der Auslosung begann, erreichte am Sonntag eine neue Dimension. Trump griff zum Telefon, bevor die FIFA die Sperre für Balogun, die aufgrund einer Roten Karte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina verhängt wurde, aufhob. Der erfolgreichste US-Stürmer mit drei Toren war nun für das Achtelfinale der USA gegen Belgien in Seattle spielberechtigt. Die Politik hat damit Einfluss auf die Teilnahme an der WM genommen – ein ungeheuerlicher Vorgang.

Diese Situation könnte die Glaubwürdigkeit und Begeisterung für das gesamte Turnier gefährden. Die Tragweite dieser Einmischung ist noch nicht abzusehen und bestätigt die schlimmsten Befürchtungen. Wo geht die FIFA hin?

Der belgische Fußballverband RBFA äußerte scharfe Vorwürfe, während Trump im Weißen Haus frohlockte: „Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat!“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Bei einer Pressekonferenz im Oval Office bestätigte Trump seine persönliche Intervention bei der FIFA: „Ich habe lediglich um eine Überprüfung gebeten. Ich habe nicht gesagt, dass sie das tun müssen.“

Trump bezeichnete die Aktion von Balogun, der seinem bosnischen Gegner unbeabsichtigt auf die Ferse getreten war, als „keine Foulspiel“. Er äußerte auch Zweifel an der Entscheidung des brasilianischen Schiedsrichters Raphael Claus und bezeichnete ihn als „ein bisschen suspekt“.

Trump berichtete, dass er mit einem hoch angesehenen FIFA-Vertreter gesprochen habe, nannte jedoch keinen Namen. Infantino bestätigte den Kontakt in einer schriftlichen Stellungnahme, wies aber jede Einmischung zurück. Er erklärte, dass ein laufendes juristisches Verfahren vor den unabhängigen Gremien der FIFA anhängig sei und die Entscheidung von den zuständigen Instanzen getroffen werde. „So funktioniert das System der FIFA, und ich werde diesen Grundsatz stets verteidigen“, sagte Infantino.

Die FIFA hat mit ihrer Entscheidung gegen die eigenen Regeln verstoßen. Artikel 66.4 im Disziplinarkatalog sieht vor, dass eine Rote Karte automatisch eine Spielsperre nach sich zieht, und ein Einspruch dagegen ist nicht möglich. Die Entscheidung zur Aussetzung der Sperre basierte lediglich auf Artikel 27 der Disziplinarordnung.

Solche Ausnahmen sind selten. Cristiano Ronaldo profitierte von einer ähnlichen Regelung, als seine Sperre nach einem Ellenbogenschlag verkürzt wurde, um seine Teilnahme an der WM zu ermöglichen. Der Fall Balogun hat jedoch eine ganz andere Dimension.

Die UEFA, traditionell ein Gegner der FIFA, äußerte sich scharf: „Wir bringen unser Unverständnis über eine derart beispiellose, unbegreifliche und nicht zu rechtfertigende Entscheidung zum Ausdruck.“ Diese Worte könnten von UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin stammen, der oft gegen Infantino Stellung bezieht.

Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich besorgt und forderte eine klare Stellungnahme zur politischen Einflussnahme auf den Sport. „Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA“, erklärte er, wohl wissend, dass der Vertrauensverlust dem gesamten Spitzenfußball schadet.

Gerade in den USA hatte die WM an Bedeutung gewonnen, und internationale Fans fühlten sich von der amerikanischen Gastfreundschaft angezogen. Diese Begeisterung steht nun auf der Kippe.

Hans E. Lorenz, ehemaliger Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, warnte vor einem fatalen Signal für die Sportgerichtsbarkeit weltweit. „Die FIFA droht seit Jahrzehnten allen Verbänden mit Sanktionen, wenn sie das Prinzip der Mindestsperre missachten“, sagte er. „In der Bundesliga hätte Balogun wohl drei Spiele gesperrt werden müssen, bevor man über eine Reduzierung diskutiert hätte. Das ist einfach skandalös.“

Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp reagierte fassungslos: „Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, ist das verrückt und stellt alles infrage“, sagte er bei Magenta TV. „Diese beiden Personen, die keine Ahnung von Fußball haben, sollten sich nicht einmischen. Das ist unser Spiel, nicht ihres.“

In den USA fielen die Reaktionen jedoch milder aus. Zlatan Ibrahimovic, der beim Sender Fox Sports auftrat, bezeichnete die Aussetzung der Sperre als „unusual“, während die Diskussion schnell wieder in die Werbung überging. Schließlich muss Geld verdient werden, und das geht besser, wenn der Gastgeber lange im Turnier bleibt.

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