SV Werder Bremen reagiert auf Ausschreitungen in Wolfsburg
Zwei Tage nach den Fan-Ausschreitungen in Wolfsburg hat der SV Werder Bremen in einem offiziellen Statement auf die Vorfälle reagiert.
Wolfsburg/Bremen – Bei dem Bundesliga-Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SV Werder Bremen (0:1) kam es vor dem Gästebereich der Volkswagen Arena zu Ausschreitungen, die von gegenseitigen Vorwürfen, mehreren Verletzten und Festnahmen geprägt waren. Laut der Wolfsburger Polizei wurden sowohl Ordner als auch Polizeibeamte von Bremer Fans angegriffen. Auch der VfL Wolfsburg machte die Gästefans für den Polizeieinsatz verantwortlich. In einem Statement verurteilte der VfL die Vorfälle, die durch einen „unnötigen und aggressiven Angriff“ von Gästefans auf die Ordner ausgelöst wurden.
Anne-Kathrin Laufmann, Geschäftsführerin Sport und Nachhaltigkeit des SV Werder Bremen, erklärte: „In den vergangenen Tagen haben wir uns umfassend mit den Abläufen auseinandergesetzt und zahlreiche Gespräche mit unserer Fanszene, den zuständigen Behörden sowie den Verantwortlichen vor Ort geführt. Dabei hat sich einmal mehr gezeigt, dass solche Situationen in ihrer Dynamik vielschichtig sind und sich einer einfachen oder einseitigen Bewertung entziehen.“ Sie betonte, dass die Entwicklung der Situation nicht dem Anspruch an einen verantwortungsvollen Umgang miteinander entspreche. „Gleichzeitig ist es uns ein zentrales Anliegen, die Hintergründe der Eskalation differenziert zu beleuchten. Entgegen der teilweise öffentlich vermittelten Darstellung ging es im Kern nicht um generell verbotene Fanmaterialien, sondern um die Frage der konkret zulässigen Anzahl von Fahnenstangen, deren Mitführung grundsätzlich genehmigt war. Diese Differenzierung ist für die Bewertung der Gesamtsituation von wesentlicher Bedeutung, da sie verdeutlicht, dass es sich um eine Auslegungs- und Abstimmungsfrage handelte“, fügte Laufmann hinzu. „Gerade an solchen Punkten zeigt sich, wie sensibel das Zusammenspiel zwischen Sicherheitsanforderungen und gelebter Fankultur ist.“
Die Polizei Wolfsburg berichtete bereits am Mittag, dass ein Gästefan versucht haben soll, einen nicht zugelassenen Gegenstand ins Stadion zu bringen. Als Ordner einschritten, solidarisierten sich weitere Anhänger des SV Werder Bremen und griffen laut Polizei „massiv“ ein, was zu mehreren Verletzungen bei den Ordnern führte. In der Folge intervenierte die Polizei, wandte mehrfach „unmittelbaren Zwang“ an und nahm insgesamt zehn Personen vorläufig fest. Zudem wurden drei Beamte leicht verletzt.
Marie Burmeister, Sprecherin der Grün-Weißen Hilfe, widersprach diesen Schilderungen in einem Interview mit dem Magazin „11 Freunde“ und erhob ihrerseits schwere Vorwürfe. „An der Darstellung sieht man, wie die Polizei bis hart an die Grenze zur Lüge geht“, so Burmeister. Tatsächlich habe es sich bei dem Gegenstand um eine gewöhnliche, genehmigte Fahnenstange gehandelt. Der Fan sei von den Ordnern nicht angesprochen worden; erst als er sich bereits auf dem Weg zum Gästeblock befand, sei er „ziemlich rabiat gegen eine Plexiglas-Abtrennung gedrückt“ worden. Den von der Polizei geschilderten „massiven Angriff“ von Fans des SV Werder Bremen auf Wolfsburger Ordner „konnten wir aber nicht beobachten“, so Burmeister.
Anne-Kathrin Laufmann und der SV Werder Bremen setzen auf den Dialog zwischen allen Beteiligten. Die aktive Fanszene trage entscheidend zur besonderen Atmosphäre bei, gleichzeitig sei mit der Rolle als Bestandteil des Vereins auch die Erwartung verbunden, in herausfordernden Situationen besonnen zu handeln und zur Deeskalation beizutragen. „Ebenso sehen wir auf Seiten der gastgebenden Organisation und der eingesetzten Kräfte die Verantwortung, mit der notwendigen Verhältnismäßigkeit und einem klaren Fokus auf Kommunikation zu agieren.“ Der SV Werder wolle den „eingeschlagenen Dialog mit allen Beteiligten konsequent fortsetzen“ und wünscht „allen Verletzten eine gute und schnelle Genesung“.