Testspiele und Taktik: Sebastian Hoeneß im Fokus
VfB-Reporter Niklas Noack beleuchtet mit einem Schmunzeln in seiner Kolumne „Druck auf dem Kessel“ die Eigenschaften, die er mit Sebastian Hoeneß teilt.
Stuttgart – Liebe Leserinnen und Leser, ist es nicht schön, diese Ruhe während der Länderspielpause? Diese Zeit, die ich als Fußballfan so sehr verabscheue, habe ich als Reporter jedoch zu schätzen gelernt. Endlich ein freies Wochenende, es sei denn, man muss sich mit dem Versagen der deutschen Nationalmannschaft auseinandersetzen.
Doch ganz still ist es während der Länderspielpause selten. In der Regel plant der VfB in diesen Wochen Testspiele, und diese Termine gehören wahrlich zu meinen Favoriten. Glaubt ihr nicht? Doch das ist die Wahrheit. Auf den Sportplätzen der Region läuft es oft anders als im professionellen Bundesligageschäft, wo alles streng durchgeplant ist.
Die Protagonisten sind oft zugänglicher als im Zirkus eines Pflichtspiels, und Reporter können aufgrund der geringeren Zuschauerzahl manchmal sogar den Spielern zuhören, wie sie sich gegenseitig Anweisungen auf dem Rasen geben. Diesmal führte der Weg unter der Woche nach Großaspach.
Zugegeben, mein Arbeitstag begann alles andere als entspannt, da ich zunächst im Stau steckte und später verzweifelt im Wald der schwäbischen Provinz versuchte, mit schwachem Internet meinen Mietwagen abzuschließen. Aber pünktlich zum Anpfiff saß ich im Pressebereich der beeindruckenden Großaspacher Haupttribüne, die an ein schwäbisches Wirtshaus erinnert, und hatte einen hervorragenden Blick auf Trainer Sebastian Hoeneß.
Plötzlich wurde es laut. Der Stuttgarter Coach gestikulierte wild an der Seitenlinie und kommandierte seine Mannschaft in den ersten 20 Minuten lautstark. Was war hier los? Doch im Nachhinein stellte sich heraus: Auch Hoeneß ist ein Fan von Testspielen.
Durch die kleine Kulisse konnten die Spieler auf dem Platz ihn gut hören, und er wollte die Gelegenheit nutzen, um eine neue taktische Pressingvariante auszuprobieren. Auf Nachfrage von Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, erklärte Hoeneß: „Wenn wir neue Dinge einüben, möchte ich die Mannschaft natürlich unterstützen.“
Hoeneß, der eher als bedachter Charakter bekannt ist, wurde erst kürzlich laut, nachdem er die Kaderzusammenstellung und somit die VfB-Verantwortlichen Fabian Wohlgemuth und Alexander Wehrle kritisierte.
Inzwischen hat er sich jedoch beruhigt und möchte nach vorne blicken. Zum Glück, denn ich hatte bereits einen Rückfall in alte VfB-Zeiten mit einem heftigen Machtkampf befürchtet. Zwar kann ich nicht ausschließen, dass es zu einem solchen noch kommen könnte, aber momentan konzentrieren wir uns erst einmal auf das Sportliche. Beziehungsweise auf ein VfB-freies Wochenende, bevor der ganze Bundesligazirkus wieder losgeht.