Salim Musah: Ein aufstrebendes Talent bei Werder Bremen
Salim Musah ist nach seinem ersten Bundesliga-Tor in aller Munde. Auch Vereinslegende Ailton zeigt sich begeistert von dem Sturm-Talent des SV Werder Bremen.
Bremen – Wenn Ailton über Stürmer spricht, hat das besonderes Gewicht. Der brasilianische Torjäger sicherte sich 2004 mit 28 Treffern die Torjägerkanone in der Bundesliga und führte den SV Werder Bremen zum historischen Double-Gewinn. Der „Kugelblitz“ (106 Tore in 219 Bundesliga-Spielen) war für seine Schnelligkeit und seinen begnadeten linken Fuß bekannt und wurde von nahezu jeder Abwehr gefürchtet. Am vergangenen Samstag beobachtete die Werder-Legende bei der 1:2-Niederlage gegen RB Leipzig einen jungen Werder-Stürmer, der in der Nachspielzeit mit einem Joker-Tor seine erste Visitenkarte auf der großen Bundesliga-Bühne abgab: Salim Musah.
„Ich war im Stadion und habe das Spiel von Salim Musah gesehen. Nelson Valdez hatte mir vorher schon von ihm erzählt“, erklärte der Brasilianer im Gespräch mit der DeichStube und fügte hinzu: „Musah war in den Minuten, in denen er spielte, sehr gut. Anhand der kurzen Spielzeit, die ich gesehen habe, hat er Potenzial.“ Trotz des gelungenen Einstands warnt Ailton jedoch vor zu hohen Erwartungen an den erst 20-jährigen Angreifer, auch wenn dieser in seinen ersten drei Kurzeinsätzen definitiv Lust auf mehr machte. „Er ist noch sehr jung für die Bundesliga. Werder muss viel Geduld mit ihm haben und ihn Schritt für Schritt einsetzen.“ Ailton ist überzeugt: „Musah kann in Zukunft wichtig für Werder werden.“ Doch wer ist der neue Hoffnungsträger des SV Werder Bremen?
Der frischgebackene deutsche U20-Nationalspieler (zwei Länderspiele) stammt aus Oldenburg, Niedersachsen, hat deutsche und ghanaische Wurzeln und wechselte 2017 vom VfL Oldenburg ins Leistungszentrum der Grün-Weißen, wo er bald ins Internat zog. Zwischenzeitlich hatte der Heranwachsende mit Lungenproblemen zu kämpfen, die seine Karriere frühzeitig gefährdeten. Doch Salim Musah biss die Zähne zusammen und startete durch. In der Saison 2024/25 erzielte er für die U19 des SV Werder Bremen wettbewerbsübergreifend 20 Tore in 24 Partien und gewann den DFB-Pokal. Im Finale erzielte Musah das Tor zum 2:0-Endstand. Anschließend unterschrieb er seinen ersten Profivertrag an der Weser, der bis Sommer 2028 datiert ist.
Körperlich ähnelt der 1,98 Meter große Stürmer dem ebenfalls 1,98 Meter großen Nick Woltemade, der kurioserweise ebenfalls von der gleichen Berater-Agentur (Headtrick) vertreten wird. Dennoch unterscheiden sich die Profile der beiden Angreifer grundlegend. Während der eher hagere Woltemade für seine filigrane Technik bekannt ist, wirkt Musah wie ein ungeschliffener Rohdiamant, der mit seiner Schnelligkeit und körperlichen Wucht spannende Fähigkeiten vereint. Musah sucht oft die Tiefe und hat einen direkten Zug zum Tor, während Woltemades Dribblings oft verschnörkelt wirken.
„Salim ist ein spannender Spieler“, urteilte Werders LZ-Leiter Oliver Hüsing im DeichStube-Interview. „Solch eine Physis gepaart mit Tempo findet man selten. Er kann eine wichtige Waffe sein und aufgrund der Personalsituation eine bedeutende Rolle spielen.“ Dies bewies Salim Musah eindrucksvoll gegen RB Leipzig, wo er eigentlich nur bei den Profis reinschnuppern und bei der U23 Spielpraxis sammeln sollte. Mit seiner Geschwindigkeit kann er gut in die Tiefe gehen oder das Eins-gegen-eins suchen, gleichzeitig aber auch Bälle festmachen und weiterleiten. Ailton ist beeindruckt von Musahs Unbekümmertheit: „Er wurde in einem sehr schwierigen Spielmoment eingewechselt, ließ sich aber nicht unter Druck setzen. Von zwei Gelegenheiten hat er eine verwandelt. Solches Auftreten ist für einen jungen Spieler sehr wichtig.“ Der Oldenburger weckt beim Brasilianer offenbar Hoffnungen auf eine erfolgreiche Bundesliga-Karriere am Osterdeich: „Ich hoffe, er wird ein großer Werder-Stürmer.“
Diese Hoffnung teilt auch Trainer Daniel Thioune, der die Qualitäten von Salim Musah derzeit vor allem als Einwechselspieler schätzt. „Ich glaube, dass er aktuell den größten Einfluss auf unser Spiel hat, wenn er von der Bank kommt. Vielleicht ist das genau der Schlüssel, den man braucht“, sagt der Coach des SV Werder Bremen. Musah habe in den vergangenen Wochen gezeigt, „dass man schon auf ihn setzen kann“. Nicht nur wegen seines Debüt-Treffers, der ihm zusätzlichen Rückenwind verleihen soll. „Es hat uns, glaube ich, noch viel gegeben. Es hat dem Stadion viel gegeben“, so Thioune. „Und ich wünsche mir natürlich, dass es ihm noch viel gibt.“