Thomas Müller: Deutschland nicht unter den Top-Favoriten für die WM
Thomas Müller zählt die deutsche Nationalmannschaft weiterhin nicht zu den Top-Favoriten auf den WM-Titel und zieht einen Vergleich zur WM 2010.
New York – Mit einem souveränen 7:1-Sieg gegen Curacao hat die deutsche Nationalmannschaft einen gelungenen Auftakt zur Weltmeisterschaft 2026 hingelegt, was bei vielen Fans Hoffnungen auf einen großen Erfolg geweckt hat. Auch Thomas Müller, der das Turnier als Experte für MagentaTV begleitet, zeigt sich optimistisch nach dem starken Start, bremst jedoch die Euphorie.
Bei der Verleihung des Ehrenpreises als Deutscher Fußball-Botschafter im German House of Soccer in New York äußerte Müller seine Bedenken hinsichtlich der hohen Erwartungen an das DFB-Team. „Seit wir die WM 2014 gewonnen haben – und in Deutschland haben wir als Fußball-Nation einen gewissen Anspruch – geht es immer darum, wann wir wieder Weltmeister werden. Ich würde die Herangehensweise gerne etwas ändern“, erklärte er im Gespräch mit Absolut Fußball.
Er zog einen Vergleich zur WM 2010: „Wenn man realistisch darauf blickt, gibt es immer Prozesse in den Generationen. Man muss die Spieler, ihre Form und die Teamdynamik genau im Blick haben, wenn die WM ansteht. Ich sehe uns eher im Modus von 2010, als wir sehr gute Herausforderer waren, aber man kann nicht erwarten, dass die Mannschaft von A bis Z in Richtung Titel marschiert“, so Müller.
Das Problem liege jedoch im Anspruch der deutschen Fans. „In Deutschland ist das schon ein gewisser Grundtenor, und wir sollten uns zunächst die Chance geben, in die K.-o.-Phase hineinzuwachsen und die Leistung nicht nur nach dem Ergebnis zu bewerten“, appellierte der 36-Jährige, der selbst an vier Welt- und Europameisterschaften teilgenommen hat.
Müllers Hoffnung ist, „dass wir weniger über das Finale sprechen, sondern darüber, dass es einen Weg braucht.“ Er ist sich bewusst, dass man mindestens „eine große Nation schlagen muss, um ins Finale vorrücken zu können“. Doch genau das traut Müller dem DFB-Team zu. Im Achtelfinale könnte Frankreich warten, sofern beide Teams als Gruppensieger aus der Vorrunde hervorgehen.
Ähnlich wie sein ehemaliger Teamkollege Bastian Schweinsteiger, der betont hatte, dass Deutschland gegen Frankreich bei zehn Spielen zwei oder drei Mal gewinnen würde, glaubt Müller an ein Weiterkommen des DFB-Teams, falls es zu einem Duell mit der Equipe Tricolore kommt. „Ja, natürlich, das hat er auch gesagt – zwei von zehn Mal“, antwortete der Weltmeister schmunzelnd auf eine entsprechende Frage von Absolut Fußball.
Müller führte weiter aus: „Wenn es um die absoluten Top-Favoriten geht, würde uns jetzt niemand sofort nennen. Aus Gründen“, leitete er ein, „und trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir jeden schlagen können. An einem entscheidenden Tag, wenn der große Gegner kommt, braucht es eine außergewöhnliche Leistung.“ Zuvor muss die Elf von Julian Nagelsmann jedoch die Gruppenphase überstehen, in der noch zwei anspruchsvolle Aufgaben gegen die Elfenbeinküste (20. Juni) und Ecuador (25. Juni) warten.